Pfui Hund, du stinkst!

Ich habe gerade meinem Coco seine Pfötchenhaare geschnitten. Ich kann Ihnen sagen, dass Sie lieber keinen Pudel einkreuzen sollten, wenn Sie ein stets sauberes Haus wollen. Coco und ich lagen harmonisch auf unseren lattefarbenen Fliesen. Meine Schwiegermutter sprang um uns herum, da mein Großer sie rumkommandierte und Schwiegervater saß vom Tag mit seinen Enkeln erschöpft im Ohrensessel, der natürlich eigentlich Coco gehört.

Und während dieser meditativen Ruhe, die Coco und ich gerade für eine halbe Stunde miteinander genossen haben, habe ich meine Gedanken schweifen lassen. Ich bin nicht weit gekommen, weil mich die Ruhe und der Frieden, den Coco und ich miteinander teilten erfüllt hat. Ich finde es unendlich wichtig, dass wir Menschen die körperliche und seelische Integrität unserer Hunde so wenig wie möglich berühren oder auch nur verletzen.

Das ist nicht immer möglich. Wenn wir unseren Hund zum Tierarzt bringen müssen, weil er eine Verletzung hat, dann wird unser Hund den vom Tierarzt durchgeführten EIngriff mit Sicherheit als eine heftige Überschreitung seiner individuellen Wohlfühldistanz empfinden. Und die extremen und gegebenfalls schmerzhaften Manipulationen als einen verletzenden und schlimmstenfalls sogar traumatisierenden Eingriff erleben. In dieses Beispiel kann sich vermutlich jeder, der schon einmal leidend im Krankenhaus, beim Zahnarzt oder einem anderen „übergriffigen“ Arzt war, reinfühlen.

Was sich viele nicht vorstellen können ist, dass die häufig notwendig erscheinende Körperpflege an Hunden einen ebenso heftigen Übergriff auf den Hund darstellen kann. Ein Hund, der von seinem bisher doch so zuverlässigem und freundlichem Halter gepackt, in ein Metallgefäß (Wanne) gesetzt, dann dort festgehalten und anschließend ohne Vorankündigung mit Wasser übergossen und dabei auch noch aufs Heftigste gerubbelt wird. Was soll der von seinem bisher so verlässlich wirkenden Partner auf zwei Beinen denken? Und mit dieser dramatischen Schilderung nimmt das Übel meistens erst seinen Anfang.

Dann nämlich kommen die Menschen mit widerlich stinkendem schaumigen Zeugs. Rubbeln noch mehr an einem herum. Dann schütten sie wieder Wasser über einem in rauhen Mengen aus. Dabei rubbeln sie dann wieder wie die Bekloppten. Anschließend, gerade dann, wenn das Hundi denkt es kann den Irren, die aus der Anstalt entflohen sind, sicher entkommen, kommt bloß der nächste Akt der grausamen Idiotie: Das Handtuch!

Die – wie bereits gesagt – bisher eigentlich ganz vernünftig wirkenden Zweibeiner entpuppen sich als vollkommen Bekloppte. Erst schleifen sie einen in so ein Metallding, dann machen sie nass, schaumig, nass. Und jetzt kommen sie mit einem Riesen-Stoffding und reiben noch mehr an einem rum (und manche noch beklopptere Exemplare auf zwei Beinen holen ein brüllendes Pusteding, dessen heißen Atem sie dann auf den vor Angst zitternden zwangsfixierten Hund richten).

Bin ich jetzt gegen Körperpflege des Hundes? Jein. Ich denke schon, dass wir Menschen die ethische Pflicht haben uns klar zu machen, dass ein Hund ein Hund und kein freiwillig in sauberen Wohnungen lebendes Wesen ist. Ein Hund liebt Dreck, Scheiße innen und außen, toten Fisch innen und außen und fühlt sich sehr wohl mit diversen Anhaftungen in seiner ihn vor Hitze und Kälte schützenden „Fellkutte“.

Ich finde es absolut unangemessen, was viele Menschen mit ihren Hunden treiben, wenn sie von einem Spaziergang nach Hause machen. Die Hunde im Übrigen auch, bloß fragt die keiner und es hört ihnen auch keiner zu, wenn sie in ihrer Sprache und ihrer Weise ihr Missfallen, ihre Angst und ihre Wut äußern über das, was sie erleben. Und bitte bedenken Sie: Wir alle erleben Hunde, die in bestimmten Situationen bellen, weil sie sich selbst nicht aushalten (die sog. Problemhunde).

