Hunde heilen

Kranke Hunde sind, genauso wie kranke Menschen nichts Besonderes oder Erwähnenswertes in dieser Gesellschaft. Mit Krankheit meine ich vor allem chronische Krankheiten, Krankheiten des Verdauungsapparates, der Gelenke und Entgiftungsorgane wie Nieren, Leber, Milz & Co. Stinkende Hunde sind für die meisten ein Synonym für Hunde. Für mich nicht! Meine Hunde fassen sich gut an und riechen kein bißchen. Und das hat nichts mit der Rasse zu tun!

Heilung ist real

Helung ist kein esoterischer Quatsch. Heilung ist real. Unter Menschen greifen Schilddrüsenerkrankungen, Hormon-Disbalancen, Autoimmunerkrankungen und chronische Müdigkeit sowie ADHS und PTBS (Traumabelastungen) wie eine Epidemie um sich. Weit mehr als jeder Zweite leidet unter einer dieser Erkrankungen – und schlussendlich steht oft der Krebs als lebensveränderde oder beendende Diagnose am Ende des Leidens oder Lebens für Menschen und Hunde. Beim Menschen sind überwiegend Frauen von diesen schleichenden Räubern betroffen.

Bei Hunden ist mir bisher keine geschlechterspezifische Differenzierung aufgefallen. Außer, dass ich sagen kann: Bei Hündinnen sind „chronische“ Scheinschwangerschaften das erste Warnzeichen einer schlechten Entwicklung einer körperlichen und seelischen Abwärtsspirale. Und nicht wenige Hündinnen steigen schon mit der ersten Läufigkeit in diese Spirale ein, sprich der Leidensweg beginnt mit 6 bis 9 Monaten und setzt sich meist bis zum Lebensende fort. Am Anfang stehen Tierarztbesuche und Frust für Mensch und Halter. Wo Freude über ein neues Wesen im Haus sein sollte, regiert Unsicherheit, Angst und Verzweiflung.

Sorge: Die PR-Maschine des Teufels

So viele Fragen quälen den Menschen bei Tag und bei Nacht: Was kann mein Hund? Was darf mein Hund eigentlich, so krank wie er ist? Wie schade ich ihm? Und bin ich es, die ihm schadet oder ist mein Hund schon krank geboren? Was hat der Züchter verbockt? Und wie kann ich es heilen? Gibt es überhaupt Heilung? Und wie geht das jetzt weiter? Wird mein Hund lange leben? Muss ich ständig zum Tierarzt? Und was tut meinem Hund wirklich gut und was nicht?

Es ist eine Spirale der Sorgen, des Elends, der hohen Kosten und des Nichtwissens und Problem-Lösungs-Kompromiss-Modi-Suchens, aber nicht des Feierns des Lebens. Obendrauf zu all dem Elend kommt, dass die teuersten Hunde nicht selten die „kaputtesten“ Hunde sind. Was ein eigenes Frustmoment besonderer Güte ist. Dann ist da die andere eigene Spirale: Die Gewaltspirale. Hunde, die aggressiv sind, beißen, bellen und knurren, wo sie sich eigentlich freundlich und nett verhalten sollen.

Hat das überhaupt etwas miteinander zu tun? Ja und nein. Jeder Hund, dessen Seele „kaputt“ ist, leidet und Frakturen und Risse aufzeigt, braucht Heilung. Und jeder Hund, dessen Körper leidet und ächzt und Krankheitssymptome aufweist, braucht Heilung. Aber was ist Heilung überhaupt? Kann man das „machen“? Kann man das Kaufen? Und ist Heilung nicht eher ein Wort der Esoterik und des Pseudo-Magiertums? Ärzte behaupten das gerne – außer es geht um die mechanische Heilung wie einen Knochenbruch schienen, dann wird der Arm „geheilt“ – und das ganz ohne spiritistisch-esoterisches Klimbim. Dieser ärztliche Hokuspokus funktioniert bei Menschen so gut wie bei Tieren. Das darf ein Arzt dann Heilung nennen und alle applaudieren, wenn der Arm wieder „geheilt“ ist.

