Training, Training, Training

So! Nun habe ich meiner Trauer über das Vergangene Raum gegeben und nun geht es nach vorne. Am Sonntag haben wir gemeinsam Training gemacht bei mir zuhause. Das bedeutet, dass wir mit Caspar, Filou, Coco und Ambra spazieren gegangen sind im Park bei uns hinter dem Haus.

Das hat recht vernünftig, aber im Ergebnis doch eher mäßig gut nur geklappt. Da ist noch viel Potenzial nach oben, um es mal vorsichtig auszudrücken! Die fantastische Aufzucht der Welpen zeigt sich bei solchen Treffen immer wieder von allen Facetten. Unsere fünf Bagaluten sind freundlich, sozial, angemessen, souverän, lebensfroh, schnell, gesund, an allem interessiert und in ihrer Lebenslust kaum zu bändigen! Wie schön auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite steht, dass Hunde wie unsere, die sich kein bißchen wie Leibeigene, kein bißchen wie Sklaven und kein bißchen wie unser Eigentum fühlen, nicht einmal auf die Idee kommen uns Gehorsam schenken zu wollen. Woher auch? Wir sind die Deppen, die immer brav und artig neben ihnen stehen, während sie juchzend das Leben in vollen Zügen genießen. In der Gewöhnung an Umweltsituationen habe ich sehr darauf geachtet, dass unsere Hunde Fähigkeiten zur eigenständigen Nähe-/Distanz-Regulierung mitbekommen.

Das ist insofern wichtig als dass ich bei allen sechs Bagaluten garantieren würde, dass sie sich in den nächsten Wochen, ggf. noch Monaten in jeder engen, auch übergriffigen und eventuell von Gewalt getragenen Begegnung immer angemessen verhalten werden. Angemessen bedeutet hierbei nicht immer devot, freundlich oder gar still und leise.

Angemessen bedeutet schlicht angemessen. Angemessen unter Hunden ist es in einem weitläufigen Bogen aufeinander zu zu gehen und die frontale Begegnung grundsätzlich zu meiden – außer man ist schon länger und möglichst täglich auf „Du“. Haben Sie schon mal einen Menschen gesehen, der im normalen Leben im Bogen (Halbkreis) auf Sie, auf Ihren Hund zugeht? Die meisten Menschen sind doch „normal“ und folgen dem geraden Wegesverlauf und gehen direkt auf uns, bzw. unseren Hund zu.

Sie haben dabei oft gar keine „Begegnungsabsicht“, sie wollen einfach nur ihres Weges gehen. Das weiß aber der Hund nicht. Ein Hund, der so fein und sensitiv ist wie unsere Hunde es sind. Ein Hund, der so „intakt“ ist, wie unsere Hunde es sind, empfindet diese ständige „Begegnerei“ unter verschärften Bedingungen (eng, frontal, an der Leine) als nicht nur unsinnigen Quatsch, sondern stressige Tortur.

Viele Hunde gewöhnen sich in diesem Alter das Bellen an. Erst sanft und langsam, später (eventuell) doll und laut. Es ist sehr einfach dagegen zu steuern, wenn man weiß wie. Es ist sehr einfach dem Hund zu helfen „neue Wege“ zu gehen in seinem Verhalten und Fühlen. Aber nun ist die Zeit es zu tun.

Diesen Freitag versuche ich es mit „meinen“ Leuten und Hunden. Bedarf ist auf jeden Fall bei Indie da, bei Filou sind auch Ansätze da. Coco – mein Riesenweichei – sowieso. Und Ambra fängt jetzt auch damit an. Bei Caspar weiß ich es nicht genau, der hat immer so viel Quatsch in der Birne, dass ich gar nicht weiß, ob er noch für anderes Platz hat darin als den Blödsinn, der ihm so einfällt….

Es ist jetzt normal, dass die Hunde anfangen in Begegnungssituationen anders zu reagieren, da jetzt die Geschlechtsreife beginnt und die Welpen zu Junghunden werden. Da verändert sich ihre Haltung zur Welt immer ein wenig – wir müssen sie nun an der Hand (Pfote? Leine?) nehmen und ihnen Hilfestellung geben dabei ihren Platz, ihre Rolle in dieser Gesesllschaft und ein dazu korrespondierendes Verhalten zu finden. Hier kommt vieles zusammen: Technik bei der Leinenführung, Raum für Persönlichkeitsentwicklung lassen, adäquate geistige Auslastung.

Neue Ära

Indie ist weg, Ambra hat eine Patin gefunden (die zauberhafte Maryam), Coco ist ein fantastischer Kerl geworden und Caspar und Filou gehören mir nicht mehr. Bei Mogli haben wir den Eigentumsübergang noch nicht rechtswirksam vollzogen, aber das ist nur noch eine Frage der Zeit. Spätestens, wenn ich die Geschirre für die Bagaluten fertig haben werde und sie Mogli zuschicken werde, wird auch Mogli mir dann nicht mehr gehören. Das ist schön so, denn es war ja so gewollt! Und gleichzeitig traurig.

Denn die aufregende Phase der Welpenvermittlung geht nun wirklich zu Ende.

Meine Posts werden nun auch weniger werden. So Gott will, habe ich nun endlich eine Fotografin gefunden, die mit mir zusammen weiter arbeiten wird. Ich kann leider nicht alles alleine und gleichzeitig machen, deshalb brauche ich Hilfe bei der fotodokumentarischen Arbeit.

Meine Schilddrüse und ich haben im Moment einen sehr wackligen Freundschaftsbezug zueinander – ich bemühe mich sehr, sehr, sehr um strenge schilddrüsenfreundliche Diät – aber das ist meiner Leckermäulchenader ein echter Dorn im Auge – sodass das Einhalten der strengen entgiftenden Diät für mich ein täglicher Spagatakt ist, der zwar merklich gut tut und gleichzeitig Kraft kostet…

Unter diesen Bedingungen werde ich nun anfangen in der nächsten Woche zu kompilieren und mein erstes Grundlagenbuch zusammen zu schreiben „richtig züchten“ oder „den richtigen Züchter finden?“ Ich weiß noch nicht unter welchen Titel ich es stellen will. Für Vorschläge, Ideen, fragen und Anregungen bin ich sehr, sehr dankbar!

