Last but not least: Mutti darf streicheln

Pawelek verlangt immer Coco auf meinen Arm. Ich bin eine folgsame Mutti und nehme immer auch einmal Coco zu mir auf den Arm. Coco schläft dabei in der Regel. Er dämmert nur ein bißchen auf, kuschelt und wühlt sich neu ein und pooft dann das kleine Ritual einfach durch, bis er wieder auf seinem Brüderstapel weiterschlafen darf. Das erleichtert mich und ist auch der einzige Grund dafür, dass ich dem Wunsch meines Sohnes nachkomme.

Nichts wäre schlimmer als jetzt schon den kleinen stressassoziierte menschliche Berührungen mitzugeben – jetzt in der Zeit, wo die neuronalen Verknüpfungen für ein Hundeleben geschaffen werden.

Ich bin sehr bemüht, dass nur positive, bzw. ruhige Assoziationen bei den Welpen entstehen. Deshalb habe ich mich heute morgen entschieden zwei schwarze Welpen auf einmal zu nehmen. Sie fühlten sich dabei so wohl, dass sie wie zwei kleine Sack Mehl einfach in meinen Händen weiterschliefen und ich Mühe hatte sie zu halten, weil sie einfach in den Händen lagen ohne Rücksicht auf meine Fingerkraft. Ein schönes Gefühl! Denn das bedeutet für mich, dass sie ruhig und entspannt sind. Genau das wollen wir haben!

Ambra is our queen

Die liebe Ambra weiß genau, wie de Hase läuft. Als einzige Dame (Wuchtbrumme) unter ihren fünf Brüdern ist sie nicht nur dadurch auffällig, dass sie hell mit weißer Kerzenspitze am Schweif ist. Ambra ist auch einfach immer da, wo sie sein will. Und sie arbeitet dafür.

Die anderen Zwerge arbeiten ebenfalls gut für ihr Futter und schieben und schubsen sich fleißig. Die für Nala gütige Seite von nur sechs Bibis ist, dass das Säugen für sie angenehm ist. Nala hat im Gegensatz zum letzten Wurf keinen Stress und geht gerne und oft säugen. Entsprechend ist der Durchsatz ihres Futters aber auch das erkennbare Wachstum der Welpen.

Die Augen sind überall offen, die Welpen gehen für ihr Alter einen sehr souveränen Wackelgang auf vier Pfoten und wirken auch sonst rundum gesund. Ein vorweihnachtliches Halleluja auf dieses kleine Gottes-Geschenk! Viel Freude damit!

Bändigung des tanzenden Äffchens

Ich beginne einfach mal den Bilderstau abzuarbeiten und ihn mit euch (Ihnen) zu teilen, die unseren Welpen und unseren Werten zugewandt sind.

Pawelek liebt die Bibis von ganzem Herzen! Mindestens einmal täglich müssen wir die Bibis beobachten. Das ist jedoch für mich immer ein Trade-Off der Bedürfnisse aller. Ich möchte, dass die Bibis uns Menschen mit Dasein, aber ohne Übergriffe oder Stress assoziieren. Das sind oft zähe Verhandlungen mit meinem „Großen“.

Wir dürfen die Bibis nicht anfassen, wenn Nala-Mama bei ihnen ist. Wir müssen immer außerhalb des „Geheges“ bleiben, wenn Nala-Mama den Bibis Milch gibt. Wir dürfen die Bibis nur streicheln. Ich darf sie auf den Arm nehmen (Pawelek würde das nicht achtsam, sondern hektisch machen, auch keine gute Idee).

Wir müssen darauf achten, dass Nachbarkinder nicht zusammen anfangen mit Pawelek dort Ramba-Zamba zu spielen. Und Pawelek muss seine Freude, Energie und Lebenslust, die er beim Beobachten der Bibis spürt irgendwo lassen. Ach ja… So viel auf einmal! Erfreut euch an den Bildern, die dabei herauskommen.

