Gesundheit

Parasiten
Ambra und ihre Welpen werden einmal entwurmt zwischen der 3. und 5. Woche nach der Geburt. Die erste Entwurmung mache ich mit einer handelsüblichen Tablette, die gegen die üblichen Endoparasiten wirksam ist. Die zweite Entwurmung der Welpen nehme ich nicht mehr chemisch, sondern mit Kräutern vor. Die Welpen beginnen typischerweise mit sieben bis acht Wochen zusätzlich, bzw. Vollständig die Nahrung eigenständig aufzunehmen. Da nicht alles, was sie so früh zu sich bekommen, fest ist (wie bspw. Fleischstücke), mische ich sowohl den Welpen als auch Ambra Kräuter, bzw. Tinkturen in ihr Futter, die helfen das Milieu im Darm zu stabilisieren und das Umfeld unwirtlich machen für Parasiten.

Parasiten sind ein Thema, das heutzutage mit einem großen Unsicherheitsfaktor unser zivilisierten Welt behaftet ist. Ähnlich panisch wie unsere Gesellschaft mit dem Corona-Virus umgeht und auf die ffektivste Methode des Bevölkerungsschutzes, die angemessene Durchseuchung, bzw. Herstellung der sog. Herdenimmunität verzichtet (was bei klugem Vorgehen ohne oder mit nur sehr geringem Risiko für die Risikogruppen möglich wäre) reagieren wir heutzutage auf Parasiten. Ungünstig verstärkend zu dieser Entwicklung kommt hinzu, dass wir Menschen die Habitate zurückgezogen lebender Tierarten in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zerstören und so die natürlichen Wirte diverser Viren (die “kleinsten” Parasiten) und anderer größerer, mit dem Auge sichtbarer Parasiten zerstören.

Der “Infektionsdruck” steigt somit, da jedes Virus (jeder Parasit) darum bemüht ist, nicht nur auf Sparflamme zu überleben, sondern einen möglichst effektiven Verbreitungskreis zu erreichen. So kommt es dazu, dass Viren wie das Corona-Virus (Covid-19) anstatt auf ihrem bisherigen Wirt zurück gezogen in entlegenen Teilen der Welt leben nun unter Druck kommen. Nicht zufällig ist der Wirt in Wuhan vermutlich auf einem Wildtiermarkt auf den Menschen übergegangen. Dort wo Menschen wilde Tiere in Gefangenschaft nehmen und mit ihnen und ihren Exkrementen auf engem Raum agieren ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Viren, die bisher einen ganz anderen Wirt für sich genutzt haben sehr wahrscheinlich.

Auch Meerestiere (Delfine und andere größere Meerestiere/Säuger, die in der Nahrungskette an dritter oder vierter Stelle stehen) leiden unter dem erhöhten Infektionsdruck mit Endoparasiten. Und was nützt diese Erkenntnis uns? Wieso erwähne ich diese globalen Phänomene im Zusammenhang mit Welpen, die ich in meinem Garten großziehe und dann eine ausgewählte Zahl an Familien weiter vermittle? Ganz einfach – weil dieses Thema genauso relevant ist für die Gesundherhaltung wie die Frage danach wie unsere Gesellschaft mit dem aus China eingeschlepptem Covid-19 Erreger umgeht.

Wir können uns angesichts der Zerstörung, die “wir” der Welt angetan haben nicht mehr heimelig in unser wohlgeheiztes Zuhause zurück ziehen und hoffen, dass es schon nicht so schlimm werden wird. Diese Haltung wird nichts ändern an dem, was sich “da draußen” abspielt und uns über sogenannte Infektionsketten, einfach ausgedrückt Kontakt mit der Umwelt und mit anderen Personen oder Tieren erreicht. Wer das Thema Infektionsdruck verdrängt, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit früher oder später blindlings mit einem Erreger zu tun zu haben mit dem er (oder sein Hund) körperlich überfordert ist oder gegen den es unter Umständen noch keinen Impfstoff oder keine Chemikalie/Medikament gibt, mit dem der Virus/Parasit effektiv zurück gedrängt werden kann.