Zusammen kommen sollen die Erfahrungen aus drei Würfen, deren Vermittlung und den Ansprüchen, die mit einer guten Welpenaufzucht verbunden sind.

Also Antworten auf Fragen wie: Was macht einen guten Züchter aus? Wie erkenne ich einen guten Züchter? Wie erkenne ich einen schlechten Züchter? Von welchem Züchter kann ich „gerade eben“ noch einen Hund nehmen? Und wo sollte ich die Finger von lassen? Aber noch viel, viel wichtiger finde ich die Lebenslust rüberzubringen, die kleine Welpen im Idealfall beim Züchter entwickeln sollten, die körperliche und seelische Integrität, die sie mitbringen sollten und somit das Fundament, dass ein Welpe haben muss, damit er fit ist für ein Leben in dieser engen und lauten Zivilisation.

Bye-bye Indie-love

Yipiyayooo! Heute zieht Indie aus! Endlich! Yippie! Wird nun aber wirklich auch Zeit. Auf den Spazier-Runden der letzten Tage haben mich alle wie ein Auto oder anderweitig „Fehl am Platze“ seiendes Objekt angeschaut. Die meisten Menschen, die wir treffen – mit und ohne Hund – sind begeistert von diesem freundlichen, hübschen, gefälligen – einfach fantastischem Hund. Eben Indie. Wie kann man auch anders?

Und dann sage ich, dass es der tollste Hund, den ich je gehabt habe. Das meine ich so. Und ich bin so begeistert von ihm! Und er zieht am Freitag (also heute!) endlich aus zu seiner Familie.

„Wie bitte was?“ Konsternation. Schweigen. Der Blick „hat die nicht alle Latten am Zaun?“ Dann erzähle ich kurz die Geschichte und die Menschen verstehen. Auch, dass mein Herz sich nun einmal an den Chaoten Coco gebunden hat und ich daran nichts ändern kann. Dann kommt immer die gleiche Frage: „Tut es nicht weh, die Hunde gehen zu lassen? Nach so langer Zeit auch“ Nein. Das tut es nicht. Mir nicht. Das liegt für mich daran, dass ich einen Hund immer erst abgebe, wenn er „reif“ ist und die Menschen für ihn wirklich, wirklich zu 100% passen! Bei Indie war der Hürdenlauf ja nun wirklich nicht zu verachten und mehr als ein Marathon. Vielleicht so eine Art Iron Man des Vermittlungssports…

Ich freue mich. Ich feiere ein Fest. Ich weiß, wann ich die richtigen Menschen gefunden habe. Es fühlt sich richtig an. Für das Gefühl „richtig“ habe ich keine Worte. Es ist einfach do – oder es bleibt bei manchen Menschen aus. Es ist eine Freude den Hund zu den „richtigen“ Menschen zu geben, weil es sich anfühlt, wie Weihnachten. Es ist als ob ich ein Weihnachtsgeschenk hinfahre und beim Auspacken (dem ersten Draufzulaufen) mit dabei sein darf!

Und dann ist es gut und dann wird es auch gut. Manchmal mit Holpersteinen und manchmal ohne.

Jeder, der von mir einen Hund hat (oder eben auch nicht bekommen hat), weiß, dass ich die Bewerber immer ganz schön hüpfen lasse und nicht immer angenehm und „verträglich“ bin, wenn es darum geht, einen meiner „Bibis“ in neue Hände zu geben. Viele, die keinen Hund von mir nehmen / bekommen, mögen mich danach überhaupt nicht mehr. Viele, die einen Hund von mir bekommen, mögen mich für einen kurzen Zeitraum vor, während oder nach der Adoption auch nicht mehr. Kleine Konflikte gehören für mich im Zweifelsfall immer dazu! Ich stehe dazu eine Person zu sein, an der man sich reibt.

Und ich habe mir schon immer den Satz zu Herzen genommen: „Ein Mann, der keine Feinde hat ist ein Mann, dem man nicht vertrauen kann.“ Ich münze diesen Satz auch auf mich als Frau um und finde es wichtiger integer und unkorrumpierbar (zu versuchen) zu sein, als jedem gefallen zu wollen.

Und ich freue mich, wenn ich mit „meinen“ Menschen reibe. Wir reiben uns, wir arbeiten Dinge auf, wir besprechen, wir weinen, wir schimpfen – und dann, mit ganz viel Liebe, Achtsamkeit und dem Wunsch einander als Menschen zugewandt zu begegnen wird es am Ende gut. Bisher hat das in allen bis auf einem Fall tatsächlich geklappt.

Dies sind die letzten Fotos von Indie in unserem Zuhause. Ab heute schreibt Indie neue Geschichte. Ich muss sein Geschirr noch finden und in die Wäsche tun – ich habe es gestern ausgezogen und irgendwohin getan. Das kann ich gut… Gegen Trantütigkeit ist wohl noch kein Kraut gewachsen?

Goldfischzucht

Wer ein nichthaarendes Haustier möchte, sollte sich Goldfische zulegen. Alternativ eine Steifftier-Sammlung auf dem Fensterbrett anlegen – oder Nackthunde halten. Die haaren auch nicht. Ansonsten kann ich klar sagen: Wer einen Hund, besonders einen Doodle hat (egal welcher Fellstruktur), der hat einen Hund, der haart.

Goldfische kann man in einem Glasbehälter aufbewahren, pflegen und anschauen. Man kann sie so sogar darin züchten und mehr oder weniger werden lasesn (Tod oder Geburt) und die Wohnung oder die eigene Kleidung bleiben davon vollkommen unberührt.