Lagerwechsel

Lagerwechsel? Wieder politische Wehcselstimmung von Jamaica zu rot-roten Wechsel-dich-Spielchen? Nein! Keine sorge – das soll kein politischer Beitrag werden. Obwohl? Irgendwie ist doch alles politisch…

Vieles ist schlimm. Der Bilderstau ist schlimm. Der Pipistau ist schlimm. Und der schwelende Geruch von Unsauberkeit. Aber als Mama mit zwei kleinen Kindern ohne Kita-Betreuung und einem Mann, der in einer Anstalt mit Sendeberechtigung arbeitet, weiß ich immer nicht so recht wo der größere Kindergarten tatsächlich ist.

Also packe ich an, wenn die tanzenden Äffchen auf zwei und vier Beinen (meine Söhne) oder der beste Ehemann von allen es mir erlauben, was sich an Stapeln innerhalb weniger Tage gebildet hat abzuarbeiten. Zuvorderst brauchen die Bibis einen Lagerwechsel, um nicht weiterhin im Orange auf den Bildern zu ertrinken und auch nicht in einem Teppich zu liegen, der eine Kopf- und Basisnote von Ausscheidungen neugeborener Würmchen bekommt…

Also hieß es heißa: Zusammen mit Pawelek haben wir zuerst Bibis gestreichelt. Dabei ist Pawelek äußerst bestimmt: „Coco!“ Es muss immer Coco sein, die ich streicheln soll. Er zeigt dabei auch nie auf Ambra. Er zeigt immer auf Coco. Ich weiß nicht, ob ich Pawelek dabei richtig verstehe: Wenn es nach ihm geht soll es nicht Ambra sein, sondern Coco, der dauerhaft unser siebtes Familienmitglied wird (?).

In solchen Momenten denke ich dann: Ich kann ihn verstehen. Ambra ist jetzt schon eine Wucht. Was Ambra will, das Ambra kriegt. Ambra schiebt sich ungeniert über jeden Welpen, der ihr bei der Suche nach einer Zitze im Weg ist. Ambra ist immer da, wo sie sein will. Nie verirrt Ambra sich. Nie lässt sie sich von Mutters Zuwendung und Körperpflege von ihrem Ziel ablenken. Anders als ihre Brüder.

Erstaunlich.

Nachdem wir also Coco gestreichelt haben, fange ich an die babys in ihre Lammfelldecke zu „verladen“ und nehme das mittlerweile echt schwere 6er-Träger Päckchen aus der Wurfkiste heraus. Also die wiegen zusammen mehr als mein kleiner Zwerg und weniger als der Große. Also irgendwas zwischen 8 und 9 kilo würde ich schätze (=8/6>1 kg pro Bibi?). Naja, ich schleppe mir ganz schön einen ab, nur umd die sechs neben die Kiste zu stellen und den Teppich rausrupfen zu können.

Denkste! Es quakt nicht nur verhalten. Nein, die Bibis haben raumgreifende Pläne. Hier lugt ein Kopf aus dem Deckengewirr und dort ein anderer Kopf. Die Bibis schieben mit ihren Schaufeln und kommen vorwärts. Na super! Pawelek sieht meinen besorgten Blick und ist sofort Herr der Lage. Er holte eine weitere Decke (Gika) und legt sie über die Bibis. Er holt ein weiteres Handtuch und legt es über die Bibis. Das reicht jedoch nicht, um ihre Ausbruchspläne effektiv zu vereiteln. Also greift er intuitiv zur ultima ratio, die bei Nala in jeder Lebenslage hilft: Ein Knochen aus Leder!

Mit Liebe im Herzen und grober Motorik lässt Pawelek einen Lederknochen in die gefühlte Mitte der sechs Zwerge fallen. Sein Werk ist vollendet! Meines auch. Die Bibis haben ein neues Bett mit einer neuen Decke und einem neuen Molton-Pipischutz in weiß und können nun in ein hygienisch-geruchfreies Lager umziehen.

