Doodlemania

Alle wollen den perfekten Hund: Einen Doodle! Aber warum sind Doodles besser als andere Hunde? Sind sie es wirklich? Vor 10 Jahren wollte jeder den Australian Shepherd aus dem Film Schweinchen Babe. In den 90er Jahren war es der Golden Retriever und davor der Labrador. Es gab noch eine Briard-/Westie- und Pudel-Phase in den Nachkriegszeiten, in denen der Hund anfing verlängerts Wohlstandssymbol des modernen Urbanisten zu werden.

Jeder will, dass sein Hund der beste ist. Und ähnlich wie Gucci, Prada & Co. ihre Sachen verkaufen, funktioniert auch die weltweit grassirende Doodle-Manie: Das ist chic, das ist begehrt, das will ich auch. Scheinbar zurechnungsfähige Menschen werden plötzlich frenetische Anhänger eines globalen Trend-Zyklusses. Die Folgen sind bei der Doodle-Manie ähnlich der einer Pandemie mit dem H1N1-Erreger: Verheerend und potenziell zukunftsberaubend für Golden Retriever, Labrador, Pudel & Co. Es tut Gucci, Prada & Co. nicht weh, dass ihre guten Ideen von H&M, Zara & Co. (leicht abgewandelt) kopiert werden und so am Ende alle irgendwie Ähnliches haben.

Licht & Schatten in Doodlemania

Doch es schadet den Doodles, es schadet den Züchtern, es schadet den Suchenden und es führt zu einer irren Verzerrung zwischen Nachfrage und Angebot gesunder Welpen – je nachdem ob das derzeit begehrte „Marktetikett“ (Doodle) darauf steht oder nicht. Mich erreicht eine unfassbar große Zahl an traurigen Geschichten über Doodles, Doodle-Suchende und Züchter-Geschichten. Ich habe in den letzten Monaten im Zuge der Vermittlung meiner Doodles einen großen und tiefen Geschichtenschatz erworben, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

Zu vielen Themen schweige ich und hoffe, dass sich deren Brisanz von selber legt. Manchmal ist das eine berechtigte Hoffnung. Die Hilflosigkeit vieler, die einmal auf dem Doodle-Zug waren oder einfach nur einen gesunden Hund wollen, aber nicht wissen wie sie ihn finden mahct mich sehr betroffen und hat mich dazu verleitet Position in diesem Thema zu beziehen.

Da ich Position beziehe und viel von meinem Erfahrungs- und Fachwissen einbringe, ein paar Stichworte zu mir: Ich bin erfahrene Züchterin, Hundetrainerin und hatte einige Jahre eine Huta geleitet. Ich habe Heilpraxis gelernt und sowohl für Menschen als auch Hunde einige Jahre praktiziert. Und ich dachte ich hätte in diesen Jahren hinreichend viel Elend gesehen, so dass mich nichts mehr schockt.

Doch ich lag falsch. Ich habe unterschätzt, dass Elend und Traurigkeit immer ihren Weg finden werden in die von Menschen gemachte Welt. Solange wir Fetischen hinterher rennen, falschen Versprechungen glauben und nicht unser angeborenes Lebenswissen ins Zentrum stellen, werden wir irren. Besonders schwierig wird es bei der Doodle-Manie, dass Intuition im Zweifelsfall nicht genügt. Denn ein Hund, der hypoallergen ist – wer möchte den nicht, wenn er einen Asthmatiker hat.

Es braucht also auch Fachwissen über Hunde, um einen guten Züchter zu finden. Einen, der einen Hund vermitteln kann auf den man selbst oder die Kinder nicht allergisch reagieren werden. Einen Züchter, der Hunde mit gesunden Gelenken, voll intakten Nieren ohne Erbschäden und strahlenden Seelen und leuchtenden Augen vermittelt. Wo gibt es die und wie findet man solche auf doodlemanischen Wegen und abseits eingetretener Pfade?