Versuchen Sie das mal mit Hunden. Nalas Fruchtblase ist bei dieser Geburt auf meinem Sofa geplatzt. Prima. Das erste Welpie ist auch auf dem Sofa aus ihrem Bauch rausgekommen. Samt Plazenta & Co. Gestern habe ich meinen nichthaarenden Doodle Coco gekämmt mit seiner super-Prima-Bürste von dm, einem Haarentwirbler aus Plastik mit Echthaar dazwischen. Hammergeiles Teil! Coco liebt es zum Kämmen und auch zum Draufkauen und bekommt davon babyweiches Fell und ich eine Sammlung feiner blonder Löckchen im Kamm von meinem nichthhaarenden nicht-hypoallergenem Doodle.

Indie wollte ich auch damit kämmen. Ganz dumme Idee. Das ist wie mit einer Bürste in einen eng gewebten Wollpullover zu striegen. Bringt gar nichts, außer dass der Pullover kaputt geht. Der Kamm hätte in Indies Wolle verschwinden können, so aufgeplustert ist der explodierte Chicken Wing (so nannte Maria ihn heute) bereits.

Ich habe die Schermaschine gestern angemacht und in meiner Hand gehalten. Rechts habe ich die Schermaschine im vibrierenden Zustand gehabt und mit der linken Hand Leckerchen genommen. Sowohl Coco als auch Indie fandne das völlig unspektakulär. Indie fand es sogar so spannend, dass ich ihm 3x auf dem Rücken entlang scheren durfte. Wow! Er sieht ja wieder aus wie ein Hund an der Stelle und nicht wie ein Watteknäuel in schwarz auf vier Pfoten.

Im Moment habe ich das Gefühl täglich beim Zuwuchern zuschauen zu können bei Indie.

Insofern freue ich mich, wenn morgen meine (hoffentlich schneidenden) Profi-Scheren für Hundefell kommen mit denen ich ihm dann die Pfoten ein wenig enthaaren kann. Denn Freitag zieht unser Wollknäuel in sein neues Zuhause! Und ich bin schon ganz aufgeregt ihn dorthin bringen zu dürfen. Ich möchte gerne, dass er so viel mitbringt an Fundament, wie er nur kann, damit Indie und seine neue Familie gleich auf hohem Niveau miteinander durchstarten können. Wer weiß, vielleicht wird mein Wollknäuel ja doch noch ein Mantrailer? Das Können dafür hat er definitiv in sich angelegt. Indie ist überdurchschnittlich nasenbegabt – schon seit einigen Wochen zeigt sich das deutlich.

Nach unserem Spaziergang vorhin habe ich beim Stillen von Marek meinen Pullover und seine Hose angeschaut im Sonnenlicht auf dem Sessel. Und ich habe von einer Goldfischzucht geträumt, die nicht haart und nicht dreckt. Denn mein Pullover, ursprünglich schwarz, hatte viele gelbe Sandkörner und Fellknäuel, durchsetzt mit schwarzen Lockenhaaren dazwischen. Bernsteinfarbenes habe ich nicht gefunden. Wie gut, dass der Flat Coated normales haarendes Fell hat und der Doodle nichthaarendes. Ich werde das meinem Pullover noch einmal sagen, wenn ich ihn in die Wäsche tue.

Doodle? Nie wieder!

Ich gebe es zu, manchmal gibt es Momente in denen ich denke: „Das kannst du nicht schreiben. Das ist einfach zu heftig.“ Und nicht jeder Gedanke ist des Veröffentlichens wert. Aber das, das muss man doch wohl noch sagen dürfen (ein amüsanter Hüpfer in Richtung Rechtspopulismus). Nein, es gibt nichts, was man sagen dürfen muss. Aber im Moment denke ich mindestens einmal am Tag: „Doodle? Nie wieder!“

Wer hat sich diesen Schietkram bloß ausgedacht? Und was bitte ist so toll an Doodles, dass man sich Hunde zulegt, deren Fell man aufwendig, aufwendiger, „doodelig“ pflegen muss? Und ich habe diese Hunde auch noch vermehrt! Meinen ersten Hund Nathan habe ich extra so gewählt, dass ich mögilchst wenig Fellpflege habe. Dann habe ich einen Australian Shepherd (nie wieder!), einen Tibet Terrier „zwangsadoptiert“, also über die Huta, bzw. Hundeschule in meiner Familie als Pflegehunde eine zeitlang gehabt und habe Fellpflege zwangsläufig gelernt, aber nie gerne gemacht. Und ich habe nicht einmal darüber nachgedacht, dass einen doodle zu adoptieren bedeutet mir aufwändige Pflege ins Haus zu holen. Jippiee! Oder auch nicht.

Das ist schon echt ganz schön nervig immer zu schauen, dass nichts verfilzt. Das geht ja jetzt schon los. Täglich kuschle ich Coco und taste dabei sein Fell ab und kämme es weich mit meinem tollen Kamm mit den selbstdrehenden Zinken.

Mit einem Hundi zu kämpfen, zu ziepen, zu schneiden, zu machen, das möchte ich nicht. Und Hundefrisör? Geht gar nicht! Nie nicht! Aus Prinzip schon mal nicht.

Hundefrisöre sind für mich in erster Linie geldgeile Tierquäler. Okay, das trifft garantiert nicht auf jeden zu. Und ist auch ein bißchen hart in der Wortwahl. Aber seitdem ich vor einigen Tagen gelernt habe, dass das Tierquälinstrument, mit dem Hunde zum Frisieren zwangsfixiert werden Galgen heißt, bin ich nur noch mehr bestätigt in meiner Haltung, dass wer einen Galgen einsetzt zur „Tierpflege“ selbst mal in so einen Galgen gespannt gehört. Ohne Ausnahme oder Erbarmen. Hat ein Hundefrisör mit dem darin zwangseingespanntem Hundchen auch nicht. Das muss ja sein.

Un!Fass!Bar!