Es war nicht einfach, aber gefühlt auch nicht politisch. Obwohl sich schon so kleine Dinge wie ein Marathon anfühlen, der vierwöchigen Koalitionsverhandlungen gleicht. Ich muss mit allen Sinnen bei allen sein. Ich muss aufpassen, dass die Bibis in der sicheren sie wärmenden Decke drin bleiben. Ich muss aufpassen, dass in dem Deckenberg nicht schlimmstenfalls einer zu wenig Luft kriegt. Ich muss aufpassen, dass Pawelek nicht vornüber fällt bei seinem Bemühen. Und ich muss aufpassen, dass er keinem Bibi auf den Schweif, Kopf oder Pfötchen trifft. Und ach ja: Da war noch was mit dem Lagerwechsel…

Nach einem solchen Marathon habe ich jedoch keine perspektivlose Nation, sondern selig schlafende Bibis in einem sauberen Bett vor mir. Das ist ein Unterschied, der mir gefällt. Einfach die Scheiße anpacken, selbst wenn sie nur anfängt zu schwelen, wegräumen und weitermachen. Vermutlich ist das als politisches Konzept zu einfach. Und nun geht es weiter!

Aun halb offen

Manche Babys können ihre Augen heute zum Teil schon öffnen. Coco kann die Augen schon recht weit öffnen. Auch Ambra ist schon in der Lage die Lider sehr weit hoch zu reißen. Unter den schwarzen haben zwei ihre Augen noch fest verschlossen, eines hat die Augen ebenfalls offen und eines einen kleinen Spalt. Morgen schon werden vermutlich alle die Augen gleichmäßig offen haben.

Könnten die Welpen sehen, was sie umgibt, würden sie staunen. Doch für sie ist es normal. Pawelek und ich sitzen andächtig und betrachten die schlafenden Bibis. Allzu lange kann Pawelek nicht andächtig sein, also „reitet“ er auf der Seitenwand des Welpengeheges / Wurfbox laut „Hoppe!“ rufend in ein Land seiner Imagination.

Er hüpft, er tanz, er springt, er lacht. Alles das umgibt die Bibis schon jetzt wie eine zweite Haut. Für die Bibis ist also das Hüpfen und Springen, das lachen und Toben großer wie kleiner Menschen schon ein Teil ihres Seins in dieser Welt.

Natürlich achten wir darauf, dass wir genug Abstand wahren und heute musste ich tatsächlich auch steuernd eingreifen, um Nala vor Stress zu schützen. Pawelek darf sie sonst auch an der Leine (Heine) führen. Er wollte ihr ins Geschirr greifen, das Nala auch bei den Babys noch trug, weil sie mal wieder wie ein Torpedo von der Pipi-Runde zu ihren Babys hindüsen musste.

Das hätte Nala beim Stillen ihrer Babys nicht lustig gefunden.

Und nun feiern wir das Leben, das uns umgibt! Und genau das ist es, wofür ich dies tue: Leben weiterzugeben. Heute fragte eine baldige Welpenmama, ob es nicht ähnlich schlimm für mich sei Welpen abzugeben wie sie zu beerdigen. Da liegen für mich Welten dazwischen.

Ich werde nie vergessen, wie ich im stürmischen Hafen an der dänischen Küste eingerollt in unserer Yacht saß und weinte. Ich hatte gerade mein Baby verloren, das ich wenige Wochen zuvor empfangen hatte (ich war direkt vor unserer Segeltour schwanger geworden und habe das Baby (Fötus) dann beim Segeln aufgrund einer Kraftanstrengung beim Wenden verloren). Ich habe nicht geweint, weil es tot war. Das werden wir irgendwann alle sein.

Ich habe geweint, weil ich mich so unfassbar darauf gefreut hatte diesem Baby diese Welt zu zeigen, in der wir leben. Es klapperte in den Wanten im Hafen rund um uns herum. Es war unfassbar laut, schon fast unangenehm. Das Schiff schaukelte und es war kalt und rauh. Nichts war so, dass man sagen konnte „Yey, wie schön, dass wir segeln“ – und gerade deshalb habe ich gespürt wie sehr das „Nicht-Erleben“ schmerzt.

Ich dachte: „Nie kann ich meinem Baby zeigen, was Wanten sind. Nie wird es erleben, was Sturm ist. Und nie wird es spüren, was Hunger, was Durst ist.“ Die Hundebabys, die ich groß ziehe versuche ich stark zu machen für diese Welt. Ich versuche sie mit Ressourcen auszustatten, die sie ihr Leben lang tragen. Und ich versuche meinen Babys Menschen zu finden, die ihre körperliche und seelische Integrität wahren, dmait auch meine Babys werden erleben dürfen was Hunger, was Schmerz, was Freud und was Leid ist.