Haben Sie schon einmal einen Hund erlebt, der seinen Mensch so wütend anbellt und auch nicht damit aufhört, wenn dieser ihn baden oder abrubbeln will? Ich nicht. Die Hunde erdulden still, zittern und lassen sich wie willenloses – sich selbst aufgegebenes Vieh- hin und herbugsieren. Wo glauben Sie kommt denn die Unfähigkeit vieler Hunde sich adäquat zu verhalten her? Wo kommen denn die chronischen Erkrankungen her, die viele Hunde anheimfallen? Fällt das alles nur vom Himmel oder kann es sein, dass auch die Art und Weise in der wir unseren Hunden körperliche und seelische Integrität gestatten etwas damit zu tun hat? Jeder, der in seinem Leben ein Trauma, bzw. einen schweren und demütigenden Übergriff erlebt hat weiß wie wichtig es ist so leben zu können, dass man sicher ist, dass einem das NIE WIEDER und ich meine NIE NIE WIEDER passiert.

Ein Hund aber muss in der Gewissheit leben, dass sein zuvor – wie gesagt recht rational wirkender Mensch – wieder mal vollkommen durchdreht und zum übergriffigen Hassmonster wird, das nur noch gemein, gemein und gemein ist. Und man weiß nie wann und wie. Aber eines weiß das Hundi irgendwann ganz gewiss: Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Typen am anderen Ende der Leine wieder Gaga sind und einen Fangen, Einsperren, Nassmachen, beschimpfen, Schaum machen, Nassmachen, Abrubbelterror veranstalten.

Ich will das für meine Hunde so nicht. Zum einen vermeide ich jedes unnötige Baden. Das ist ohnehin für Haut und Fell der Hunde nicht gut. Aber es gibt so Situationen, da führt auch wirklich kein Weg dran vorbei. Tatsächlich sind 99% aller Dreckschmoddereinsätze von Hunden gut lösbar mit ein wenig Einfallsreichtum. In den meisten Fällen reicht Zuwarten. In wenigen Fällen (Scheiße im Fell oben im Nacken/Rücken) macht es Sinn den Hund in einem Teich oder Fluss baden zu lassen. Er muss dann wirklich schwimmen. Mehr als einmal schon habe ich meine Nala „zufällig“ vom Steg geschubst (mit einer schnellen drängelnden Beinbewegung), wenn sie sich mal wieder in Entenkacka gewälzt hat.

Im Normalfall ist aber auch das schon bei Nala nicht notwendig. Ich lasse Nala einfach ein paar Enten anschauen, sie schwimmt motiviert hinterher und schon ist das Thema erledigt. Dumm nur, wenn der Hund toten Fisch in seinem Fell hat. Der Geruch von totem Fisch geht auch mit Schwimmen im See oder Fluss kein bißchen raus. Die Sommersaison steht bevor und es ist sehr wahrscheinlich, dass demnächst euer Hund irgendwo einen von Anglern liegen gelassenen Kadaver findet und sich darin wälzt, wälzt und noch mehr wälzt. Prima! Ihr werdet auf der Rückfahrt von Goldhamsterzuchten, zierfischhaltung und Chinchilla-Farmen träumen. Und ihr werdet den Tag verfluchen an dem ihr euch für einen Hund entschieden habt! Denn der Hund wird so verflucht im Auto müffeln, dass es gar keine Frage sein wird, ob er geduscht wird oder nicht.

Er wird dann geduscht. Er wird mit lauwarmen Wasser und Spüli im Fell gerubbelt (im Notfall auch gegen den Strich einmassiert) geduscht. Bitte kein Schampoo. Bitte keine Duftstoffe oder anderen Schietkram aus dem Chemielabor (Drogerie). Am besten simples Spüli von einem Ökohersteller (sonett o.ä.) – es ist dann ohne Enzyme oder anderen Krimskrams (ist auch für eure Haut besser).

So – nun schreibt die pfotenpartner-Tante man soll den Hund nicht quälen und dann tut man es doch? Wie löst man diesen Widerspruch auf? Naja. Zu 100% geht das nicht wirklich. Aber jeder Mensch kann sich bemühen die irgendwann (in diesem oder dem nächsten Sommer) kommende Qual so angenehm wie möglich zu gestalten. Für sich selbst und seinen Hund. Und das beginnt wie immer mit der Planung und Übung vorab.

Deshalb: Beginnen Sie jetzt mit dem Trainng des Duschens! Beginnen Sie so, dass Sie das Training nicht auf das Gelingen konzentrieren, sondern auf das Desensibilisieren? Bitte was, fragen Sie sich? Nun – es ist nicht so wichtig, dass Sie mit dem Training erreichen, dass Ihr Hund das alles gerne und freiwillig mitmacht. Es kann sein, dass er das – sobald er erlebt, was Duschen tatsächlich ist – nie gerne oder gar freiwillig machen wird. Sie können aber dafür sorgen, dass er mit der Dusche oder Wanne so viel Selbstwirksamkeit und positive Gefühle vorab assoziiert wie möglich.