Ich kann nicht viel tun, aber vielleicht ein wenig. Vielleicht helfen Ihnen die Zeilen, die ich hier in Kürze veröffentlicht habe auf Ihrer Suche nach Ihrem Hund weiter. Wenn es gelingt auch nur eine Geschichte des Glücks mit meinen Worten zu inspirieren habe ich schon alles erreicht, was ich mir wünsche. Ich wünsche mir für jeden Mensch und jeden Hund, dass sie zusammen durch Stock und Stein gehen werden – 10, 12 oder gar 15 Jahre in voller Gesundheit. Ich wünsche mir, dass Hunde Hunde sein dürfen. Ich wünsche mir, dass Hunde buddeln, jagen, Fleisch fressen und dreckig sein dürfen. Ich wünsche mir, dass Menschen ihre Zeit und ihr Geld nicht beim Tierarzt lassen, sondern mit ihrem Hund zusammen das Leben gestalten, es packen und genießen in vollen Zügen.

Das Wesen der Träume

Das geht aber nicht für alle auf den eingetretenen Pfaden der Doodle-Manie. Für manch einen braucht es eine Umkehr aus der Sackgasse Doodlemania. Es braucht Eine Abkehr von der Suche nach dem scheinbar perfekten Hund. Egal, ob dieser Schein, der Traum vom perfekten Hund in einem Doodle, Rassehund oder einer Gehorsams-Maschine verborgen sein soll. Obacht! Träume haben nur allzu oft das Potenzial uns in ein Land des Elends zu führen, das Amos Oz bewegend in seinen Versen beschrieb:

„Es gibt nur einen Weg einen verheißungsvollen Traum
in seiner Gänze zu bewahren, nicht enttäuscht zu werden.
Man darf niemals versuchen ihn zu verwirklichen.
Ein verwirklichter Traum ist ein enttäuschender Traum.
Die Enttäuschung liegt im Wesen der Träume.“

Die Suche nach dem scheinbar perfekten Doodle in Zeiten der Doodle-Manie birgt die Gefahr der Traumjägerei mit am Ende enttäuschender Verwirklichungsoption.

Die immer wiederkehrende Erklärung einer bestimmten Art Hund zum Fetisch der Zeit hat mich seit meiner Kindheit vereinnahmt. Ich bin aufgewachsen in der Zeit als jeder einen Labrador oder Golden Retriever gesucht hat. Und ich habe bei vielen erlebt zu welch kranken „Findlingen“ bei Rassezüchtern die 90er-Retriever-Manie geführt hat. Ich wünsche mir ein Ende dieser modischen Wellen im Hundebereich! Ich wünsche mir auch ein Ende der Importiererei mafiös zusammen gerotterter Südeuropa-Hunde, aber das ist die andere Seite der glanzvollen Doodle-Manie. Weil mich dieses Thema so sehr bewegt arbeite ich an einem Buch unter dem Titel „Doodlemania“. Ich freue mich über Geschichten, Anteilnahme und Offenheit von Menschen, die ihre Erlebnisse mit Doodlen – schöne, traurige, traumatisierende oder berührende teilen wollen.

Ich begegne jedem Mensch, jeder Geschichte mit Respekt und Aufrichtigkeit. Niemand wird von mir bloß gestellt oder benutzt. Zumindest bin ich darum bemüht.

Für alle, die derzeit auf der Suche sind und in dem Hamsterrad der Doodle-Manie stecken bemühe ich mich auf dieser Seite ein paar kurze präzise Ideen dazu zu geben, wie Sie sich vor unseriösen Doodle-Züchtern und deren Versprechen versuchen können zu schützen.

Es gibt seriöse und gute Züchter von Doodles. Diese sind in der deutlichen Minderheit. Deshalb Augen auf beim Doodlekauf!

Die Doodle-Manie verzerrt den Markt und öffnet Scharlatanen Tür und Tor

Die Doodle-Manie ist für Züchter ein unfassbar irres Geschäft. Ein Züchter kann ohne Weiteres 1.500 EUR für einen achtwöchigen Welpen verlangen (es sind oft bis zu 2TEUR) ohne dass er dafür „Qualität“ verbürgen muss. Wenn der Züchter eine HD/ED-Röntgenaufnahme vorlegen kann in der beide Elterntiere offenkundig nicht krank zu sein scheinen (oder Prädisposition zu HD/ED), kann er eigentlich schon die Yacht ordern und den Malediven-Urlaub all inclusive. Es reicht ein Dreizeiler bei ebay, ein niedliches Welpenfoto und er kann achtwöchige Welpen in der Zahl wie seine Mutterhündin sie ihm vor die Beine wirft schamlos „verkaufen“ an jeden urbanen Modeverfolger, der auf dem Doodlezug mitfährt.