Und seitdem ich nun auch noch gelernt habe von Indies neuer Familie, dass das Scheren eines Doodles von A bis Z, also vollständig mal eben bummelige 1,5 Stunden dauert, fasse ich mir nur noch mehr an den Kopf und frage mich: „Gütiger Gott, was habe ich da bloß getan?“ Wie gut, dass ich einen Doodle F2-Zuchtansatz gemacht habe. Das bedeutet, dass 3 von meinen Hunden gar keine Schur brauchen. Puh! Freut euch liebe Ambra, Mogli und Caspar – ihr habt Glück und das pflegeleichte Flat coated/Golden-Fell. Was für ein Gottesgeschenk für euch! Coco hat ein ebenfalls pflegearmes Fell, glaube ich im Moment. Und hoffe es einfach, ändern kann ich es nicht. Aber Coco ist noch nicht annähernd ein so explodiertes Schäfchen wie Indie. Der wuchert ja nunmehr fast zu wie eine Terasse mit Efeu im Frühjahr.

Indie braucht eine Schur. Die Maschine ist heute gekommen. Heute abend mache ich ihn mit der Schärmaschine bekannt. Ich mache sie einfach an. Lege sie neben mich und tue rein gar nichts damit. Fellpflege wird nun bei den anderen Doodles, also in dem Falle noch Filou, jetzt Thema werden. Das müssen wir üben. Und die Halter müssen es lernen und die Hundchen auch.

Ich will, dass meine Doodles NICHT von fremden Frisören gequält werden. Wenn es geht, bitte nie. Ich will, dass meine Doodles Fellpflege als Teil des täglichen Kuschelrituals erleben. Ich will, dass meine Doodles trotz der Notwendigkeit zur Zieherei, Zieperei und auch mal Erdulderei körperlich und seelisch intakte Wesen bleiben, die ohne Zwangsfixation ihren ganzen Körper als ein Geschenk und keine Belastung erfahren, die gepflegt werden muss, sondern gepflegt werden darf. Und ich kann Ihnen sagen, dass ich, was dieses Thema betrifft schon sehr tiefe Abgründe erlebt habe, von denen ich lieber nicht berichte, denn sie sind wirklich grausam gewesen.

Also wohlan! Den Blick nicht nach hinten, sondern nach vorne gerichtet!

Die Schere, die von Trixie mitgekommen ist, ist übrigens absoluter Schietkram. Sie ist stumpf wie eine Kinderschere aus Plastik. Das gibt es doch nicht, dass so ein Scheiß wirklich verkauft wird. Immer wieder das gleiche. Das Ding geht direkt an den Absender zurück. Einfach nur aus Prinzip! Nicht ein einziges Haar hat diese Schere zu fassen vermocht. Oh Mannomann….

Da das Theme Fellpflege erst beginnt, werde ich mich vermutlich noch mehr als einmal darüber hier auslassen. Aber für den Anfang sei gesagt, dass ich beginne mit folgenden Utensilien für Coco:

– Ein Haarentwirrer von dm für Menschen
– Eine Effilierschere von dm für Menschen
– Zwei Scheren aus dem professionellen Tierbedarf (kommen noch per Post, vermutlich morgen)
– Eine Schärmaschine mit Akku (braucht keine lange Laufzeit, ich will max. 10-15 Min. am Stück machen, wenn überhaupt).
– Eine kleine Schere abgerundet vorne, muss ich noch finden, die von Trixie ist ja anscheinend Müll, schaue bei dm danach, hatte mal eine von Rossmann, die war sehr gut, ist aber in Greifswald.

Swoboda

Wussten Sie, dass im Russischen das Wort „Swoboda“ für Frieden steht? Ich nicht. Nicht, dass es mich bisher interessiert hätte, welche russischen Vokabeln ich ggf. schon mal in anderen Kontexten gehört habe. Aber der Zufall hat mich gestern über das Wort „Swoboda“ gestoßen. In einer Reportage der ARD über Jelzin bin ich über dieses Wort immer und immer wieder gestolpert. Ich kenne das Wort „swoboda“. Es heißt auf Polnisch so etwas wie „Wohlsein“, „Angenehmheit“. Ich bin entspannt, ich fühle mich wohl = ich bin „swoboda“. So kenne ich es bisher.

In der Reportage habe ich gelernt, dass es im Russischen das Wort für „Frieden“ ist. Welch spannende Ethymologie, dass dieses Wort in seinem kyrillischen Ursprung für Frieden steht. Darauf wäre ich nie gekommen. Und diese kleine Anekdote lässt meine Gedanken wandern in den kleinen Irrungen und Wirrungen, die mich immer wieder aus meinem Gefühl der „Swoboda“ herausdrängen.

Ich störe mich immer wieder daran, welcher Aktionismus an den Tag gelegt wird, wenn es darum geht, Hunde zu „erziehen“. Ich finde es ähnlich wie mit kleinen Kindern. Was man nicht alles tun soll und wie man es nicht alles tun soll. Jeder hat einen klugen Rat, wie man sich durchsetzen, wie man letztlich sein Gegenüber, den Hund oder das Kind, aus seinem eigenen Frieden, dessen eigener „Swoboda“ heraustreiben kann hin in einen Zustand der Folgsamkeit, der erzwungenen Kooperation.

Das ist nicht meins. Für mich ist Frieden das Wort, das ich am meisten liebe, neben den Worten „Schlafen“ und „Essen“. Für mich steckt in dem Wort Frieden die Quintessenz allen Friedens, aller Ruhe, alles gütigen Miteinanders: Nämlich Liebe, Laissez-Faire, Nicht-Übergriffigkeit, Akzeptanz, Toleranz, Ruhe, Vertrauen und Achtsamkeit. Aber auch Teetrinken und mal fünfe gerade sein lassen.

Meine Hunde, so jung und wild wie sie sind, können aufbrausende Wirbelwinde sein, die unsere Haushaltshilfe Maria, Paul, mich und die Kinder manchmal in den Zustand versetzen, dass wir uns einen Beamer wünschen mit dem wir die Hunde auf eine weit entfernte tropische (möglichst vollständig vom Wasser eingeschlossene) Insel verbannen können. Diesen Wunsch haben wir selten und auch nie lange (außer Paul, wenn er mal wütend ist).