Medizin ist Mechanik

Ärzte sind in vielen Bereichen hervorragende Heiler, wenn es um mechanische Anliegen geht. Und in anderen Themen stehen auch Ärzte erst am Anfang der Erkenntnisse, die zu Heilung führen können. Bezogen auf komplexe systemische Parameter hat die wissenschaftlich geleitete Medizin noch nicht viele valide Antworten auf Zusammenhänge und Wirkweisen. Anders als es bspw. bei Knochen, Herz- und Hirnangelegenheiten ist. Die Medizin wird sie eines Tage haben. Die Forschung dazu läuft oder wird in den nächsten Dekaden anlaufen. Doch was nützt uns, mir Ihnen und Ihrem Hund das jetzt, heute?

Gar nichts.

Wo es uns also an exaktem quanfizierbarem und messbarem Wissen fehlt, müssen wir auf Intuition und Erfahrungswissen zurückgreifen. Dabei sollte niemand die Augen blind verschließen, sondern weiterhin alle seine Sinne, seine Intuition und sein eigenes im Laufe des Lebens erworbenes Wissens als Kompass zu Rate ziehen.

Wir Menschen, die jetzt am Leben sind und Hunde haben, die leiden, haben das Recht auf Wunsch nach Heilung. Damit Sie dabei nicht auf den nächstbesten Scharlatan reinfallen ist es wichtig zu spüren, zu wissen, was Heilung ist. Heilung ist Leben, Lieben und Eins-Sein mit dem, was man ist und wer man ist. Heilung ist das Abwerfen und Loslösen von dem, was uns hält, fesselt oder entfernt von dem, wer wir sind. Heilung kann auf verschiedenen Niveaus passieren und ist dennoch immer gut: Ein Hund, der ein Bein verloren hat, wird nicht heil, indem er ein viertes Bein magisch hergezaubert bekomme. Er wird heil, indem er lernt den Schmerz des Verlustes zu verkraften, sein altes ursprünglich angeborenes Heilsein loszulassen und das neue Sein als Dreibeiner zu lieben und sich selbst zu lieben, wie er ist.

Heilungs-Geschichten

Ich habe eine Hündin erlebt, die kastriert worden war und alle intakten Hündinnen gehasst hat und mit einer Verletzungswut angefallen hat, die ich zuvor noch nie erlebt hatte. Diese Hündin brauchte Heilung der Seele und Akzeptant ihres verstümmelten Körpers. Ich habe einen Rüden erlebt, dem das Rüde-Sein ab der Geschlechts-Reife unterdrückt, verboten und tabuisiert wurde. Schlusendlich wurde er bissig und gefährlich für seine Umwelt. Ich habe kleine Hunde erlebt, die große Ängste mit sich herum trugen. Und große Hunde, die sich so klein fühlten, dass ihre Ängste in ihnen zu übermannsgroßen Monstern wurden, die sie verfolgten und jagten. Ohne Erbarmen.

Ich habe einen Australian Shepherd erlebt, der bereit gewesen war, die kleinen Kinder seiner Familie zu verletzen. Er sollte getötet werden gemäß dem Wunsch seiner Familie. Ich habe ihn zu mir genommen, geheilt und nach zwei Jahren weiter vermittelt. Seine Menschen würden ihn heute nicht mehr erkennen. Er ist ein lammfrommer, gesunder und freundlicher Hund wie er im Buche steht.