Und warum ist das möglich? Ein Mythos steckt hinter dieser ungleichen Machtverteilung.

Doodles sind die überlegenen Hunde!

– Doodles sind hypoallergen
– Doodles haben ein überragend gutes Eigenschaften-Set
– Doodles sind die besseren Hunde

Oder etwa nicht? Ich will, weil es so wichtig ist, einem der wichtigsten Gründe „pro Doodle“ knapp und faktenbasiert begegnen.

Doodles sind nicht hypoallergen

Doodles sind nicht hypoallergen. Punkt. Ich wiederhole es gerne: Doodles sind NICHT hypoallergen. Diese Erkenntnis kommt nicht von mir. Ich habe das Märchen auch einmal geglaubt, bis ich das Glück hatte mit einer reflektierten Trainerin über dieses Thema sprechen zu dürfen. Forscher haben diesen Irrglauben valide widerlegt in einer Studie. Lesen Hier eine Quelle des Internets, die auf Primärstudien verweist:

Doodles sind nicht hypoallergen

Hinter dem Run auf Doodles liegt also ein Irrglaube, der sich viral in der Welt verbreitet und festgesetzt hat. Wie so viele Märchen im Hundebereich es tun.

Zwei Wegweiser für Verlorene im Land der Doodlemanen

Und nun? Zwei Dinge kann ich Ihnen in der Kürze dieser Internetseite als Wegweiser mitgeben. Ich kann Ihnen einen winzigen Fragen- und Prüfkatalog aufzeigen, der Ihnen ein Gefühl für einen guten oder schlechten Züchter geben kann. Meine Fragen entsprechen nicht der Norm. Sie zielen darauf ab „weiche“ nicht messbare Qualitätsparameter sichtbar zu machen. Ähnlich wie manch überzogener Wissenschaftsglaube ist nämlich der Glaube der Quantifizierung derQuailtät eines Welpen gefährlich.

Züchter verstecken sich hinter Zertifikaten, Papieren und Vertragswirrwarr.  So suggerieren sie Qualität und Verantwortungsbewusstsein. Meine Fragen zielen darauf ab hinter diese Kulisse zu blicken und die Menschen, die sich entschieden haben Welpen in diese Welt kommen zu lassen, in ihren Motiven zu verstehen.

Und ich kann Ihnen Wege aufzeigen heraus der Doodlemanie-Falle. Falls Sie das interessiert gehen Sie direkt bis zum Ende der Seite, der Fragenkatalog ist ein bißchen üppig erklärt.

Fragenkatalog an Züchter

Mögliche Einstiegs-Fragen (Icebreaker / Tuchfühlungsfragen):

– „Warum haben Sie sich entschieden zu züchten?“
– „Was mögen Sie an Ihrer Hündin am liebsten?“ (also der Mutter-Hündin der Welpen)
– „Was war der schlimmste Schabernack, den Ihre Hündin getrieben hat, als sie ein Welpe war?“
– „Was ist Ihre Lieblingseigenschaft an Doodles (bzw. dieser Hunderasse / Verpaarung)?“

Diese Fragen dienen dafür Ihr Bauchgefühl für den Menschen, dem Sie hier begegnen zu stärken. Die erste Frage ist ziemlich frontal. Sie trifft die Erwartungen der Züchter „schwierige“ Fragen gestellt zu bekommen. Die nächsten zwei Fragen überraschen den Züchter meistens und die letzte Frage ist wieder im Rahmen des Erwartbaren für einen Züchter.

Sie sollten nicht aufschreiben, was der Züchter auf diese Fragen als Antwort gibt. Hören Sie auf Ihren Bauch. Klingt das ehrlich, rund und konsistent? Es gibt auf diese Fragen kein vorgegebenes Antwortspektrum. Dieselbe Antwort kann ein Grund für oder gegen den Züchter sein. Wichtig ist der Gesamteindruck, den Sie bei diesen Fragen über den Züchter bekommen.

Wirkt er glaubwürdig? Würden Sie ihm Ihr Kind anvertrauen? Glauben Sie, dass dieser Mensch Ihnen die Wahrheit erzählt? Oder haben Sie das Gefühl, dass er Ihnen etwas vorspielt, was er nicht ist?