Es ist hilfreich sich bewusst zu machen, dass die Welt in die wir uns über jahrtausende hinein entwickelt haben (Evolution) eine Welt ist, die uns reich beschenkt mit Leben, Lebenskraft sowie einer Flora und Fauna mit der wir in Harmonie leben (können). Wäre da nicht der aggressive Wille des Menschen sich alles, was kreucht und fleucht Untertan zu machen, gäbe es von uns (Menschen) vielleicht nur 1/10 derer, die wir tatsächlich sind (aber die Reduktion unserer Spezies um dieHälfte wäre auch schon ein Meilenstein für die uns umgebende Welt) und wir könnten in der Symbiose mit dem leben, was uns umgibt wofür wir uns evolutorisch entwickelt haben.

Nun ist es, wie es ist – unzählige Habitate und Ökosysteme sind unwiderbringlich zerstört. Das ausbalancierte Gleichgewicht, das uns Menschen und Tieren eine Umwelt geschaffen hat, die lebenswert und reichhaltig war, wird fragil und teilweise unwirtlich bis gefährlich. Dürren im Frühjahr gehören nunmehr zum Alltag, hohe Parasitenlasten und mutierende Viren, die Menschen und Nutztiere als neue Wirte entdecken sind die neue Realität in der wir leben.

Mit der Chemiekeule darauf zu antworten (oder antworten zu wollen) löst das Problem nur bedingt, kann an manchen Stellen sogar zur Verschlechterung an anderer Stelle führen. Es gibt Tierärzte, die bis zum heutigen Tag die Entwurmung von Endoparasiten alle ein bis drei Monate mit Hilfe von Tabletten empfehlen. Diese Frequenz beruht auf dem Entwicklungszyklus der meisten Wirte und ist daher in einem gewissen Maße effektiv, wenn man sicher gehen will, dass die Wirte keine Eier oder Wirtsteile, die fortpflanzungsfähig sind, ausscheiden. Das ist die eine Seite dieser Medaille.

Die andere Seite ist, dass jede Tablette mit einer Vielzahl an chemisch synthetisierten Stoffen angereichert ist von denen sich ein gewisser Prozentsatz in der Leber, dem wichtigsten Entgiftungs- und Filterungsorgan unseres (und des Hundes) Körpers, absetzen. Es ist nicht so, dass die Leber uns vor Chemiekalien denen wir ausgesetzt einfach beschützt, sie wie ein Filter abfängt und dann problemlos mit Hilfe der Nieren über unseren Urin wieder ausleiten lässt. Ein Großteil dessen, was die Leber abfängt setzt sich in den verschiedenen Schichten der Leber ab und verbleibt dort. Sofern keine effektive Leberentgiftung stattfindet, verbleiben die Schadstoffe dort ein Leben lang und sind auch nach dem Tod noch in der Leber enthalten (weshalb der Verzehr von Lebern grundsätzlich gar keine gute Idee ist, egal ob roh oder erhitzt).

Einem jungen Hund/Welpen kann man problemlos Impfungen, Entwurmungen, minderwertiges Futter und andere Dinge injizieren, geben oder verfüttern ohne dass er (sofern er mit einer unbelasteten Leber geboren wurde) irgendwelche Symptome entwickelt. Je nach Grad der Vorbelastung durch seine Mutter (eine sehr belastetete mütterliche Leber gibt während der Zeit des gemeinsamen Blutkreislaufs einen Teil ihrer Schadstofflast an den Fötus ab, da die Leber in dieser Zeit in der eine andere neue noch unbelastete Leber sie unterstützt dankbar ist für die Entlastung und so die Gelegenheit nutzt, um Altlasten kontrolliert abzugeben und auf diese Weise die noch junge Leber auch Belastungen aufnimmt).