Den Australian Shepherd habe ich in die Heilung führen können, andere nicht. Das Scheitern einer Heilung lag nie an den Hunden – es lag an den Menschen. Selten am Unwillen der Menschen. Wollen tut jeder für seinen Hund eine möglichst umfassende Heilung. Und für sich selbst am besten auch- wobei? Mir geht es doch gut. Ich brauche nichts. Den meisten Menschen fehlt ein konzeptionelles Verständnis für Heilungsprozesse und sehr oft das ursprüngliche uns angeborene Gefühl für Angenommen-/Geliebt-/Heilsein (im Arm der Mutter). Diese Gesellschaft verlangt von uns, dass wir funktionieren. Und dabei geht vieles verloren. Erst bei uns Menschen. Und dann bei unseren Hunden.

Doch es ist nicht nur seelisch. Manch ein Mensch ist ganz bei sich, im Leben intakt und bereit für seinen Hund so vieles zu geben. Und doch: Der Hund leidet so sehr. Gelenke kaputt, Nieren kaputt. Kann man da wirklich nichts tun? Ja und nein. Man kann nicht direkt etwas tun. Es gibt kein Heilungsversprechen. Doch es gibt einen Weg in die Heilung, der das heil werden lässt, was Körper und Seele zu heilen vermögen. Das ist unterschiedlich viel je nach genetischer Prädisposition und Aufzucht beim Züchter.

Es lohnt sich den Weg zu gehen!

Heilung ist dran, wenn sie dran ist

Wir können uns nicht aussuchen, wann wir krank werden. Ich habe einen Terminplaner. Da steht sehr vieles drin. Aber ich habe dort noch nie eingetragen:

13.-18. Mai Pause wg. Sommergrippe

Sie etwa? Wir machen Pläne, hoffen, dass die Dinge aufgehen und dann – wenn wir früh genug hinhören merken wir vielleicht, dass etwas nicht aufgeht. Und falls wir es nicht früh genug merken überrumpelt es uns mit voller Macht und wir können nur noch ermattet in unser Bett fallen – je nachdem wie heftig es uns von den Beinen fegt.

Nala ist am 02.06. zu uns zurück gekert. Und offenkundig müssen wir mit Nala nun einen Weg der Heilung beschreiten. Also werde ich nun mit meiner geliebten Nala auf den Weg der (gemeinsamen?) Heilung gehen. Das war so nicht geplant, aber wer plant schon Unglücke und Heilung ein? Nala war ein paar Monate bei meiner Freundin Klarissa gewesen und kam wider Erwarten am Samstag, 02. Juni in einem desaströsen Zustand zurück. Nala ist aufgequollen, stinkt ganz bestialisch (von innen), hat stumpfe Augen, ist träge und wirkt wie… ja wie? Kaputt würde ich sagen. Nala ist nicht mehr Nala. Sie ist durchzogen von Frakturen und Rissen. Und das Paradoxon dabei ist, dass sie aufgegangen ist wie ein Hefekloß und stinkt wie unsere Mülltonne nach zwei Wochen der Nicht-Leerung.

Ich werde Nala wieder bekommen. Oder besser gesagt: Nala wird wieder ins Leben kommen. Nala wird heil werden! Nala wird wieder ankommen, da sein, wohl riechen, sich selbst leben, entspannt sein und ganz sein. Und ich werde – daran glaube ich – Nala wieder ansehen und denken: Wie hübsch du doch bist. Vielleicht wird Nala nicht mehr exakt so werden wie vorher, aber das ist wie mit einer Karaffe: Klebt man sie nach einem Sturz akribisch wieder zusammen, wird sie vielleicht nicht mehr so sein wie vorher. Aber sie wird schön sein, wenn wir sie mit Liebe ansehen und eine Erinnerung mehr in uns zum Schwingen bringen: Nämlich die an die detailliert-liebevolle Zuwendung beim Kleben. Der Schmerz der Zerstörung bleibt auch immer ein Teil des Anblicks. So ist das mit Beziehungen, die leben, wachsen und sich weiter entwickeln.