Und manchmal ist es schon nervig, wenn die Hunde hüpfen, bellen, buddeln, rein- und wieder rauslaufen. Und alles ist voll schwarzer Tapser. Und es ist nicht schön, wenn Ambra zum Fenster hinausschaut, den Regen meditativ betrachtet, in ihr Zimmer geht und dort hinpinkelt (raus geht ja nicht, da ist es nass! Pfui, pfui, pfui!)

Aber was rede ich da? Es sind Hunde und sie sind am Leben. Und sie haben eine Seele und eine einzigartige Persönlichkeit, die ihren noch jungen Körper innewohnt, die dennoch unverwechselbar jeden Tag aus ihren Augen schaut. Und 99% der Zeit sind sie „friedlich“. Nein, das ist falsch. Sie sind im Frieden. Sie sind ruhig, sie sind da. Sie atmen, sie schlafen, sie liegen, sie kuscheln. Und ich genieße es.

Eigentlich braucht es keine Hunde, um das zu genießen. Menschen können das auch. Doch mit Menschen ist es manchmal verflucht schwer schweigend in einem Raum im Frieden zu sein. Und weil ich so wenige Menschen kenne mit denen ich auch mal mehr als 5 Minuten ohne Klappe auf, Klappe zu zusammen sein kann, einfach so – genieße ich diesen tiefen Frieden dankbar mit meinen Hunden.

Mufuka

Wir haben mal wieder einen Mufuka. Einen Multifunktionskarton. Er steht unter dem Tisch im Wohnzimmer. Es ist ein Beißobjekt, ein Kater-Versteck-Platz, eine Coco-Ablage und eine Versandmöglichkeit für Königin Ambra. Nur Indie will mit dem Mufuka gar nichts zu tun haben. Der rollst sich lieber auf meinem (!) Sessel ein und genießt das Für-Sich-Sein ohne nervende Schwester, Bruder oder aufdringlichen Kater.

Der Mufuka ist ein wenig angenagt und es fehlen schon Ecken. Er wird vermutlich in den nächsten Tagen an Form, Stabilität und schlussendlich an Schönheit verlieren. Bisher haben nur Ambra und Coco ein bißchen an ihm herumgenagt und die Ecken mit Löchern und Abrissen verschönert. Aber vermutlich wird heute oder morgen eine groß angelegte Katzenjagd (3 Junghunde auf einen Kater) oder ein wilder Moment des Trio Infernale dem Mufuka ein jähes Ende bereiten.

Solange gibt es eine Sache, an der wir nicht hängen, die die Bibis ihren Bedürfnissen anpassen.

Gestern abend hat Olek alle Hundedecken udn Kissen des Wohnzimmers zusammen getragen. Sie liegen nun mittig im Wohnzimmer und Coco flätz sich wohlig darauf. Ambra hat den Teppich vor der Terassentür als ihren Liegeplatz umgewidmet und vor die Heizung geschoben.

Gestern habe ich (zu meiner Seelenqual?) mal wieder geschaut, was andere Trainer und Blogger so für Unsinn verzapfen. Was ich gefunden habe fand ich schlimm, schlimm und noch schlimmer. Ich finde es schlimm, wenn ich schon Welpen sehe, die von angeblichen Trainern nur missverstanden und als Konditioniermaschinen vorgeführt werden.

Für mich ist die Arbeit mit Tieren, das Leben mit Tieren zunächst einmal das Lieben und Feiern ihrer seelischen und körperlichen Integrität. Und das bedeutet ruhige TIere zu haben. Das bedeutet freundliche und angemessene Tiere zu haben. Das bedeutet die Tiere vor dieser Welt so gut es geht zu schützen und ihnen gleichzeitig Raum zu geben in dieses feindliche Umfeld der westlichen Diktatur, ich meine Demokratie, unserer Werte hinein zu wachsen in hundegerechter Weise. Und das ist nicht immer einfach.

Und deshalb liebe ich Mufukas, sich fläzende Hunde, sich mit Essen vollschmoddernde Kinder und überhaupt das Lachen, das Atmen, das Leben, das Sein. Frieden, Ruhe und Nicht-Aktionismus. Für all das steht für mich ein blöder Pappkarton im Wohnzimmer unter dem Tisch, eben ein Mufuka.

Indie found home!

Als ich mein zweites Baby im Arm hatte, direkt nach der schwierigen und nicht wie erhofft friedlichen Geburt, konnte ich nicht aufhören zu schreien „mein Baby, mein Baby!“. Ich hatte nicht gewusst, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, das in mir heranwächst. Und ich gestehe ich war ein wenig enttäuscht als ich „klöten“ fühlte, als die Hebamme mir „zeigte, was es nun geworden ist. Egal, egal, egal! Mein Baby! Es war in meinem Arm. Es war gesund, es lebte, es quakte, es sog an meiner Brust. Ja Hammer! Wahnsinn! Leben!

Bei meinem ersten Sohn war das alles viel stiller und friedlicher gewesen. Aber so ungefähr fühlt es sich jetzt auch an. Ich schwanke zwischen dem Gefühl hopsen, springen und jubilieren zu wollen und mich einfach zu Indie hinlegen zu wollen und ihn still und ohne Worte im Arm haltend zu lieben.

Ich habe Indie schon vor vier Wochen losgelassen, dennoch ist er noch hier. Es ist wie eine Geburt über Termin, man weiß einfach nicht, was dabei rauskommt. Und einer Freundin von mir wurde Angst gemacht, dass ein Baby, wenn es mehr als 7 Tage über Termin im Bauch ist, dann plötzlich im Bauch versterben kann. Nun, ich habe diese Angst nie direkt selber geteilt, doch wissen tut man es erst, wenn das Baby „sicher“ im Arm ist.

