Wenn man weniger wird

Ich dachte immer man wird nur weniger, wenn es dem Tod entgegen geht. Doch ich mache gerade eine ganz andere Erfahrung. Ich werde weniger. Ich spüre es von Tag zu Tag. Ich meine nicht, dass ich einfach nur abnehme. Ich war nicht dick. Und doch werde ich weniger.

Ich fühle mich im Moment wie ohne Panzer. Es ist als ob eine zweite Persönlichkeit in mir verloren geht und ich jetzt alleine bin. Ich bin in der Heilung und eigentlich fühle ich mich besser, und gleichzeitig schlechter. Ich merke, dass etwas fehlt, was vorher da war.

Meine Beine waren die letzten Jahre oft schwer. Seit mein Großer Olek geboren ist, hatte ich immer damit Probleme. Jetzt weiß ich gar nicht, wie ich mit meinen Beinen, die sich anfühlen, als ob sie Efeu-Ranken abgeworfen hätten, umgehen soll. Ich weiß ich könnte jetzt wieder joggen gehen, aber ich traue mich nicht. Nicht nur deshalb, weil ich beim letzten Jogging-Versuch am Tag der Abgabe von Indie völlig zusammen geklappt bin. Ich habe Angst vor der Kraft, die in mir steckt. Oder vielmehr: Wenn ich merke, was wir die letzten Jahre gefehlt hatte, habe ich das Gefühl es zersetzt mich vor Trauer, Wut und Zorn.

Also lieber Schritt für Schritt. Ich habe jetzt wieder Hunger. So richtig das Gefühl, dass mein Magen leer ist und mein ganzer Körper auf Nahrung wartet! Und ich merke so vieles, was vorher weg war. Schön ist, dass meine Wortfindungsstörung sich immer seltener zeigt. Leider kommen jedoch meine punktuellen Kopfschmerzen und mein Ping-Pong-Ball bei den Nieren wieder durch. Aber ich merke, dass auch dies jetzt ein Gehen und kein Kommen wie vor einigen Jahren war.

Aber am faszinierendsten und stärksten ist das Gefühl: Ich werde weniger. Bald bin ich nur noch ich. In der Ausbildung zur Heilpraktikerin sagte mein Lehrer immer: Die Menschen haben so viel Schutz um sich herum, wie sie brauchen. Damit meinte er, dass viele Menschen dick sind, weil sie sonst von dieser Welt überrannt würden und sich verlören. Ich merke jetzt, wie viel an „Unverarbeitetem“ ich in mir einfach zur Seite gelegt hatte und es nun ausspüle. Aber mit diesem Wattebausch-Schutz, der mich immer umgab, bin ich nun wie ohne Mauer oder schützende Wand.

Einerseits bin ich stärker und merke, dass ich mich auf mich selbst verlassen darf und kann. Andererseits spüre ich das erste Mal seit über zehn Jahren schmerzlich, dass da nur ich bin und ich mich auf mich selbst verlassen muss und auch nur ich mich schützen kann, um ich sein zu können.

Ich weiß, dass das was ich schreibe in einem Hundeblog eigentlich nicht wirklich hineinpasst. Aber ich habe schon immer gewusst und gepredigt, dass Ernährung das A und O ist zur Gesundheit – seelisch und körperlich.

Jetzt erfahre ich am eigenen Leib wie es war, krank zu sein. Und wie es ist in die Heilung zu kommen – und wie es sich anfühlt in die Verlorenheit zu kommen, die ich bei vielen Hunden erlebe, wenn sie das Alte loswerden und das Neue kaum aushalten können. Alles das, was ich jetzt erlebe habe ich bei über 20 Hunden, die ich „geheilt“ habe, erlebt.

Meine Nala braucht jetzt auch Heilung. Das ist ein sehr trauriger Prozess, denn vor vier Monaten habe ich eine kerngesunde, glückliche und in sich ruhende Hündin zu einer Freundin auf den Bauernhof ziehen lassen. Und ich bekomme eine degenerierte zugeschwemmte stinkende in Stress- und Zwangsverhalten gefangene Hündin zurück.

Nala wird im klasischen 3-4 Wochen Heilungsregime heilen können, das wir uns in den letzten zehn Jahren hier bei pfotenpartner als Erfahrungswissen aufgebaut haben. Sofern es mir gelingt, werde ich diese Erfahrungen tagesaktuell und intensiv teilen. Fast jeder zweite Hundehalter hat einen Hund, der stinkt, nierenkrank oder mit Gelenk- oder Verdauungsproblemen belastet ist. VIeles davon kann man heilen, wenn die Schäden noch nicht sehr weit fortgeschritten sind.

Ich kann nicht zaubern und das, was ich an mir erfahre und spüre, habe ich auch nur dank des Wissen eines sehr erfahrenen und guten Heilers erleben dürfen. Und durch die Tiefen meiner Ängste muss ich alleine hindurch steigen. Unsere Hunde müssen das auch.

Doch wir können ihnen helfen. Doch dazu bald mehr. Jetzt muss ich mit Ambra und Coco raus, dann mit Marek zur Spielgruppe und anschließend mit Nala ihre Power-Radtour machen.

Jippieyayooo ihr drei Hunde und mein stets fröhlicher Marek!