Weinen gehört zu Heilung dazu. Ich weine, wenn ich Nala sehe. Ich bin dankbar, dass ich Wissen und Können in Bezug auf Heilung habe, denn ich besinne mich in meiner Traurigkeit voll und Ganz darauf, dass Nala wieder heil werden wird und ihr „Nicht-Heil-Sein“ hoffentlich nur temporär ist. Es gibt keni Anrecht auf Heilung. Es gibt auch kein Anrecht auf Heil-Sein. Aber wir können um Heilung bitten und die Weichen für Heilung stellen und sorgsam in diese Richtung wirken.

Ein Mensch kann einen Hund nicht heilen

Einen Hund kann man nicht in die Heilung bringen. Denn ein Mensch kann einen Hund nicht heilen. Das ist nicht wie bei einem Auto, das man auf die Hebebühne fährt und repariert. Ein Hund muss zurückfinden in sein Hund-Sein, in das So-Sein als Raubtier, Fleischfresser, Jäger, Lauftier und Schlaftier, soziales Wesen und Harmonieliebhaber. Wir Menschen sind Gatekeeper, Weichensteller. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Wir können dem Hund helfen in all das zurück zu finden und heil zu werden, aber wir können es nicht für ihn machen.

Ich bin seit dem 02. Juni wieder Gatekeeper für Nala. Ich begleite einen Hund mittlerweile mit einer gewissen Routiniertheit in die Heilung. Ich habe das bereits mit vielen Hunden getan. Mit dem verhaltensauffälligen Rüden, der nicht Rüde sein durfte und deshalb aggressiv geworden war, habe ich den Heilungsprozess im letzten Jahr aufwändig dokumentiert. Die handschriftlichen Aufzeichnungen müssen noch Buch werden, damit ich sie zugänglich machen kann. Die Aufzeichnungen zu Nala werden in tagesaktuellen kleinen Schriften und Fotoserien geschehen. Ich veröffentliche sie als Einladung einen Weg der Heilung zu begleiten. Ein Heilungsweg ist typischerweise ein drei bis vierwöchiger Prozess zu dem einige feste Stationen und Erfahrungen zählen.

Ich lade Sie ein auf diesem Weg mitzugehen. Bevor ich jedoch vollends in das Thema Heilung eintauche sehe ich noch einen sehr großen Stein direkt vor meiner Nase, dessen Macht über mich ich noch zähmen muss. Sonst wird es ein Stolperstein, der die Integrität und Sinnhaftigkeit meines Vorhabens unglaubwürdig machen könnte für mich und für Sie.

Die ersten Stolpersteine sind groß

Auch ich muss mit Stolpersteinen auf dem schwierigen Heilungsweg für Nala umgehen. Ich brauche keinen Mut, um mich auf den beschwerlichen Weg einzulassen, denn ich weiß sehr genau was mich erwartet. Bei mir ist das alles Routine. Es berührt mich nur noch wenig, wenn ich einen Hund sehe, der Heilung benötigt. Doch es verunsichert mich bis heute in den Dissens mit anderen Menschen gehen zu müssen, um den ersten Schritt auf dem Weg in die Heilung gehen zu können. Wenn Heilung wie ein Fingerschnippsen abrufbar wäre, wäre Heilung kein Wunder. Man könnte dann in den Supermarkt gehen und Heilung bestellen. Doch so funktioniert das nicht mit Körper und Seele.

Und zu Heilung gehört immer die dunkle Seite, die zuvor gewütet hat: Destruktion (Zerstörung). Destruktion ist nie nur ein Prozess von außen. Zerstörung geschieht auch von innen. Destruktion ist keni ausschließlich fremdgesteuerter Prozess. Selbstzerstörung ist eine Disziplin, die sehr viele Menschen und deren Hunde sehr gut beherrschen. Selbstzerstörung ist Teil des Selbstschutzes, den jeder Mensch in sich hat. Auch jeder Hund. Manche kennen eine Variante dieses Selbstschutz-Mechanismus bei Menschen als Stockholm-Syndrom.

