Indie found home!

Als ich mein zweites Baby im Arm hatte, direkt nach der schwierigen und nicht wie erhofft friedlichen Geburt, konnte ich nicht aufhören zu schreien „mein Baby, mein Baby!“. Ich hatte nicht gewusst, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, das in mir heranwächst. Und ich gestehe ich war ein wenig enttäuscht als ich „klöten“ fühlte, als die Hebamme mir „zeigte, was es nun geworden ist. Egal, egal, egal! Mein Baby! Es war in meinem Arm. Es war gesund, es lebte, es quakte, es sog an meiner Brust. Ja Hammer! Wahnsinn! Leben!

Bei meinem ersten Sohn war das alles viel stiller und friedlicher gewesen. Aber so ungefähr fühlt es sich jetzt auch an. Ich schwanke zwischen dem Gefühl hopsen, springen und jubilieren zu wollen und mich einfach zu Indie hinlegen zu wollen und ihn still und ohne Worte im Arm haltend zu lieben.

Ich habe Indie schon vor vier Wochen losgelassen, dennoch ist er noch hier. Es ist wie eine Geburt über Termin, man weiß einfach nicht, was dabei rauskommt. Und einer Freundin von mir wurde Angst gemacht, dass ein Baby, wenn es mehr als 7 Tage über Termin im Bauch ist, dann plötzlich im Bauch versterben kann. Nun, ich habe diese Angst nie direkt selber geteilt, doch wissen tut man es erst, wenn das Baby „sicher“ im Arm ist.

Indie war heute sicher im Arm. Nicht in einem, auch nicht in zweien, nein Indie bekommt gleich sechs (!) haltende Arme und eine verrückte Lucy als springverrückte Spielkameradin dazu. Mein kleiner Sorgenzwerg, der nun im stolzen siebten Vermittlungsversuch ist, bekommt einen 6er mit Bonus-Lucy im Lebenslotto als Geschenk zugeteilt! Nein, wir wissen noch nicht 100%ig ob die Vermittlung klappt. Und es ist auch noch nichts unterschrieben. Aber Gefühle kann man nicht unterschreiben. Und außer dem Tod gibt es eh keine Garantien. Ich glaube daran, dass es klappt.

Ich freue mich. Ich freue mich sehr. Ich bin dankbar. Und es ist einfach wie ein Geschenk des neugeborenen Lebens, dass Indie eine Familie bekommt, die ich mir nicht besser für ihn hätte erträumen können.

Seine Familie wird lernen Indie zu scheren, damit sie sein Fell selbst pflegen können. Seine Familie wird lernen Indie mit frischer Nahrung hochwertig zu versorgen und ist offen für diese Erfahrung. Seine Familie wird lernen mit Indie „konsistent“ zu kommunizieren und ihm Halt, Führung und Sicherheit zu bieten, wo er sie benötigt. Und Lucy wird ihm zeigen wie schnell sie laufen und er ihr wie tief er buddeln kann.

Ach herrlich! Da räumt es sich doch gleich viel beschwingter das Erdgeschoss auf von dem über Wochen gesammelten Dreck! Ich gehe gleich unsere Schermaschine raussuchen und schreibe eine Fellschneideschere auf unsere Einkaufliste. Meine gute kurze Fellschere ist leider in Greifswald auf unserem Hundegelände, da nützt sie mir hier jetzt wenig…

Bettina hat Indie auch losgelassen und so geht er nun bald mit Segenswünschen, unserer Liebe über, unter und hinter ihm in neuen Gewässern das Leben erkunden und neue Bande knüpfen. Und neben ihm, da ist natürlich nichts, denn ein bißchen Platz braucht ein kleiner Indie auch um mal einen Haken zu schlagen vor Freude oder einer Maus im hohen Gras hinterhereilend.