Indie war heute sicher im Arm. Nicht in einem, auch nicht in zweien, nein Indie bekommt gleich sechs (!) haltende Arme und eine verrückte Lucy als springverrückte Spielkameradin dazu. Mein kleiner Sorgenzwerg, der nun im stolzen siebten Vermittlungsversuch ist, bekommt einen 6er mit Bonus-Lucy im Lebenslotto als Geschenk zugeteilt! Nein, wir wissen noch nicht 100%ig ob die Vermittlung klappt. Und es ist auch noch nichts unterschrieben. Aber Gefühle kann man nicht unterschreiben. Und außer dem Tod gibt es eh keine Garantien. Ich glaube daran, dass es klappt.

Ich freue mich. Ich freue mich sehr. Ich bin dankbar. Und es ist einfach wie ein Geschenk des neugeborenen Lebens, dass Indie eine Familie bekommt, die ich mir nicht besser für ihn hätte erträumen können.

Seine Familie wird lernen Indie zu scheren, damit sie sein Fell selbst pflegen können. Seine Familie wird lernen Indie mit frischer Nahrung hochwertig zu versorgen und ist offen für diese Erfahrung. Seine Familie wird lernen mit Indie „konsistent“ zu kommunizieren und ihm Halt, Führung und Sicherheit zu bieten, wo er sie benötigt. Und Lucy wird ihm zeigen wie schnell sie laufen und er ihr wie tief er buddeln kann.

Ach herrlich! Da räumt es sich doch gleich viel beschwingter das Erdgeschoss auf von dem über Wochen gesammelten Dreck! Ich gehe gleich unsere Schermaschine raussuchen und schreibe eine Fellschneideschere auf unsere Einkaufliste. Meine gute kurze Fellschere ist leider in Greifswald auf unserem Hundegelände, da nützt sie mir hier jetzt wenig…

Bettina hat Indie auch losgelassen und so geht er nun bald mit Segenswünschen, unserer Liebe über, unter und hinter ihm in neuen Gewässern das Leben erkunden und neue Bande knüpfen. Und neben ihm, da ist natürlich nichts, denn ein bißchen Platz braucht ein kleiner Indie auch um mal einen Haken zu schlagen vor Freude oder einer Maus im hohen Gras hinterhereilend.

Kennen Sie das?

Kennen Sie das? Es regnet. Man zieht sich an. Strumpfhose, Regenhose, Pullover, Regenjacke, Handschuhe, Mütze, Gummistiefel und Taschentücher en masse. Das Hundi hüpft fröhlich los zum Spaziergang und man geht in den Park. Ein schön-schauriges Wetter! Es ist zwar kalt, nass und der Impuls drinnen zu bleiben war stark, doch einmal draußen ist es wie eine Tasse Tee im November: Einfach nur schön und muckelig!

Ich genieße es immer bei Regen mit meinen Hunden draußen zu sein und frage mich dann: „Wo sind all die Menschen hin? Wo sind all die Hunde geblieben über die wir sonst stolpern wie Kinder über Tretminen in weiter entfernten Ländern?“ Wenn ich mich still frage „Wo sind all die Hunde hin?“ summe ich das Lied von „wo sind all die Blumen hin?“ Das haben wir so, so oft in der Schule gesungen und ich habe nie verstanden wofür – ich fand das Lied einfach nur doof außer seiner einprägsamen Melodie, die mir schon immer sehr gut gefiel.

Heute im historischen Kontext sehe ich das anders, aber heute bin ich auch steinalt verglichen mit damals.

So – das ist die eine Sache. Eine ganz andere Sache ist das Erlebnis, das ich am Donnerstag hatte. Ich habe Olek mit dem Fahrrad in die Kita gebracht. Es regnete morgens in Strömen und er wollte nicht in die Kita. Er zeigte anklagend mit dem Finger aus der Tür und schrie so wie Opa es ihm einst beigebracht hat „Iiiiih!“ und knallte die Tür mit missbilligendem Gesichtsausdruck zu (mein Sohn ist 2 Jahre alt).

Okay – damit war klar, dass ich nicht wie in den Tagen zuvor mit der Kleinkind-Baby-Nummer den Weg zur Kita schaffe. In den letzten Tagen habe ich den morgendlichen Unwillen das Spiel zuhause sein zu lassen damit überwinden können, dass ich ihm anbot mein Baby zu sein und er oben in Mareks Babyschale liegen durfte (Marek saß dafür dann im unteren Sitz für die „Großen“).

Ein neuer Trick musste her. Ich habe den Drahtesel gesattelt! Ich habe den Anhänger eingespannt, vorbereitet und den kleinen Bruder schon einmal mit Kissen in den Anhänger gesetzt. Das war ein guter Trick! Olek kletterte willig in den Anhänger und feuerte mich an, den Weg in die Kita zu schaffen. Marek konnte gar nicht aufhören zu lachen während der Fahrt (sein großer Bruder saß neben ihm – was für ein Ereignis!).

Beste Voraussetzungen also, um heute ein Experiment zu wagen – wenn Marek gut drauf ist, ist es auch für mich schöner mit den Hunden zu gehen. Ich habe Coco bisher noch nie am Fahrrad alleine geführt. Und es steht im Raum, dass uns Ambra demnächst vielleicht verlassen wird. Falls Indie dann endlich mal auszieht, werde ich mit Coco alleine Fahrrad fahren müssen. Bisher habe ich ihn dafür als zu labil eingeschätzt. Bei Regen wird kein Schwein im Park sein, der perfekte Tag also, um es mit ihm zu probieren, denke ich mir.

Und so ist es dann auch! Coco braucht ca. 20 Minuten, um sich „einzugrooven“ in die Situation und hat zwischendurch immer wieder ein paar labile Momente. Aber als er dann irgendwann realisiert wie toll es ist neben dem Fahrrad im Trab zu laufen und dabei in Pfützen zu hüpfen, die Nase abwechselnd am Boden zu haben, sich ein Leckerchen abzuholen und zwischendurch einfach so in die Büsche zu hüpfen und dann wieder neben mich springt er vorwärts wie seitwärts mit den Pfötchen rudernd und beschenkt mich so reich mit seiner Freude, dass ich für die Dauer dieser Tour alle Sorgen vergesse!