Die Leber tut alles, um uns zu schützen – egal ob Hundeleber, Menschen oder andere Leber. Aber was soll oder kann sie tun, wenn die Menge an Pestiziden aus unserer aufgenommen Nahrung, die über die Atemluft und Hautaufgenommenen Schadstoffe sowie Belastungen aus Reinigungsmitteln, Pharmaprodukten und beispielsweise Textilien oder Arbeitgeräten zu hoch wird? Ist ein Schwamm zu voll, fängt er an zu tropfen oder wenn man ihn drückt schwallartig seinen Inhalt wieder abzugeben.

Würde die Leber sich schwallartig ergießen könnte das zur Vergiftung unseres Systems führen, was die Leber auf keinen Fall riskieren will. Daher gibt eine Leber in Not in kleinen Stößen einen Teil ihrer toxischen Last ab, um weiterhin funktionsfähig zu bleiben für die täglichen Herausforderungen, die heute größer sind als jemals zuvor. Und so geschieht es, dass die Leber als der zentrale Ort zur Regulierung unserer Verdauung, Entgiftung und somit unserer Gesundheit häufig schon früh an ihre Grenzen kommt.

Mein Ziel als Züchterin ist es Hunde mit möglichst gesunden und unbelasteten Lebern in die Welt wachsen zu lassen und auf ihre Wege in andere Familien zu begleiten. Leider sieht man von dieser Bemühung bei der Abgabe rein gar nichts. Ein Hund mit mehrfacher Entwurmung, zwei Impfungen und minderwertiger Industrienahrung ernährt kann auf den ersten Blick genauso gesund wirken wie ein Hund, der nichts von all diesen Belastungen mitbekommen hat. Die Früchte dieses Bemühens ernten der Welpe und sein Halter in frühestens fünf, meistens erst zehn oder zwölf Jahren. Hunde, die ohne Lebenmittelunverträglichkeiten oder Allergien zu entwickeln nicht nur groß, sondern alt werden, haben das Potential lange, gesund und krebsfrei zu leben.

Insofern geht es beim Thema Entwurmung nicht nur “mal eben so” um die Frage nach einer Tablette mehr oder weniger, sondern um die Frage wie das System “Hund” als Ganzes gesund gehalten werden kann für die Dauer eines Hundelebens. Wer “vernünftig” entwurmt nach Ansicht der meisten Tierärzte tut dies indem er ungefähr alle drei Monate (manche empfehlen einen etwas häufigeren oder einen etwas längeren Takt) dem Hund die seinem Gewicht entsprechende Zahl an Entwurmungstabletten gibt.

Doch genau diesen Weg kann belastend, ggf. sogar gefährlich für die dauerhafte Gesunderhaltung des Hundes sein. Die dauerhafte und häufige Gabe von Entwurmungstabletten stellt für die Leber eine sehr hohe Belastung dar und sollte nicht unterschätzt werden. Dieser Faktor steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht die unbestrittene Effektivität von Entwurmungstabletten – sie wirken schnell und zuverlässig gegen fast alle bekannten Endoparasiten und können so den Hund vor chronischer Erkrankung durch Würmer ebenso wie seinen Halter und dessen Familienmitglieder schützen.

Ein maßvoller Umgang mit dieser “Wunderwaffe” mit belastender Wirkung ist daher der deutlich angemessenere Weg als die wiederholte präventive Gabe alle paar Monate gegen einen potenziellen Wurmbefall, der unter Umständen gar nicht da ist und so dem Körper (insbesondere der Leber) des Hunde so mehr Belastung als Nutzen zugemutet wird.

Nur weil es möglich ist einen Hund auf diese Weise wurmfrei zu halten ist es noch lange nicht gut, bzw. Verhältnismäßig unter Abwägung aller Faktoren auf die Entwurmungsstrategie mit Tablette alle paar Monate zurück zu greifen, bezogen auf die Lebensdauer eines Hundes.