Die Chose mit der Symbiose: Warum Mensch und Hund sich zu nahe sein können

Geiseln beginnen irgendwann nicht nur mit ihren Entführern zu kooperieren. Sie loyalisieren sich bedingungslos mit ihren Peinigern, um dem inneren Zwiespalt zuvor zu kommen und so in dieser qualvollen Lage überlegen zu können. Das ist ein sehr radikales Beispiel für dieses Muster, aber es ist vielen geläufig.

Eine andere Form dieses Musters ist die lange erzählte Mär von der sündig schuldigen Frauen. Frauen sind selber Schuld, wenn sie vergewaltigt oder belästigt werden. Was ziehen sie sich auch verführerisch an! Selber Schuld, wenn Männer sich dann vergehen. Traumatisierte kennen den Whiteout-Effekt. Es ist kein Blackout, es ist ein Whiteout. In einer Übergriffssituation überblendet das Unterbewusste alles und der Mensch schaltet in einen Autopilot-Modus. Die Folgen eines Whiteouts können ein Leben lang in Stresssituationen zutage treten und sind besonders für Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung äußerst belastend.

Was hat das mit Nala zu tun? Nala wird vermutlich mehr als einen Whiteout in den letzten vier Monaten ihres Wegseins gehabt haben. Ich kann sie nicht fragen und sie wird es mir nicht erzählen. Daran hat niemand Schuld. Aber es ist passiert. Menschen, die selber unter den Folgen vielfach erlebter Whiteouts leiden und ihre eigenen Grenzen nicht gut erkennen und schützen können, können dies auch für ihre Hunde nicht sehr gut leisten. Nala ist eine intakte, lebensfrohe und zu allen freundliche Hündin. Nala konnte es noch nie sehr gut tolerieren, wenn bestimmte Hunde ihre Wohlfühlgrenzen überschritten haben.

Nicht die Vergangenheit zählt, nur die Zukunft

Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Das spielt auch keine Rolle. Es wäre theoretisch möglich, dass Nalas körperliches „Aufgeblasen-Sein“ (unsere Nachbarn und Freunde nennen sie mopsig) nur körperliche Ursachen hat. Das ist aber nicht plausibel. Für die Heilung wäre es aber ohnehin nur von untergeordneter Bedeutung, da ich mit Nala keine Gesprächstherapie führen kann. Und es hat inhaltliche Relevanz, dass auch Katarina eher füllig ist. Symbiotische Hunde kompensieren ihre Probleme oft in gleicher Weise wie ihre Menschen.

Wichtig ist jetzt die Zukunft. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Die Zukunft kann ich beeinflussen. Deshalb ist es jetzt wichtig, dass ich Nala ein solches Zusammenleben mit uns ermögliche, dass sie in die Heilung kommen kann. Da Nala weit weg gewesen ist (bei Frankfurt) kann ich das hier letztlich unerkannt von den Menschen dort (Frankfurt) tun. Würde ich nicht darüber schreiben. Nun schreibe ich darüber und verletze damit eventuell die Gefühle einiger Menschen „dort“. Kaum jemand, der Nala auf dem Bio-Hof auf dem sie war kannte, teilt meine Wahrnehmung von Nala. Ich bin jetzt böse. Zumindest, weil ich frei heraus sage, wie ich Nala erlebe. Das verletzt Gefühle auf so vielen Ebenen und bei sehr vielen Menschen.

Jeder, der zuvor Nala für einen freundlichen aufgeschlossenen Hund gehalten hat, muss sich nun mit der Frage quälen, was er übersehen hat in der Zeit zuvor. Nala wirkte doch immer so fröhlich… Allein die Tatsache, dass ich Einschätzungen der Vergangenheit nicht teile und ohne Umschweife zu der Haltung stehe: Nala braucht Heilung. Das alleine insinuiert ohne Umschweife, dass es Nala nicht gut ergangen ist bei ihrem Aufenthalt. Ich brauche dabei gar keine Spekulationen über das potenziell „schädigende“ Moment anzustellen, damit sich andere verletzt fühlen.