Deshalb ist es gar nicht doof, wenn Sie ca. drei bis vier Wochen lang ab sofort ein winziges kleines Ritual in Ihren Alltag einbauen. Legen Sie Super-Leckerchen in die Dusche für Ihren Hund zur freien Verfügung! Wer eine für den Hund ohne Heben betretbare Dusche hat, legt einfach in die Duschwanne einen gefüllten Kong, einen tollen (wirklich vom Hund begehrten) Kaustreifen oder platziert ein paar Stückchen Fleischwurst in der Wanne.

Wer keine Dusche, sondern eine Wanne hat, in die man den Hund heben muss, muss ein paar Schritte vorher beginnen. Platzieren Sie die o.g. Leckerchen mitten im Raum. Gehen Sie dabei so vor, dass Sie am ersten Tag mit Ihrem Hund zusammen den prall gefüllten Kong (stellvertretend für alle anderen Superleckerchen im Weiteren) in das Badezimmer tragen. Dort legen Sie ihn kommentarlos auf den Boden und gehen weg. Wo Ihr Hund den Kong verspeist ist vollkommen egal. Er darf ihn gerne davon tragen. Das Ganze machen Sie 2 – 3x hintereinander. Wer eine Duschwanne hat, legt seinen Kong 3x in die Duschwanne und erlaubt seinem Hundi das Entschwinden.

Ab dem vierten Tag nehmen Sie eine Zeitung oder ein Buch mit. Wenn Sie ins Bad gehen udn Ihr Hudn mitgeht, machen Sie die Badezimmertür zu. Es ist der erste Schritt zur Einbindung von Freiheitsbeschränkung in diesem „Spiel“. Ansonsten tun Sie nichts. Legen Sie den Kong gerne in eine hintere Ecke der Dusche oder des Bades und lassen Sie den Hund in Ruhe seine Portion in sich hineinschlabbern. Lesen Sie dabei Ihre Zeitung oder Buch. Gehen Sie nicht weg. Es ist kein Alleinbleibetraining. Es geht auch um Ihre Anwesenheit / Nähe dabei.

Bei Hunden, die das toll und gerne machen ohne dabei verunsichert zu wirken durch die Zwangsfixierung in dem ihnen wenig bekannten Raum (Badezimmer), genügt es auch hier 2-3x das Spielchen so zu spielen. Bei Hunden, die unsicher sind sollte diese Übung 7-10 Tage lang täglich wiederholt werden. Es ist wichtig bei unsicheren Hunden sehr langsam vorzugehen. Denn der Übergriff wird am Ende ohnehin kommen. Aber sie brauchen eine tiefere Verfestigung der guten Gefühle. Ansonsten nimmt ihre Angst zu schnell überhand und sie werden an die positiven zu wenigen Erfahrungen keinen Zugang mehr haben.

Man kann sich das so vorstellen wie einen Anker der Seele. Oder vielleicht einen Leuchtturm. Wenn die Seele des Hundes in Not gerät, ist er für den Moment nicht weniger in Not. Er hat jedoch einen Orientierungspunkt an dem er sich ausrichten kann: Seine guten Erinnerungen. Und er hat einen Anker, der ihn hält: Seine guten Erinnerungen. Er geht dann nicht völlig verloren im Strudel seiner Angst und seiner schlimmen ihn überwältigenden Gefühle.

Er kann nach oder während des Übergriffes (Duschen) wieder in einen Zustand der inneren Ruhe und des Friedens zurückehren. Das an sich ist schon viel wert. Manchen Hunden, die keinen Leuchtturm und/oder Anker von ihren Menschen „geschenkt“ bekommen, gehen im Strudel ihrer Gefühle verloren. Das sind dann die (kleinen) Hunde, die immer wieder als Kläffköter auffallen oder die Hunde, deren Augen so tumb und ausdruckslos an jeder Bushaltestelle in diese scheintote Welt sinnlos hineinstarren. Irgendwo muss die Seele sich ja verlieren, um in diesen zustand der Apathie hineinzukommen.

Unsere jungen Hunde, die gerade einmal fünf Monate alt sind, sollten aber von diesem Zustand so weit entfernt sein, dass sie sich diesen Geisteszustand noch nicht einmal vorstellen können. Dennoch! Es genügt nicht, gute Vorsätze zu haben. Es ist als Eigentümer des Leibeigenen Hundes erforderlich, dass wir Menschen uns Gedanken dazu machen, wie wir unseren aufgezwungenen Wunsch nach einem erträglichen Zusammenleben mit dem Hund auch für ihn erträglich gestalten. Stellen Sie sich mal vor, Sie wären irgendwo zu Gast, trügen eine Creme auf, die sie gerne mögen und Ihr Gastgeber würde Sie kommentarlos in die Dusche schleifen, abduschen, einseifen, abduschen und abtrocknen. Und falls Sie nicht stillhalten, hält Sie ein zweiter fest. Würden Sie dort auch nur eine Nacht noch verbringen?