Ich wünsche mir, dass meine Babys ein Leben führen werden, dass es wert ist als solches bezeichnet zu werden. Kein Wattebauschparadies, in dem ständig Gleichmütigkeit, wohlige Sattheit und Bedürfnissättigung herrscht. Vielmehr wünsche ich Leidenschaft, Hunger, Durst und Appetit, Schlingen und Spucken, Saufen und Fressen – auf dass es eine Lust ist, am Leben zu sein.

Und in diesem Sinne gehe ich jetzt meinen gerade erwachten Sohn stillen. Ich wünsche Vergnügen mit den heutigen Bildern.

Unga

Unga ist der Hunger. Mein Sohn hat bei unserem Besuch im Hagenbecks Tierpark letzte Woche gelernt, dass Unga ein für Tiere sehr wichtiger Zustand. Denn die meisten Tiere haben wir essend gesehen.

Die meisten Tiere haben nichts in oder an sich gehabt, was an ihnen sehenswert gewesen wäre außer ihrer Erscheinung an sich. Ihrem gefangenen Dasein, dem sie nicht entrinnen. Kein Raubtier mit Intensität, kein Vogel in seinem Element – nichts außer leerer Blicke, tumber Bewegungen und bei Großtieren nicht selten Monotoniebewegungen gefangener Seelen.

Bei uns zuhause ist der Unga auch ein echtes Thema. Nala frisst an rohem Fleisch täglich ein ganzes kilo. Carlos muss zusehen, dass er seine ca. 150 Gramm (zusätzlich bemessen) abbekommt, sonst kommt Nala und mopst ihm das weg ehe er auch nur das Maul öffnen kann. Doch damit nicht genug. Eine Sättigungsbeilage am Tag muss es für das Unga-Tier Nala sein. Eine große Portion Reis mit Gemüse und Hack ist Madame durchaus recht. zwischendurch ein paar Leckerchen gierig in sich hineinschlingen versüßen den Tag. Und wenn Pawelek dann noch ein paar Kekse präsentiert ist Nala selig.

Doch nicht nur bei Nala ist „Unga“ ein Thema. Die Welpen tun nur zwei Dinge: Essen und schlafen. Essen, schlafen, essen, schlafen. Für das Entleeren sorgt Mama, insofern ist ein leben frei von jeden Sorgen – es sei denn: Es sei denn die Zitze, die man jetzt will, nein braucht, ist besetzt. Es sei denn Mama kommt und legt sich nonchalant auf einen drauf. Oder schlimmer noch: Mama kommt und man landet auf der Rückseite der Zitzen und muss den langen weiten Weg um Mama herum kriechen, um dann zu hoffen, dass Muttern solange noch füttert.

Alle Welpen sind gut, ja sogar bestens und überdurchschnittlich gut ernährt und agil für ihr Alter. Insofern sehe ich keinen Grund mich einzumischen.

Coco und Ambra fallen naturgemäß auf in diesem Knäuel an Welpen. Gestern hatte Coco das große Pech gleich zweimal hintereinander auf der Schattenseite des Fütterns zu landen. Pawelek und ich beobachteten die Welpen gerade und nun kann Pawelek auch „Coco“ sagen und das mit dem Wort „ohnein!“ theatralisch die Hände hochwerfend verbinden.

Insofern liegen Hunger, Glück, Frieden, Seligkeit – ja das Glück am Leben zu sein – beieinander. Als noch blinder Welpe braucht man nicht mehr außer Hunger, Schlaf und ganz viel Essen. Als erwachsenes ausgewachsenes Tier braucht es mehr. Verlangt es nach mehr! Freuen wir uns darauf, wenn unsere Welpen es werden erleben dürfen!

koszmar

Auf französisch auch der „cauchemar“ (dt. Albtraum). Heute habe ich ihn gehabt: Den koszmar. Ich habe geträumt, dass ein Herr mittleren Alters (also ca. 50 Jahre) mit Hornbrille und ergrauendem lockigen Haar in kräftiger sportgefestigter Statur mir die Tür seines Reihenhauses vor der Nase zuschlug. Das an sich ist ja gar nicht schlimm.