Alleine die Konfrontation damit, dass ich den Eindruck habe Nala hat der Aufenthalt nicht gut getan zwingt jeden zu der unangenehmen Frage: „Habe ich zu Nalas Wohlsein oder Schaden beigetragen?“ Eine solche Frage an sich selbst ist immer unangenehm.

Ich bin kein Stück besser. Ich bin bloß laut.

Ich schreibe das nicht, um mir hier ein Superman-Symbol auf die Brust heften zu können. Ich besitze so etwas nicht. Ich bin genauso feige und ängstlich wie jeder andere Mensch auch. Auch ich möchte von allen gemocht werden. Aber wie soll das gehen? Ich kann mich ja nicht für alle verbiegen. Es ist ganz oft so, dass der schwierigste Schritt, um einem Hund wirklich die Chance zu geben Heilung zu erfahren das Abschlagen von Krakenarmen ist, die nach dem Hund greifen. Nun greifen keine Krakenarme nach Nala, denn Nala ist in unserem Zuhause unter unserem Einfluss. Doch der Wunsch es Klarissa und all den Menschen, die Nala und Klarissa aus Frankfurt kennen, recht zu machen, ist groß.

Ein Hund, der krank geworden ist, muss die Chance bekommen wie ein altes Dornröschenschloss freigelegt zu werden, damit er wieder zu sich selbst kommen kann. Dafür muss der Mensch, dem oftmals die Macht einer Hexerin zukommt ähnlich wie in Dornröschens Geschichte den Mut haben die stacheligen Dornen beiseite zu biegen. Konkret bedeutet das fast immer einen Stopp alter Muster, Verhaltensweisen oder Umgangsformen bei dem Halter, Familienmitgliedern oder Anwohnern und Bekannten. Heilung ist ein sehr, sehr schwieriger Prozess, wenn Hund und Halter im bisherigen System fortbesthen. Geht ein Hund aus einem System heraus (Abgabe, Trennung der Menschen, Umzug) ist eine Heilung grundsätzlich viel leichter.

Nur das Gute in uns spricht über das Schlechte in uns

Ich habe mehr als eine Nacht schlecht geschlafen. Mich quälte die Frage, wie ich es schaffen kann mit Nala, unserem Eindruck von ihr und den Gefühlen meiner Freundin Klarissa so umzugehen, dass niemand verletzt wird. Es gab dafür keine zufriedenstellende Auflösung. Nalas aufgequollene Erscheinung, ihr bestalischer Gestank (von innen), der stumpfe Glanz ihrer Augen und ihre Art keinen direkten „echten“ Kontakt mehr zu suchen oder zuzulassen lässt Herzenstränen bei mir fließen. Solange Nala so ist, wie sie ist, ist sie bei uns toleriert und wir begegnen ihr höflich. Für mehr ist sie ohnehin nicht offen. Ich sehe auf alte Fotografien von Nala und erkenne den Hund, der in meinem Wohnzimmer liegt, nicht mehr wieder.

Alle Gefühle von Menschen, die mir etwas bedeuten (Klarissa), habe ich nun verletzt und kann es nicht ändern. Ich weiß nicht, wie ich die Verletzung hätte abmildern können. Es geht um Nala. Um Nalas Gesundsein. Und darum Nala wieder aus allen Poren strahlen, tanzen und lachen zu sehen. Nicht um mich. Nicht um Klarissa. Und nicht um die vielen Menschen auf dem Hof, die Nala dort getroffen hat und mit ihrer einzigartigen Fröhlichkeit berührt hat. Nalas Fröhlichkeit wirkt als devot dargebotene Freundlichkeit noch immer nach außen. Nalas Schweifwedeln ist aber derzeit nicht mehr als ein fader Glanz dessen, was Nala tatsächlich sein kann.