Obacht! Nicht Fleiß, Urkunden und kluges Reden des Züchters sollte entscheiden, sondern Authentizität!

Die naivsten Züchter, die ohne Rassestandard, Ahnentafel, Tierarzt-Test und Pipapo ihre Hündin Mutter werden lassen, haben statistisch gesehen eine höhere Chance gesunde Welpen groß zu ziehen. Wenn diese Züchter eine Hündin und einen Rüden außerhalb der Rassestandards überzüchterer Rassen verwenden ist das ein sehr großes Plus für den Züchter. Wenn der Züchter seinen Hund dann noch liebevoll und achtsam behandelt, ist die Hälfte der Miete drin. Wenn überdies der Züchter seinen Hund vollwertig, roh und gesund ernährt sind 90% der Miete drin. Und wenn dann obendrauf noch die Welpen ohne menschliche Manipulation geboren und aufgezogen wurden: Bingo! Sie haben eine verdammt hohe Wahrscheinlichkeit auf einen sehr, sehr gesunden Welpen. Doch genau das ist einfach verdammt selten.

Wenn ich mir heute einen Welpen in mein Haus holen wöllte würde ich in zwei Bereichen suchen: In alten Linien, die möglichst noch nie populär waren. Egal welcher Rasse, wenn sie halbwegs meinen Ansprüchen entspricht. Oder ich würde nach Bauernhof-„Unfällen“ suchen. Aber auf gar keinen Fall modische Rassen.


Mögliche „Grill“-Fragen:
(Hier geht es um die Wurst)

– „Wie oft haben Sie die Welpen seit der Geburt gewogen?“
– „Wie oft haben Sie die Welpen angefasst und hochgehoben seit der Geburt?“
– „Wie wichtig finden Sie die Entwurmung der Welpen?“
– „Ab wann füttern Sie die Welpen wie zu?“
– „Was tue ich, wenn mein Welpe positiv auf HD gestetet werden wird?“

Diese Fragen sind dazu gedacht den Züchter ins Schwitzen zu bringen. Sie sollten diese Fragen nach einigen Minuten Wartezeit oder Small-Talk erst stellen. Solche Fragen bringen nur dann wirklich Licht ins Dunkel, wenn eine gute Gesprächsatmosphäre herrscht. Auf diese Fragen kann es klug sein die Antworten in Stichpunkten zu notieren. Alle Fragen haben das Potenzial Gesprächseröffner zu sein. Wenn eine Antwort des Nachhakens wert ist, fragen Sie nach für ein besseres Verständnis.

Auf die fünf oben exemplarisch ausgewählten „Grill-„Fragen kann ebenfalls so ziemlich alles an Antworten kommen, was ein kluger oder auch tumber Geist von sich geben kann. Auf die vier ersten Fragen gibt es ein normatives Spektrum für „richtige“ Antworten. Allerdings ist das, was „gut“ ist für einen Welpen nicht generalisierbar, sondern individuell abhängig vom Wertesystem.

Ich gebe Ihnen einen kurzen Einblick in meine Antworten. Ich wiege gar nicht. Ich fasse die Welpen vielleicht ein Dutzendmal an innerhalb von zwei bis drei Wochen. Ich hebe sie gar nicht hoch, es sei denn es ist unumgänglich. Entwurmung finde ich bei Welpen wichtig. Allerdings nicht oft und nicht zu früh. Ich entwurme erst mit sechs oder sieben Wochen und anschließend einmal mit 10 Wochen. Weitere Entwurmungen finde ich nicht pauschal erforderlich, bespreche das aber mit jeder Familie. Ich füttere im Normalfall nicht zu. Ich biete ab der vierten Woche Brei und ab der sechsten Woche rohes Fleisch an. und auf die letzte Frage antworte ich: „Ich weiß nicht, was Sie dann tun. Aber ich weiß, was ich dann tue: Ich nehme Sie ganz fest in den Arm. Ich bin für Sie da. Und für Ihren Hund. Und dann schauen wir gemeinsam, was diese Diagnose für Sie und Ihren Hund heißt. In Ruhe.“

Die letzte Frage ist eine sehr, sehr knifflige Frage. Sie fragt auf vielen Ebenen und überrumpelt den Züchter. Die Frage ist an einem psychologischen wichtigen Punkt positioniert. Im Anschluss an eine Quadriga von vier Standardfragen an Züchter kommt da plötzlich eine „Jack-in-the-box“-Frage aus der Kiste gesprungen. Und lachend schaut sie uns ins Gesicht. Ein Züchter, der etwas zu verbergen hat (oder glaubt zu verbergen zu haben) wird auf diese Frage wütend bis ablehnend reagieren. Er wird Ihnen unterstellen, dass Sie ihm damit etwas unterstellen wollen.

