Die Mutter aller Streits

Es ist nicht der Erste seit die Bibis mit uns wohnen. Und es ist auch nicht der erste in dieser Ehe, in diesem Haus, mit diesen Kindern. Aber es ist die Mutter aller Streits, bezogen auf das, was wir bisher erlebt haben. Wobei… Das stimmt nicht ganz. Aber für den Moment vielleicht.

Mein Ehering ist nicht an meinem Finger. Zumindest für den Moment nicht. Es tut zu sehr weh. Ich habe bisher immer versucht einfach weiter zu gehen, einfach weiter zu machen, zu hoffen, zu verzeihen, von vorne zu packen, zu beginnen und immer wieder und wieder versuchen, dass achtsam, liebevoll und zärtlich ein Weg entsteht, der es wert ist so von uns gemeinsam weiter gegangen zu werden.

Gemeinsam heißt aber eben auch mit all denen weiterzugehen, die in dem Kreis der Liebe, des Herzens inbegriffen, ja mit weit ausgestreckten Armen gehalten, geliebt und geborgen sind. Im Moment ist hier keiner geborgen. Ich am wenigsten. Ich fühle mich als ob ein Orkan durch mein Haus, meine Seele, durch mich getobt wäre – und gerade bin ich im windstillen Bereich und spüre nur eisige Kälte.

Tja, so ist es halt mit der Liebe. Manchmal tut sie weh – ohne Anfang und ohne Ende.

Es hat seinen Preis, dass Indie noch da ist. Es hat seinen Preis, dass Ambra noch da ist. Dass Indies Anwesenheit einen Preis von uns verlangt, das spüre ich bei jedem Vermittlungsversuch, nach jedem Scheitern, bei jedem Wieder-Mut-Fassen und von vorne beginnen. Und auch bei jedem Spaziergang, jeder Minute, jedem Extra-Handschlag, den ich für ihn tue, obwohl keine Zeit ist dafür. Dass Ambras Mit-Uns-Sein einen Preis hat für uns, war mir bisher nicht bekannt. Nun weiß ich es.

Ambra ist hier nicht mehr willkommen.

Ich kann nur noch abbrechen und schweigen.

„Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.“ Oscar Wilde