Es fällt jedem schwer, sich seine schlechten Seiten vor Augen zu führen. Den eigenen Anteil an einer misslichen Situation zu sehen tut immer weh. Dafür gibt es keine schmerzfreie Sorglos-Patentlösung. Jeder, der liebt, muss Verantwortung übernehmen. Für sich, für die Liebe und für die Umgangsformen, die miteinander gepflegt werden. In einer Abhängigkeitsbeziehung, wie sie zwischen Mensch und Hund besteht, hat nur der Mensch die Möglichkeit Veränderungen herbei zu führen.

Wir sind Kinder und jeder braucht Heilung

Ähnlich wie Kinder können Hunde in für sie misslichen Lebenssituationen nur aufbegehren (Kooperationsverweigerung), die Stimme erheben, versuchen in die Symbiose mit ihren Menschen zu gehen oder im Whiteout zu verschwinden. Hunde können nicht viel tun, um den Kurs einer Partnerschaft zu verändern. Wenn es Situationen gibt, die Hunde über ihre Grenzen bringen, kommen Hunde immer in einen Zwiespalt. Ähnlich wie Kinder ihre Eltern lieben Hunde ihre Menschen ohne Bedingung. Für Hunde sind ihre Menschen Superhelden, die die Welt bezwingen können.

Für jedes Kind ist es die Vertreibung aus dem Paradies zu erkennen, dass die Allmacht der Eltern nur Einbildung war. Kinder leben in der Vorstellung ihre Eltern könnten alles bewirken. Eltern leben ewig, Eltern sind immer stark und Eltern werden ihr Kind immer beschützen. Die Erkenntnis, dass die eigenen Eltern sterben, alt werden und schwach sein können ist das Ende des Paradieses kindlicher Unschuld. Hunde können zu dieser Erkenntnis so nicht gelangen. Doch auch wenn die Kognition eines Hundes begrenzt ist: Liebe können Hunde empfinden.

Kinder, die schmerzhafte Erfahrungen in der Beziehung mit ihren Eltern machen werden erwachsen. Und bleiben doch Kind. Jeder von uns bleibt irgendwie Kind. Und das, was in uns kaputt gegangen ist, als wir größer wurden und erkannt haben, dass der Glaube an die Unbesiegbarkeit und immerwährende Güte unserer Eltern nur ein Märchen war, heilt nur bei wenigen wirklich aus.

Wie viele „ungeheilte“ Kinder stecken als Erwachsene in einem Leben, in Beziehungen fest, in denen sie sich selber nicht wieder finden? Schauen Sie mal auf die Wartezeiten, die man heutzutage in Kauf nehmen muss für eine Therapie beim Psychologen. Wartezeiten von ein bis zwei Jahren stellen die Norm dar. Schauen Sie mal auf die Scheidungsraten von Ehen. Schauen Sie in Ihr eigenes Herz. Ich weiß wovon ich spreche.

Die Seele ist fast immer ein Teil des Problems

Es kann sein, dass bei Nala organische Probleme entstanden sind in den vier Monaten ihrer Abwesenheit. Es kann sein, dass irgendwelche Prädispositionen in ihr schlummerten, die durch ungünstige Faktoren die Chance zum Zugriff auf Nala bekommen haben. Das ist kein Esoterik-Gelaber. Einen Herpes-Virus trägt fast jeder Mensch ein Leben lang mit sich herum. Das Virus ist aber so gut wie nie aktiv. Genauso ist es mit Fußpilz oder Gürtelrose. Den Erreger kann man lange mit sich herum tragen oder zufällig irgendwo aufschnappen. Ausbrechen tun diese Krankheiten erst dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist durch psychische und/oder physische Strapazen.

Es lohnt sich systemisch an die komplexe Thematik der Heilung heran zu gehen. Besonders bei Hunden. Bei Hunden kann man keine Heilung durch innere Einkehr, spiritistische Sitzungen oder Handauflegen erreichen. Bei Hunden kann Heilung ermöglicht werden indem der Hund die Toren geöffnet bekommt zum irdischen Paradies hündischen Daseins. Ein Hund möchte laufen, deshalb fahre ich mit Hunden in der Heilungsphase jeden Tag mindestens eine halbe, besser eine Stunde Fahrrad.