Ein Züchter, der von HD noch nie etwas gehört hat, wird überfordert und unsicher sein, was er jetzt tun soll. Ein integerer Mensch wird Sie ohne Scheu fragen, was denn bitte HD ist. Ein Verkäufer, der sich nicht um seine Welpen schert, wird Ihre Frage achtlos wegwischen und übertünchen. Es gibt auf diese Frage keine richtige Antwort.

Ich habe mich während meines Studiums intensiv mit wissenschaftlichem Design von Fragebögen beschäftigt. Und ich kann Ihnen aus der Erfahrung heraus sagen, dass Sie mit dieser Fragenkonstellation sehr viel herausfinden können. Die ersten vier Fragen wiegen den Züchter auf sicherem Gebiet und dann kommen Sie mit einer List und locken ihn doch aus der Reserve. Drucken Sie sich diese Fragen gerne aus oder schreiben Sie handschriftlich auf einen Zettel. Sie können im Zweifelsfall die Spreu vom Weizen für Sie heraustrennen.

Mögliche Abschluss-Fragen:
– „Wenn mir ein Welpe aus Ihrem Wurf gefällt. Wie geht es dann weiter?“
– „Ich habe einen Hundetrainer, der mich berät. Darf er Sie anrufen und ein paar Fragen stellen?“
– „Wann hat Ihre Hündin wieder Welpen, falls wir doch noch nicht so weit sind und noch ein wenig warten wollen?“

Die erste Frage ist eine Türkenbasar-Verhandlungstaktik. Ich weiß, dass wir hier von Lebewesen, Welpen, sprechen. Aber Sie können ja nicht zu den Welpen gehen und die einfach fragen, ob einer von den Zwergen mit Ihnen nach Hause kommt. Auch die Hundemutter hat zu dem Thema nicht wirklich etwas zu sagen. Sie müssen mit deren Eigentümer zu einer Einigung kommen wie auf einem guten alten Kamelbasar. Und deshalb brauchen Sie Türkenbasar-Verhandlungstaktiken, um den Züchter ein bißchen aus seiner Routine zu holen und hinter die Kulissen zu schauen.

Fragen Sie bitte möglichst so, wie ich es hier vorschlage. Legen Sie sich nicht auf einen Welpen fest. Fragen Sie allgemein. Sie machen mit der Frage nach EINEM Welpen eine gewisse Distanziertheit deutlich. Denn Sie fragen nicht nach einem bestimmten, sondern nach irgendeinem Welpen. Sie dürfen das anders empfinden. Aber fragen Sie es bitte so.

Die zweite Frage finde ich unendlich wichtig. Ich freue mich immer sehr, wenn jemand einen Berater hat. Das ist nur sehr selten der Fall. Jeder Berater ist willkommen mitzukommen, mich anzurufen und mich so viel zu löchern wie er nur will und meine Zeit es zulässt. Aber eines erlaube ich nicht: Erziehungspalaver des Trainers bei meinen Welpen. Ein Hundetrainer ist mir als Berater für seinen Kunden willkommen. Er darf beobachten, mich fragen und mich auch „grillen“ wie ich selber empfehle kritisch zu sein. Aber er darf nicht anfangen an meinen Welpen in meinem Haus Hundetrainer spielen zu wollen. Ich wünsche mir von einem beratenden Hundetrainer, das er nur Berater ist. Und nicht mehr.

Deshalb ist es mir lieber, er kommt nicht mit zu einem Termin. Hundetrainer neigen dazu (wie ich übrigens auch) sehr dominant sein zu wollen. Ich habe mühevoll über die Jahre gelernt, dass es ja gar nicht um mich geht und nehme mich im tatsächlichen Leben sehr stark zurück. Beim Schreiben lasse ich meiner Liebe zu Hunden und meinen Ansichten noch freien Lauf. Ansonsten schweige ich lieber und genieße das Leben im Stillen.