Ach war der Schnee und die Kälte herrlich gewesen! Zumindest die Hunde waren sauber nach Hause gekommen, wenn die Hände auch kalt waren wie zwei Eisblöcke mit fünf eisigen frostharten Spitzen (Finger). Jetzt bringe ich einen braun-schwarzen vor Dreck triefenden Hund nach Hause, der seine Freude über diesen Ausritt gar nicht im Zaum halten kann!

Ach war das ein schöner Tag bisher gewesen! Denn das, was nun kommt, lässt mich nicht nur vom Glauben abfallen, sondern ein neues Kapitel in meinem Leben mit Hunden aufschlagen: Indie und Ambra wollen nicht raus. Sie wollen wirklich nicht raus. Und zwar so gar nicht, nie nicht, überhaupt nicht!

Ich kenne von Nala, dass sie bei Regen auf spitzen Pfötchen von Dach zu Dach, sich unter Bäumen versteckend läuft und nur zögerlich dazu motivierbar ist geschützte Plätze für von oben kommenden Regen zu verlassen. Spätestens mit einem Leckerchen ist das bei Nala passé. Insofern nichts ernstes, denke ich mir. Bis zu dieser Geschichte mit Indie und Ambra:

Ich leine Indie und Ambra an. Ich gehe zum Fahrrad, öffne das Tor und gehe zurück. Ich will nicht, dass alle drei Hunde jetzt mitkommen, sondern nur die zwei designierten. Wollen und Haben stehen sich hier jedoch diametral gegenüber. Indie und Ambra verkriechen sich auf der Decke hinter dem Sofa. Coco steht freudestrahlend vor mir und propellert mit seinem Schweif Dreck an und in meine Wand.

Ich sperre also Coco in das Welpenzimmer. Gehe zu Indie und Ambra und gebe ihnen Leckerchen. Sie kommen mit. Mehr Leckerchen. Sie kommen mit bis kurz vor die Haustür. Und da legen sie den Esel-Stopp-Modus ein. Nicht einen Schritt mehr geht es nach vorne. Ich nehme die Leinen, gebe einen Impuls und erwarte das sonst immer eintretende Nachfolgen der Hunde. Nicht passiert außer zwei trotzig funkelnder Paare Hundeaugen im Flur!

Na prima! So nicht meine Freunde! Ich kann auch bockig sein! Ich ziehe die beiden – ob sie wollen oder auch nicht – aus dem Flur. Wir haben ja Fliesen, da haben die beiden überhaupt keine konkurrenzfähigen Chancen. Da unsere Tür nach innen öffnet, habe ich schon auf halber Strecke gewonnen. Mit einer Hand fange ich an die Tür zuzuziehen und sie somit von hinten anzuschieben und mit der anderen Hand „überrede“ ich meine zwei trotzigen Biester zur „Kooperation“. Ambra bellt wütend auf, als die Tür ins Schloss fällt (ja wirklich!).

Indie fügt sich sofort (wie immer). Er trottet an nun schleifender Leine voran. Ambra bleibt unwillig stehen. Aber als Indie mitläuft am Fahrrad nimmt auch sie Tempo auf und läuft los. Es hilft ja nichts! Im Regen stehen macht auch nichts besser. Juchzend schmeißen sich beide wie Schwein in Schiet und pflügen das Feld auf unserer kleinen Radrunde annähernd vollständig um.

Überflüssig zu sagen, dass ich zwei braunschwarze Hunde nach über einer halben Stunde nach Hause brachte, deren Augen vor Glück fast aus den Fassungen sprangen. Das Buddelvergnügen war wilder als je zuvor in dem vom Regen aufgeweichten Erdboden gewesen.

Ich will noch eines erwähnen: Meine Augen funkelten im Moment der Heimkehr auch einmal auf. Nicht wirklich vor Glück. Ambra und Indie veranstalteten ein Wettrennen, als ich die Tür zum Wohnzimmer aufgemacht habe. Sie schossen als hänge ihr Leben davon ab in meinen Sessel am Fenster. Sie setzten sich aufrecht nebeneinander hin und rieben ihr nasses braunschwarzes erdbehangenes Fell mitsamt Pfoten in meinen bis dahin roten Lesesessel hinein.

Prima. Oder Paul würde sagen: „Wer keine Arbeit hat, macht sich welche.“ Es ist schön, Hunde zu haben. Meine Augen funkeln vor Freude. Zumindest in der Erinnerung dieses Anblicks. Es ist wirklich schön, Hunde zu haben. Ein Reichtum ohne Anfang und ohne Ende.

Das macht den Unterschied

Der Ton macht die Musik. Den spruch kennt jeder bestimmt. Ein alltäglicher Spruch. Und die kleinen Zeitfresser, sie nennen sich „Email & Co.“ – macht den Unterschied aus in meiner Freizeit. Als die Welpen ganz klein waren und ich wusste welcher Welpe wo hingeht, da hatte ich kaum Mails zu schreiben und viel Zeit für meinen Blog.

Jetzt ist es genau anders herum. Jeden Tag schreibe ich ca. 10 Emails und lese mindestens doppelt so viele. Manche wenige davon sind sehr, sehr, sehr lang und intensiv. Manche davon sind belanglos. Manche davon sind Zeitfresser.