Aber auf der anderen Seite der Tür war eins meiner „Bibis“. Und in meinem koszmar führte das Bibi ein Leben bei dem Herrn, das von außen einem neureich gepflegten Reihenhaus-Charme gehobener Mittelklasse entsprach. Innerlich regierte Kasernenton und er sagt in meinem Traum: „Mit diesem Leckerchen-Kram fange ich gar nicht erst an.“ Damit wollte er mir sagen (wie es in meinem Leben schon hunderte meiner Kunden getan haben): „Wenn ich will, dass mein Hund funktioniert, dann hat er auch zu funktionieren. Und ich mache mich doch nicht lächerlich indem ich mit diesem albernen Wattebausch-Weitferkram anfange.“

Und so jemandem habe ich meinen Hund, mein Baby, den kleinen Welpen avnertraut, den ich wochenlang liebevoll aufgezogen und auf diese Gesellschaft vorbereitet habe mit allen Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen.

Jetzt, wo ich im Wachzustand den Traum reflektiere weiß ich: Es sind alles Sequenzen aus meinem Erfahrungswissen, die in diesen Traum eingeflossen sind. Zwischendurch flog auch meine Angst um die Zahn- und Darmgesundheit meines Sohnes Pawelek in dem Traum herum, der seit Halloween das Konzept „bei Nachbarn klingeln und dann Süßigkeiten bekommen“ perfektioniert und begriffen hat.

Wir können uns die Bibis nicht machen, wie wir sie haben wollen. Sie sind nicht aus Knete, nicht aus Plastik und auch nicht aus unseren Träumen gemacht. Sie sind aus Fleisch und Blut. Und das wächst, stirbt, lebt und gedeiht nach seinem eigenen Plan. Wir Menschen sind so selbstherrlich verliebt in die Vorstellung, dass wir „es“ richtig machen können, dass uns die Demut und Achtsamkeit allzu oft verloren geht.

Ich habe von einer zukünftigen „Bibimama“ die Frage bekommen, ob sie nun tatsächlich einen „Zerlegebastkorb“, wie ich ihn in meiner Shoppingliste fürs Hundi empfehle, kaufen soll. Nala hat leidenschaftlich gerne so viel zerlegt als sie klein war. Sie machte nicht Halt vor ihrem Geschirr, ihrem Trinknapf oder ihrem Korb, den sie zusammen mit ihrem Ziehbruder Luk (Schäferhund), Dschinn (Australian Shepherd) unter Nathans wachsamen Augen zerlegt.

Das Leben ist immer auch ein koszmar, wie uns kleine Kinder lehren, die in all ihren Entwicklungsphasen schwer und schlecht schlafen. Doch das Leben ist auch Hoffnung, Kraft, Liebe und Stärke. Unsere Welpen wachsen und gedeihen in dieses Lebens – lasst sie uns demütig und achtsam begleiten und uns freuen an der Freude, die sie beim Zerlegen eines Bastkorbes erleben. Und all die Möbel, die sie stattdessen heil lassen täglich weiterhin genießen und uns daran praktisch erfreuen.

Bibis am Quaken

Paweleks Lieblingswort ist jetzt „Bibis!“. Ich bin erstaunt darüber, dass er in seiner Begeisterung die „Bibis“ sehen zu wollen auf den Fliesen noch nicht ausgerutscht ist. Wenn er die Bibis sehen will (was mitten im Spiel vorkommen kann), rennt er laut „Bibis“ rufend los und schlittert übermütig um die Kurve, hält sich im Schwung fest am niedrigen Ende der Wurfhöhle und kommt dort jäh und andächtig zum Stillstand.

Pawelek traut sich nicht zur „Bibi“-Seite zu gehen. Nala ist seinem Treiben gegenüber gleichgültig. Sie kommt seit gestern nicht einmal mehr dazu, wenn Pawelek seinen Bibi-Besuch ankündigt und durchzieht.

Vermutlich, weil sie ihn kennt. Er sitzt still, andächtig – fast meditativ und betrachtet die Würmchen. Ich kann nicht wiederstehen. Ich streichle die kleinen Geschöpfe. Heute hat er „Am“ gesagt (= auf den Arm). Aber dann verstummte er wieder und blickte nur andächtig, um anschließend wieder Nala lärmend mit Leckerchen (in diesem Fall Spekulatius-Kekse) zu versorgen.