Es ist eine immanente Gefahr, dass ein Hundetrainer beim Mitgehen als Berater eine Ego-Show abziehen will. Deshalb reagieren manche Züchter reserviert auf die Frage, ob ein Hundetrainer mitkommen darf (ich im Übrigen auch, ich erkläre dann meine Regeln sehr deutlich). Ein Telefonat ist mir immer recht. Das ist auch effizienter. Ein Hundeprofi, der sich mit einem Hundeprofi unterhält kann in wenigen Sätzen klären, ob das Gegenüber integer ist und etwas vom Fach versteht oder nicht.

Die letzte Frage in diesem Block dient dazu den potenziellen Ausstieg freundlich vorzubereiten. Legen Sie sich nicht selbst eine Schlinge um den Hals, bemühen Sie sich jedoch um einen freundlichen Abschluss. Verschaffen Sie sich Raum ohne sich um Chancen zu bringen. Es kommt so gut wie nie vor, dass Absagen bei einem Termin erfolgen. Auch bei mir ist es so, dass mir Absagen typischerweise immer per Mail tags darauf zugehen oder ich mich dann schriftlich im Nachgang darum bemühe deutlich zu machen, wo ich noch Probleme sehe. Beenden Sie das gespräch, bzw. fahren Sie nach Hause und lassen Sie alles, was Sie erlebt haben in Ruhe auf sich wirken. Schauen Sie mit Ihrem Partner zusammen noch einmal auf die notierten Antworten. Und sehen Sie dann in Ruhe weiter.

Bei mir ist es so, dass ich so gut wie nie Absagen erteile. Mein Wertesystem, meine hohen Anforderungen und meine hartnäckige und durchsehende Art wird von manchen geschätzt und von vielen gefürchtet. Entweder bekomme ich eine Absage, weil mein intensiver und fordernder Vermittlungsprozess als abschreckend und kontrollierend erlebt wird oder der Hund, bzw. die Welpen werden als ungenügend wahrgenommen werden. Beides ist für mich in Ordnung. Ich erwarte nicht, dass alle meine Hunde toll finden. Mir genügt es, dass ich sie liebe. Und ich vertraue darauf, dass ich Menschen finde, die sie genauso lieben können wie ich. Und wenn es mehr Zeit braucht, dann braucht es mehr Zeit. Ich war über 30 als ich meinen Partner fürs Leben gefunden habe. Ich war keine minderwertige Frau, weil ich gesucht habe bis ich mitte 30 gewesen bin. Meine Welpen müssen auch nicht mit dem Ersten, der da ist, mitgehen.

Die „Qualität“ der Mutterhündin beurteilen. Jetzt ist Ihre Intuition dran.

Mit Hilfe meines Fragenkatalogs haben Sie genügend Möglichkeiten ein Gefühl für einen Züchter zu kriegen. Aber der Züchter ist bestenfalls die Hälfte der relevanten Faktoren hin zu einem gesunden Welpen, wenn nicht weniger. Je nach Perspektive kann man sagen, der Züchter ist egal oder der Züchter ist alles. Ich will es so sagen: Sie können noch auf andere Parameter schauen, um Ihre Chance auf einen gesunden Welpen zu erhöhen als auf ein Gespräch mit dem Züchter.

Die Mutterhündin „beurteilen“

Bitten Sie darum die Mutter außerhalb der Intearktion mit ihren Welpen erleben zu dürfen. Es ist Ihr Recht darum zu bitten, dass die Mutter inen Spaziergang mit Ihnen und dem Halter / Züchter macht. Sie brauchen sich für eine solche Frage kein bißchen zu schämen. Sie wollen die Mutter als Persönlichkeit kennen lernen. Wie tickt die Mutter? Ist sie so, wie Sie sich das vorgestellt haben? Wirkt sie gesund? Wirkt ihr Gangbild gesund? Läuft die Hündin „rund“ oder haben Sie das Gefühl, dass sie eiert oder steif läuft wie ein Brett? Fassen Sie das Fell der Hündin an. Stinkt es? Wie fasst es sich an? Schuppt es oder fühlt es sich fettig an?