Daher zurück zum Thema! Wenn Ihr Hund von sich aus ab und an mal im Bad vorbeischaut, ob da nicht der tolle Stoff ist, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Wenn Ihr Hund willig ins Bad vorausläuft, wenn Sie mit dem Kong loslaufen, auch. Und wenn Ihr Hund den Kong ausschlabbert, danach liegen bleibt oder einfach mit Ihnen kuschelt und die geschlossene Tür völlig okay findet auch.

Denn jetzt kommt der nächste Schritt! Ab hier wird es komplex, daher werde ich die Ausführungen heute nicht mehr fertig stellen. Ab hier kann man nicht mehr jeden Hund über einen Kamm scheren. Und diese Differenzierung ist wichtig, damit das Training und die investierte Zeit überhaupt einen Sinn hat für den Hund und auch den Mensch.

Wer eine Dusche hat, legt den Kong so weit nach hinten wie möglich in die Dusche. Vielleicht können Sie den Kong auch oben auf der Armatur platzieren? Seien Sie einfallsreich und versuchen Sie Ihren Hund dazu zu bekommen in die Dusche mit möglichst allen vier Pfötchen zu gehen. Vielleicht können Sie den KOng auch in einem Körbchen an der Armatur auf Kopfhöhe hängen? Ihr Hund kann ja alleine rein und raus in die Dusche. Lassen Sie ihn. Alternativ kann jetzt auch das Einstreuen der Dusche mit ein paar Superleckerchen hilfreich sein.

Wer eine Wanne hat, legt den Kong in die Wanne oder auf den Rand der Wanne (so dass der Hund sich mühen muss daran zu kommen). Es geht nicht darum, dass der Hund alleine an den Kong herankomt. Das kann er nicht und das soll er auch nicht. Er soll sich bloß ein bißchen bemühen, ein bißchen mit der Wanne „beschäftigen“ mit dem Gefühl von Vorfreude.

Wenn Sie das Gefühl haben er hat sich nach 15 – 30 Sekunden genug bemüht und ist noch freudig aber nicht frustriert, geben Sie ihm den Kong oder rollen Sie ihn einfach ein bißchen in seine Richtung, bis er sich den selbst schnappt und davon zischt. Ab jetzt dürfen Sie ihn wieder aus dem Bad rauslassen und die gemeinsame Badsitzung ist vorbei.

Das gleiche gilt für den Duschkabinenhund. Es ist nicht Sinn und Zweck dieser ersten Schritte, dass der Hund gerne in der Duschwanne ist oder bleibt. Es ist nur bezweckt, dass er an das „Hineingehen“ gute Erinnerungen haben wird.

Bevor Sie jetzt stöhnend die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich fragen wie lange der Firlefanz denn noch gehen soll, bis Sie endlich duschen können mit ihrem Stinketier auf vier Pfoten? Wenn Not am Mann ist, tun Sie es natürlich einfach. Aber hoffen wir einfach mal, dass noch keine Not am Mann sein wird.

Die ersten Schritte sind immer die aufwendigsten. Ich sage im Training jedem, der es noch hören kann: „Im Anfang steckt das Ende.“ Es ist so. Im Anfang steckt das Ende. Wer sich die Karten gut legt, wird später eine Chance haben, gewinnen zu können. Ich ermuntere meine „Halter“ dazu ihren Hunden auf den ersten 10% des Weges 90% der Leckerchen in ihren Hund hineinzustopfen. Und wenn das nicht genügt, dann werden einfach die geplanten 100% während des Spaziergangs erweitert – oder auch nicht. Egal.

Wer sich die Karten nicht legt, wird nur auf das Glück und äußere Umstände angewiesen sein. Das kann manchmal gut gehen. Es geht aber auch oft in die Hose. Und dann mit Anlauf volle Granate.

Ich will, dass es Ihnen und Ihrem Hund macht, Freude zusammen zu leben. Ich will, dass Sie Ihren Junghund lieben! Und ich will, dass Sie mit ihm ein langes Hundeleben verbringen das von mehr glücklichen als unglücklichen Momenten getragen ist. Für Sie, Ihre Kinder, Ihren Hund, Ihre Nachbarn und natürlich die leidgeprüften Ehepartner, die den täglich vom „Viech“ hineingeschleppten Dreck (meist) still ertragen.