Die Babys haben fast das doppelte ihres Geburtsgewichtes. Sie sind gefühlt doppelt so viel. Sie sind aktiv, zügig im Maulwurf-Schaufelgang und fest, fest im Leben drin.

Auf Gretas persönlichen Wunsch hin haben wir ihren Namensvorschlag für den braunen Jungen übernommen und ihn Coco getauft. Einen der schwarzen Jungen würden wir gerne Filou nennen.

Noch hat keines der Würmchen ein Halsband um, weil ich es zu früh finde sie mit so etwas zu behängen, wenn es verhinderbar ist. In den nächsten Tagen bekommt jeder der schwarzen Rüden ein farbiges Bändchen um den Hals gelegt, damit wir anfangen können Persönlichkeiten zu unterscheiden und zu erkennen.

Auf drei weitere Namenswünsche freuen wir uns.

Das Welpen-Knäuel schläft meistens im 6er-Sandwich in wechselnden Verquickungen der kleinen Körper. Vorhin hat Coco sich auf einem seiner Brüder mit mehrmaligem Drehen und Schnaufen eine bequeme Liegeposition geschaffen. Und als er gerade friedlich eingeschlafen war kam das Muttertier und ließ sich non-chalant auf die zwei schlafenden Würmer darnieder… So erdrückend kann mütterliche Liebe sein.

Wir freuen uns schon sehr auf die nahenden Tage an denen die Augen aufgehen werden!

Das Leben feiern

Die Babys sind nun drei Tage alt. Gefühlt irgendwie erst zwei, aber rechnerisch drei. Egal. Wichtig ist, dass sie nun merklich und fest im Leben stehen. Nala begluckt und betüddelt sie wie eine gute Mutter es tut. Aber sie fängt auch an nach babyfreien Minuten Ausschau zu halten.

Meinem großen Sohn Pawelek ist die veränderte Situation schon aufgefallen. Seine erste Frage war, als er in die Wurfkiste blickte und die vielfarbigen Maulwürfe erblickte: „Eich?“ (=Eichhörnchen). Ich kann verstehen, dass er den Anblick der Babys mit Eichhörnchen assoziiert. Zumal das angesichts Nalas jagdlicher Freude an diesen puschligen Tierchen ein bei uns sehr häufig verwendetes Wort ist.

Aber nein, es sind keine „Eich“. Es sind Babys. „Bibi“ ist nun Paweleks neues Lieblingswort. Gewissenhaft bringt er Nala einen Napf nach dem Anderen. Erst das Wasser. Nala trinkt drei Mal das ihr hingehaltene Wasser. Aber was Nala am Ende nicht trinkt versucht Pawelek aufwertend in seine Schale umzufüllen (misslingt zu 50%) und Nala dann in seiner Schale zur dauerhaften Verwendung zu überlassen.

Alle Kauknochen aus den Winkeln unseres Hauses trägt er ihr zusammen. Und natürlich beschert er seinen Mutter den ersten Herzinfarkt des Tages, die ein kaltes aufgerolltes erdfarbenes Etwas in der Ecke der Wurfkiste sieht und panisch denke ich: „Oh Gott, nicht noch ein totes Baby!“ Nein, es ist nur ein Kauknochen. Einer von vielen.

Die Babys quaken den Tag über fröhlich, wohlig und quietschend, wenn Nala ihren nunmehr wieder zierlichen Körper auf mindestens die Hälfte von ihnen drauflegt, damit sie auch ja nicht wegkommen und alle bei ihr versammelt bleiben.

Mich beeindruckt wie agil, wohlgeformt und proper die Quakis am Tag drei ihres Lebens schon wirken.

Geburt 10.11.

Von allen mit Spannung erwartet wurde der Moment, in dem Nalas Welpen zum Vorschein kommen, um mit uns das Wunder des Lebens zu teilen. Die Welpen sind am 10.11. gekommen – doch das Gefühl des Wunders blieb für mich diesmal aus.