Wenn ja, würde ich sehr vorsichtig werden mit einem Welpen von diesem Züchter. Hündinnen mit auffällig schlecht riechendem Fell haben Probleme mit der Verdauung und Gesunderhaltung. Der Vater gab nur das Sperma, doch die Mutter gab zusätzlich zu ihren Genen zwei Monate lang ihren Blutkreislauf und zwei Monate lang ihre Milch an die Welpen. Auf diese Weise kann sie Vorschädigungen der Nieren an die Welpen weiterreichen und anderer innerer Organe. Es lohnt sich hier auf sein „Bauchgefühl“ zu hören. Abprüfbar mit Tests ist das in diesem Alter so gut wie gar nicht. Schäden an inneren Organen sind meist erst später messbar.

Die Interaktion zwischen Halter und Hündin ist darüber hinaus ein sehr wichtiger Parameter für die seelische Gesundheit Ihrer Welpen. Es geht nicht darum, dass die Mutter irgendeinen Gehorsamsparcours absolviert. Das Gegenteil davon ist wichtiger! Ein Halter, der ständig Druck auf seine Hündin ausübt und die Hündin sichtbaren Stress in der Interaktion mit ihrem Halter hat, wird diesen Stress auf ihre Welpen weitergeben. Das kann im Folgenden zu Problemen mit Ihrem Hund führen. Hören Sie hier auf Ihr Bauchgefühl. An dieser Stelle ist Fachsimpelei keinen Cent wert. Es sollte sich einfach gut anfühlen mit der Hündin und ihrem Halter spazieren zu gehen.

Der Vater ist weniger wichtig, aber nicht völlig egal

Bitten Sie darum den Vater kennen lernen zu dürfen. Bei meinen Welpen ist das immer so eine Sache. Der Papa meiner Welpen kommt meistens von weiter weg. Meine Welpenhalter müssen mir also vertrauen oder sie müssen weit fahren, um den Vater kennen lernen zu dürfen. Aber auch hier kann ein kleines Telefonat mit dem Halter des Vaters Welten bewirken.

Ein kleines Telefonat, dieses Mal ohne Fragenkatalog, kann Ihnen ein Gefühl für den Halter des Vaters vermitteln. Denn beim Vater sollten Sie eine wichtige Sache abprüfen: Tragen Sie nicht bei zum genetischen Flaschenhals! EIn Rüde sollte nicht mehr als zwei, drei – maximal vier Würfe decken. Der Einsatz eines Rüden für Dutzende Würfe führt in zwei bis drei Generationen zu Inzucht-Merkmalen, da sich dann Enkeln mit Enkeln verpaaren werden.

Sprechen Sie den Halter des Vaters offen auf dieses Thema an. Fragen Sie wie oft der Vater deckt und warum der Rüde ausgerechnet diese Hündin gedeckt hat. Das sollte schon genügen, um sich ein Bild vom Halter des Vaters zu machen. Die direkte Frage nach der Gesundheit des Vaters ist selten zielführend. Der Halter wird sich immer brüsten mit seiner Überzeugung oder Zertifikaten. Das bringt Sie keiner Erkenntnis weiter.

Der zweite Wegweiser: Menschenkenntnis ist mehr wert als Fachsimpelei

Es ist so: Wenn die Züchter / Halter beider Elterntiere verlässslich, vertrauensvoll und integer wirken haben Sie eine sehr hohe Wahrscheinlickeit auf einen gesunden Hund. Es wird so viel getrickst, geschummelt und betrogen. Und gerade die Doodles sind ein irres Geschäft! Das gilt aber auch für andere Modehundrassen.

Ein Züchter, der sein Handwerk versteht und respektvoll mit seiner Verantwortung umgeht, wird immer reflektiert und bescheiden über das sprechen, was er tut. Er wird Ihne nicht das Blaue vom Himmel versprechen. Wie auch. Alle, die schon einmal Eltern geworden sind kennen das bange Gefühl bis zur Geburt: Ist das, was da heranwächst, wirklich gesund? Wir sind darauf angewiesen „der Natur“ zu vertrauen. Das gilt auch und besonders für Züchter, die sorgfältig und klug vorgehen.

