Swoboda

Wussten Sie, dass im Russischen das Wort „Swoboda“ für Frieden steht? Ich nicht. Nicht, dass es mich bisher interessiert hätte, welche russischen Vokabeln ich ggf. schon mal in anderen Kontexten gehört habe. Aber der Zufall hat mich gestern über das Wort „Swoboda“ gestoßen. In einer Reportage der ARD über Jelzin bin ich über dieses Wort immer und immer wieder gestolpert. Ich kenne das Wort „swoboda“. Es heißt auf Polnisch so etwas wie „Wohlsein“, „Angenehmheit“. Ich bin entspannt, ich fühle mich wohl = ich bin „swoboda“. So kenne ich es bisher.

In der Reportage habe ich gelernt, dass es im Russischen das Wort für „Frieden“ ist. Welch spannende Ethymologie, dass dieses Wort in seinem kyrillischen Ursprung für Frieden steht. Darauf wäre ich nie gekommen. Und diese kleine Anekdote lässt meine Gedanken wandern in den kleinen Irrungen und Wirrungen, die mich immer wieder aus meinem Gefühl der „Swoboda“ herausdrängen.

Ich störe mich immer wieder daran, welcher Aktionismus an den Tag gelegt wird, wenn es darum geht, Hunde zu „erziehen“. Ich finde es ähnlich wie mit kleinen Kindern. Was man nicht alles tun soll und wie man es nicht alles tun soll. Jeder hat einen klugen Rat, wie man sich durchsetzen, wie man letztlich sein Gegenüber, den Hund oder das Kind, aus seinem eigenen Frieden, dessen eigener „Swoboda“ heraustreiben kann hin in einen Zustand der Folgsamkeit, der erzwungenen Kooperation.

Das ist nicht meins. Für mich ist Frieden das Wort, das ich am meisten liebe, neben den Worten „Schlafen“ und „Essen“. Für mich steckt in dem Wort Frieden die Quintessenz allen Friedens, aller Ruhe, alles gütigen Miteinanders: Nämlich Liebe, Laissez-Faire, Nicht-Übergriffigkeit, Akzeptanz, Toleranz, Ruhe, Vertrauen und Achtsamkeit. Aber auch Teetrinken und mal fünfe gerade sein lassen.

Meine Hunde, so jung und wild wie sie sind, können aufbrausende Wirbelwinde sein, die unsere Haushaltshilfe Maria, Paul, mich und die Kinder manchmal in den Zustand versetzen, dass wir uns einen Beamer wünschen mit dem wir die Hunde auf eine weit entfernte tropische (möglichst vollständig vom Wasser eingeschlossene) Insel verbannen können. Diesen Wunsch haben wir selten und auch nie lange (außer Paul, wenn er mal wütend ist).

Und manchmal ist es schon nervig, wenn die Hunde hüpfen, bellen, buddeln, rein- und wieder rauslaufen. Und alles ist voll schwarzer Tapser. Und es ist nicht schön, wenn Ambra zum Fenster hinausschaut, den Regen meditativ betrachtet, in ihr Zimmer geht und dort hinpinkelt (raus geht ja nicht, da ist es nass! Pfui, pfui, pfui!)

Aber was rede ich da? Es sind Hunde und sie sind am Leben. Und sie haben eine Seele und eine einzigartige Persönlichkeit, die ihren noch jungen Körper innewohnt, die dennoch unverwechselbar jeden Tag aus ihren Augen schaut. Und 99% der Zeit sind sie „friedlich“. Nein, das ist falsch. Sie sind im Frieden. Sie sind ruhig, sie sind da. Sie atmen, sie schlafen, sie liegen, sie kuscheln. Und ich genieße es.

Eigentlich braucht es keine Hunde, um das zu genießen. Menschen können das auch. Doch mit Menschen ist es manchmal verflucht schwer schweigend in einem Raum im Frieden zu sein. Und weil ich so wenige Menschen kenne mit denen ich auch mal mehr als 5 Minuten ohne Klappe auf, Klappe zu zusammen sein kann, einfach so – genieße ich diesen tiefen Frieden dankbar mit meinen Hunden.