Nala hatte Schwierigkeiten den Geburtsprozess ruhig in Gang zu bekommen, wie sie das in der Vergangenheit gut hinbekommen hat. Ständig wollte sie rein, wollte raus, wollte rein. Nirgendwo war es ihr gut genug. Besonders nicht in der extra schon vor drei Wochen für sie bereitgestellten Geburtsgrotte deluxe.

Ich weiß nicht. Haben wir den Standort nicht günstig gewählt? Kann sie vielleicht nicht? Steckt eines fest? Vorher sind so viele Fragen im Raum und die guten Antworten so rar: Wr üben uns in Geduld, Vertrauen und Demut vor der Kraft einer Mutter und der Gewalt des Zyklus des Lebens.

Am Freitag war es dann so weit. Nala wollte aber nicht drinnen gebären. Sie wollte raus. Es war ein sehr, sehr regnerischer Tag und ich wollte verdammt noch mal nicht Geburtshelferin im November-Regen im Garten spielen. Wie soll das gut ausgehen? Aber nicht ich soll die Geburt „machen“. Das ist Nalas Aufgabe. Also lasse ich sie zum 100. Mal an dem Tag in den Garten.

Nala buddelt im Garten. Unser Garten ist nun also eine mondartige Kraterlandschaft, weil kein Busch, keine Nische von Nala nicht unbebuddelt  und Probe gelegen wurde. Nala verzieht sich beim Komposthaufen in ihr Lieblingsloch hinter der Haselnuss.

Super. Wie soll ich denn da vernünftig Geburtshilfe leisten? Oder will Nala mich etwa nicht und macht das deshalb? Ach, was weiß ich schon. Ich lasse Nala buddeln. Und plötzlich rennt sie rein und schießt auf das Sofa. Mein geliebtes rotes Kolonialstil-Sofa lange gesucht und erst einige Monate bei uns. Und ja, die Fruchtblase Nummer 1 platzt auf meinem Sofa. Ich bin begeistert.

Nein, ich bin es wirklich. Ich bin so dankbar, dass Nala drinnen gebärt. Ich hätte ihr einen besseren Standort gewünscht als so ein wackliges Sofa. Das erste Baby kommt gut und mit eigener Hilfe heraus.

Als sich das zweite nun wirklich mit starken Wehen ankündigt, lege ich entschieden Nalas Baby in ihre Wurfhöhle um und sie zieht mit. So auf dem Sofa – das geht nicht – wie soll Nala denn das schaffen ohne ein Baby durch Fallen oder ins Sofakissen erdrücken zu verlieren?

Bei Baby Nummer drei werden die Wehen schwächer. Ich weiß nicht. Helfe ich nach? Oder lasse ich Nala? Ich lasse Nala die langsamen Wehen und versuche nicht nachzuhelfen. Aber es klappt nicht. Baby Nummer drei (schwarz mit vier weißen Pfotenspitzen) ist nicht in der Lage eigenständig zu trinken. Ich helfe, versuche es so gut ich kann, aber auch Nala will nicht so recht. Oh Mann verdammt! Natürlich will ich, dass jedes Baby hier durchkommt.

Ich gehe nach oben. Nala wird das schon machen. Und fünf Minuten später trinkt Baby drei selig zwischen seinen Geschwistern. Alles ist gut.

Bis bei Baby sieben die Wehen erheblich nachlassen. Es braucht über eine Stunde, um herauszukommen. Die Geburt von Baby acht bekomme ich kaum noch mit, weil es über 1,5 Std. dauert und ich zwischenzeitlich eingeschlafen bin. Es wird tot, oder dem Tod sehr nahe geboren.

Ich taufe die zwei verstorbenen Hündinnen Marla und Momo. Eine ist schwarz, eine ist karamellfarben.

Fünf Jungs und ein Mädchen überleben. Vier Jungs sind schwarz, einer ist hell und das einzig überlebende Mädchen ist ebenfalls hell.

Ich taufe meine karamellfarbene Schönheit mit der weißen Kerze auf den Namen Ambra. Mein Vater hatte als Kind schon eine Hündin, die Ambra hieß und sie war seine beste Freundin als er in Danzig vor nunmehr über 50 Jahren aufwuchs. (Amber = engl. Bernstein) Ich freue mich auf die Geschichten, die Ambra und ihre fünf Brüder schreiben werden.