Lassen Sie sich nicht einwickeln. Folgen Sie keiner Mode. Doodles sind nicht besser als jede andere Mischung, deren Eltern Ihnen gefallen. Gehen Sie lieber mit offenen Augen im Park spazieren und sprechen Sie Halter von Hunden an, die Ihnen gefallen. Erweitern Sie Ihren Horizont und lassen Sie zu, dass ein Hund Sie überrascht. Und vielleicht finden Sie Ihren Traumhund außerhalb der eingetretenen Wege. Vielleicht ist es auch ein Doodle oder ein Rassehund. Alles das ist in Ordnung. Doch bitte – tragen Sie nicht zu Scharlatanerie und Massenvermehrung bei. Das sind Sie Ihrem Welpen und sich schuldig.

Doodles sind nur eine Mode-Erscheinung. Nicht mehr. Wenn Sie einmal die Deprivationsbrille mit Tunnelblick auf den Doodle abgelegt haben, werden Sie entdecken: Hoppla! Da draußen ist ein ganzes Universum an aufregenden Hunden, deren einzigartige Wesen mein Leben bereichern könnten. Ich wünsche Ihnen spanennde Geschichten auf Ihrem Weg und Ihrer Suche!

Ein letztes Plädoyer habe ich noch:

Keine Welpen aus Flaschenaufzuchten

Kommen Sie jetzt bitte nicht mit der alten Gretchen-Frage „Und was macht ein Halter, wenn er seine Welpen mit der Flasche aufziehen sollte?“ Das ist nicht Ihr Problem! Spielen Sie sich nicht zum Hunderetter auf, wenn Sie doch eigentlich einen gesunden und wesensfesten Hund wollen. Flaschenaufzucht-Hunden fehlt so unendlich viel, dass die Wahrscheinlichkeit, dass diese Hunde chronisch krank und verhaltensauffällig werden überdurchschnittlich hoch ist.

Finger weg! Es gibt Tierschutz in Deutschland. Anstatt ständig Importhunde aus Ungarn oder Südeuropa zu „retten“ (sprich überwiegend mafiöse Kanäle mit deutschem Schwarzgeld zu nähren), solte der Tierschutz sich dort engagieren, wo er gebraucht wird. Züchter, die das große Unglück haben mit der Flasch aufziehen zu müssen brauchen so viel Hilfe, dass hier der Tierschutz wirklich etwas leisten könnte und sollte. Und Menschen, die etwas gutes tun wollen, könnten solche Welpen aufnehmen. Welpen aus Flaschenaufzuchten sollten eigentlich niemals über den „normalen“ Markt angeboten werden. Es sind nur sehr selten gesunde Welpen und sie haben kaum die Chance gesunde erwachsene Hunde zu werden.

Es sprengt auch hier den Rahmen einer kleinen Internetseite dieses Thema ausführlich zu erörtern. Ich kann es an dieser Stelle nur als großen Warnhinweis mitgeben. Welpen brauchen den engen Kontakt zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern beim Säugen. Das ist so unendlich wichtig für Körper und Welpenseele.

Und nun alles Gute!

Sie haben ein kleines aber robustes Werkzeug-Set von mir mitbekommen. Nutzen Sie es weise bei Ihrer Züchterwahl. Ich wünsche Ihnen Segen, Klugheit und Gesundheit für Ihren Welpen. Lassen Sie sich Zeit bei der Suche und reden Sie so viel über die Adoption eines Welpen wie Sie können, um nicht in Fallen zu tappen oder Schwindlern auf den Leim zu gehen. Passen Sie auf sich selbst auf und Ihre Familie! Suchen Sie sich einen Berater, dem Sie vertrauen auf dieser Reise und/oder nehmen Sie meinen Fragenkatalog als Hilfestellung.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie einen Gefährten finden mögen, der Sie fordert und wachsen lässt. Ich wünsche Ihnen, dass stets eine schützende Hand unter Ihnen und Ihrem Welpen ruhen möge, die für Halt sorgt, wenn er gebraucht wird. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf Ihre Intuition und Ihren Verstand hören, wenn Sie Entscheidungen brauchen. Bevor Sie auf die Stimmen Dritter (und dazu zählt auch meine) hören, hören Sie auf Ihre eigene. Sie wissen alles, was es zu wissen gibt in Ihrem Bauch. Ihr Verstand ist nur ein hinterherhinkender Besserwisser, der gerne die Kontrolle hat ohne zu wissen, wo es eigentlich hin geht. Ihr Bauch weiß es. Folgen Sie ihm!

Seien Sie gesegnet und bleiben Sie gesund.