Fleischfütterung von Anfang an
Ein maßvollerer Weg besteht darin den Hund darin zu unterstützen ein gesundes Milieu in Magen und Darm zu fördern, das durch starke Magensäfte eindringende Parasiten frühzeitig tötet und so deren Einnistung von vornherein verhindert. Hunde haben einen noch niedrigeren pH-Wert im Magen als der Mensch es hat, wenn sie von Geburt an artgerecht mit roher Nahrung (Fleisch und unter Umständen pflanzliche Bestandteile) gefüttert werden. Entgegen der Meinung mancher Tierärzte spricht nichts dagegen Hunde mit rohem Fleisch vom ersten Moment des Interesses an fester Nahrung an.

Im Gegenteil: Es fördert sogar das artgerechte Verhalten der Hunde. Welpen, denen rohes Fleisch in größeren Teilen angeboten wird, das also nicht industriell geschreddert oder gewolft worden ist, ringen um Fleischstücke, laufen damit weg, verstecken sich, verteidigen es und nehmen sich diese Stücke gegenseitig ab, um am Ende eine annähernd paritätische Verteilung des verteilten Fleisches untereinander zu erreichen. Es ist Unsinn zu glauben, dass ein solches Vorgehen die Aggressionsneigung der Hunde fördern würde. Das Gegenteil ist auch hier der Fall.

Welpen, die um Fleisch miteinander ringen und konkurrieren dürfen bekommen eine artangemessene Möglichkeit ihre Ressourcen im Umgang miteinander zu üben und zu verbessern. Jeder Welpe setzt die ihm angeborenen und während der Zeit des Säugens an der mütterlichen Brust erworbenen Strategien und Ressourcen in diesem neuen Wettbewerb um Ressourcen ein und bekommt unmittelbar ein Feedback über die Effektivität seiner Strategie. Parameter wie Beißbhemmung, angemessenen Einsatz der Waffe “Zähne” sind so selbstverständlich unter artangemessen aufgezogenen Hunden, dass es eigentlich keiner Erwähnung dieses Faktors bedürfte, wäre da nicht die Unsicherheit vieler Menschen zu diesem Thema.

Oder anders ausgedrückt: Nicht die Hunde haben ein Problem mit ihrem artangemessenem Verhalten, dem Einsatz ihrer Stimme in Form von Bellen und Knurren, ihres Körpers in Form von Schieben, Schubsen und Drängeln sowie dem angemessenen Drohverhalten durch Demonstration der Körpermasse und Beißwerkzeuge , die geeignet sind, sollten sie mit Verletzungsabsicht eingesetzt werden, schwere Schäden im Fleisch des Gegenübers zu machen. Wir Menschen sehen das allzu oft anders: Wir träumen von dem unterordnungswilligem Hund, der uns treu folgt und deshalb nie auf die Idee kommt irgendwem jemals drohend gegenüber zu treten (außer dem vom Menschen erwünschtem Einbrecher gegenüber) und sind schwer erschrocken, wenn der Hund, den wir uns vorher als altruistischen Pazifisten in Pastellfarben erträumt hatten plötzlich Drohverhalten zeigt.

Dabei darf er das und es gehört dazu, dass ein Hund Drohverhalten zeigt. Und wo sonst soll er üben wie er auf andere reagiert, wenn nicht in der behüteten Zeit im Verbund seiner Geschwister? Behavioristen auf der ganzen Welt zitieren seit einigen Jahren begeistert die Erkenntnisse des passionierten Beobachters von Tieren Jakob von Uexküll: Man kann ein Tier nur annähernd verstehen, wenn man es in seiner sogenannten “Umwelt” versteht. Das Wort “Umwelt” ist für uns deutsche Leser vollkommen selbstverständlich und kommt uns in keinster Weise vor wie ein Fachterminus, verwenden wir es doch in verschiedenen Kontexten beinahe täglich.