Was Indie betrifft, ist die Sache so: Ich habe jetzt mehr als fünf Vermittlungsversuche mit Indie „geschafft“ und wir sind noch immer mittendrin in diesem aufregenden Spiel. Hier eine kurze Aufzählung als Zwischenbilanz:

1.) Katarina und Familie – Indie war dort schon an 2 Wochenende – es fehlte die Zeit
2.) Lisa – wollte Indie gleich in die Huta geben (hat dann abgesagt, weil ich ihr zu rigoros dagegen war)
3.) Älterer Herr mit Frau im Rollstuhl, gelähmt und pflegeintensiv – Seine Tochter hat verhaltensauffälligen Dalmatiner, der Welpen und Junghunde zum Frühstück verspeist – er sagte ab, um Indie hiervor zu bewahren (Tochter gab diese Verhaltensauffälligkeit erst preis, als Vater verkündete er fahre sich einen Welpen anschauen)
4.) Frieda – bewirft Hunde leidenschaftlich gerne mit Training Discs und Schlüsselbünden – hat abgesagt (sie hatte not amused geschaut, als ich ihr auf den Kopf zugesagt habe, dass sie eine Menge Halbwissen in Bezug auf Hunde habe und dass sie mit dem Hund auch meine Aufsässigkeit und Persönlichkeit „einkauft“).
5.) Manuela mit 13-jähriger Tochter – War gerade am Anfang der Suche nach einem Hund. Mein Inserat hat sie voll überzeugt. Nach mehrstündiger Debatte über Hundehaltung und die damit einhergehenden Pflichten Negativ-Votum der Familie zu sofortiger Adoption eines Hundes. Moratorium des Themas bis zu den Sommerferien innerhalb der Familie. Ergo: Absage an mich, bzw. Indie.
6.) Herda – eine Mama mit vier Kindern aus Friesland. 2 Telefonate, 4 lange und intensive Email-Kontakte und ein persönlicher Besuch. Und keine Erwähnung bis dahin, dass ihr Mann keinen Hund will, bestenfalls einen toleriert. Erst in einer kurzen Mail nach dem Besuch platzt die Bombe! Ich habe den Mann nicht kennen gelernt, er war nicht beim Besuch dabei, mit mir telefonieren wollte er nicht – also habe ich einen Schlussstrich unter diesen Versuch gezogen.

Indie weiß von all dem nichts. Er ist fröhlich und fidel wie nie zuvor. Und auch Paul ist davon beeindruckt was für ein unkompliziertes Kerlchen er ist. Mit Indie geht man einfach los und es läuft einfach.

Wir lieben Indie. Aber ich hasse es nach einem langen Ambra- und Cocospaziergang noch einen weiteren Indie-Spaziergang machen zu müssen. Das ist schon sehr enervierend an manchen Tagen. Und dass unser Haus aussieht wie ein Messiehausen-Asyl an manchen Tagen. Es nervt mich, es kotzt mich an und es ist auch einfach nicht schön. Egal. Es hilft nichts. Maria (unser Haushaltshilfe und Babysitterin) ist ausgerechnet jetzt voll in der Pubertät und war die letzte Woche so unzuverlässig und schlampig beim Reinemachen und im Umgang mit Marekk, dass ich teilweise gar nicht mehr wusste wo ich überhaupt noch einen Anfang oder ein Ende finden kann für das Schimpfen oder das Erfreuen. Für so gar nichts schien es einen Anker zu geben. Ich habe deshalb auch kein Wort der Kritik verloren. Am Ende hat sich all das, was so gar nicht gut war, von selbst preis gegeben und aufgezeigt. Ich hätte auch darauf gerne verzichtet.

Und dann sind zwischen all diesen großen und kleinen Themen die winzigen, kleinen Kontakte, die plötzlich ganz groß und tief werden. Wie ein Rinnsal, der sich plötzlich in die Tiefen des Meeres ergießt. Es kommt eine Anfrage von Stephanie, einer Dame aus Koblenz. Und wir plauschen per Mail und ganz plötzlich geht es um Themen wie Angst, Tod, Erstarren, Krankheit, Einsamkeit und um all die Geister, die jeden von uns in den bitteren Stunden des Zwielichts beherrschen – mal länger, mal kürzer, mal stärker, mal weniger. Und natürlich steht im Zentrum all dieses Plänkels die Frage danach, ob einer meiner Hunde zu ihr ziehen kann. Aber für den Moment dieses Austausches steht das am Rande und im Zentrum die Kraft der mächtigen Worte, die tatsächlich eigentlich ganz klein sind und nur Macht haben durch die Geister, die einen beherrschen.

Und eines ist uns allen Gewiss: Der am Ende des Lebens stehende Tod. Die spannenden Fragen bis dahin sind immer: Wie viel Zeit bleibt mir bis dahin? Und was mache ich aus dieser grundsätzlich befristeten Zeit? Insofern ja – es macht einen Unterschied, was ich mit dieser Zeit tue.

Ich hasse es meine Zeit in Emails zu setzen. Ich hoffe, dass da etwas bei rauskommt. Aber wissen weiß ich das nie. Bei den sechs Kontakten ist sehr unterschiedliches herausgekommen, abgesehen von einer jedes Mal nicht stattgefundenen Vermittlung. Drei Kontakte haben mich bitter enttäuscht und ich habe das Gefühl es mit Zeiträubern zu tun gehabt zu haben (Herda, Lisa und Frieda). Ein Kontakt hat mich traurig gemacht (der ältere Herr). Ein Kontakt war kurzweilig aber nett (Manuela). Und ein Kontakt war sehr schön, intensiv und am Ende traurig über den Nicht-Erfolg der Vermittlung (Katarina).

Morgen geht das Indie-Roulette weiter. Und ich hoffe, dass es bald aufhört sich sinnlos und immer schneller und schneller im Kreis zu drehen.

Mein Email-Pensum habe ich für heute durch. Den ersten Blog-Eintrag für heute auch. Bilder sind – natürlich – noch kein einziges bearbeitet, Tagebuch auch nicht geschrieben. Und am Ende steht wie auch am Anfang immer dieselbe Frage: „Lohnt sich das, was ich jetzt tue wirklich?“ Ich weiß nicht.

Ich mache weiter und hoffe, dass ich am Ende meiner Lebensspanne nachsichtig auf mich selbst schauen kann und mir sage: „Das, was du hier getan hast, war gut und wichtig. Es war ein Beitrag. Zu was auch immer. Und deshalb war es okay, dass ich meinen Hintern plattgesessen habe auf einem Stuhl für die hier auf diesen Blog und in die Mails hineingetippten Worte.“ Und jetzt hole ich mir einen Tee und schaue Columbo. Amen.