Seelenfutter ist ein Teil von Heilungsprozessen

Ein Hund möchte Fleisch. Deshalb bekommen Hunde in der Heilung bei mir immer Fleisch. Je nach Zustand und Vorerfahrung er Hunde beginne ich sofort mit rohem Fleisch oder taste mich über den Umweg gekochten Fleisches sukzessive an rohes Fleisch innerhalb von zwei Wochen heran.

Ich biete alles an, was der Hund essen möchte. Ohne Rücksicht darauf, ob es seine Gesundheit potenziell fordert oder nicht. Körper folgt Bewusstsein. Ein Hund, der ständig Frust hat und nicht das bekommt, was er will, kann nicht heilen. Wenn Nala Chips möchte, bekommt sie Chips. Wenn sie Äpfel, Datteln oder Feigen genießen will, gebe ich sie ihr. Es gibt nichts, was ich Nala (oder jedem anderen Hund) nicht geben würde, wenn ich will, dass er wieder gesund wird.

Die Heißhungerattacken nehmen auch bei Hunden immer mehr ab, je ausgeglichener der Geist des Hundes wird. Deshalb bemühe ich mich bei den Fahrrad-Runden feinfühlig wahr zu nehmen, was der Hund außer Laufen zum Seelenfrieden braucht. Manche Hunde wollen mit anderen Hunden toben. Andere Hunde wollen gerne buddeln, im Wasser spielen oder Fährten hinterher jagen. Jeder Hund, der von sich selbst entrückt ist, stinkt und Symptome systemischen Stresses zeigt, hat etwas, das er gerne meidet. Ich bemühe mich heraus zu finden, was ich meiden soll und versuche möglichst zu 100% die Vermeidung zu ermöglichen, sofern ich das kann.

Heilung ist ein Weg ohne Kompass und Karte

Der Weg einer Heilung ist nicht klar vorgezeichnet. Er folgt keinen ausgetretenen Pfaden. Niemand kann Heilung in ein abstraktes Modell gießen und dann ins Museum stellen. Heilung ist wie Gesundwerden von Seele und Körper, aber keine Beschreibung kann Heilung allumfassend beschreiben. Jeder Mensch, jedes Tier hat die Fähigkeit zu spüren, was heil macht und was nicht. Und jedes Lebewesen kann immer in die Heilung gehen, solange es lebt. Ich habe Ihnen die Grundzüge gezeigt. Nun beginne ich mit dem Versuch einer detaillierten Dokumentation zu Nalas Weg mit Bildern und Texten. Ich lade Sie ein, Nala und mich auf diesem Weg zu begleiten.

Ich wünsche mir, dass meine Schriften für Sie eine Inspiration sind. Inspirationen sind es, die uns wie Gerüche verführen zu können in sinnliche Welten zu tauchen. Sinnlichkeit ist das Gegenstück zum Pragmatismus unserer schnellebigen faktenorientierten Welt in der nur quantitativ messbares zählt.

Obacht! Auch ich bin nur Mensch

Eine Einschränkung möchte ich vorab machen: Ich habe eine Familie und werde deshalb oftmals Texte nach der ersten Niederschrift veröffentlichen ohne weitere Prüfung der Grammatik oder Sprache. Es ist mir lieber so als meine Texte aufgrund erhöhten Perfektionismus-Anspruches niemandem zur Verfügung stellen zu können. Wenn ich einem Hund und einem Menschen mit diesen Aufzeichnungen helfe, dann hat sich die Mühe gelohnt. Und sollten es mehr sein, welch unfassbarer Segen! Jeder Hund verdient Heilung. Und jeder Mensch verdient einen gesunden, fröhlichen und sein Leben liebenden Hund. Und jeder Mensch braucht Mut, um mit seinem Hund diesen Weg zu beschreiten.