Das macht den Unterschied

Der Ton macht die Musik. Den spruch kennt jeder bestimmt. Ein alltäglicher Spruch. Und die kleinen Zeitfresser, sie nennen sich „Email & Co.“ – macht den Unterschied aus in meiner Freizeit. Als die Welpen ganz klein waren und ich wusste welcher Welpe wo hingeht, da hatte ich kaum Mails zu schreiben und viel Zeit für meinen Blog.

Jetzt ist es genau anders herum. Jeden Tag schreibe ich ca. 10 Emails und lese mindestens doppelt so viele. Manche wenige davon sind sehr, sehr, sehr lang und intensiv. Manche davon sind belanglos. Manche davon sind Zeitfresser.

Was Indie betrifft, ist die Sache so: Ich habe jetzt mehr als fünf Vermittlungsversuche mit Indie „geschafft“ und wir sind noch immer mittendrin in diesem aufregenden Spiel. Hier eine kurze Aufzählung als Zwischenbilanz:

1.) Katarina und Familie – Indie war dort schon an 2 Wochenende – es fehlte die Zeit
2.) Lisa – wollte Indie gleich in die Huta geben (hat dann abgesagt, weil ich ihr zu rigoros dagegen war)
3.) Älterer Herr mit Frau im Rollstuhl, gelähmt und pflegeintensiv – Seine Tochter hat verhaltensauffälligen Dalmatiner, der Welpen und Junghunde zum Frühstück verspeist – er sagte ab, um Indie hiervor zu bewahren (Tochter gab diese Verhaltensauffälligkeit erst preis, als Vater verkündete er fahre sich einen Welpen anschauen)
4.) Frieda – bewirft Hunde leidenschaftlich gerne mit Training Discs und Schlüsselbünden – hat abgesagt (sie hatte not amused geschaut, als ich ihr auf den Kopf zugesagt habe, dass sie eine Menge Halbwissen in Bezug auf Hunde habe und dass sie mit dem Hund auch meine Aufsässigkeit und Persönlichkeit „einkauft“).
5.) Manuela mit 13-jähriger Tochter – War gerade am Anfang der Suche nach einem Hund. Mein Inserat hat sie voll überzeugt. Nach mehrstündiger Debatte über Hundehaltung und die damit einhergehenden Pflichten Negativ-Votum der Familie zu sofortiger Adoption eines Hundes. Moratorium des Themas bis zu den Sommerferien innerhalb der Familie. Ergo: Absage an mich, bzw. Indie.
6.) Herda – eine Mama mit vier Kindern aus Friesland. 2 Telefonate, 4 lange und intensive Email-Kontakte und ein persönlicher Besuch. Und keine Erwähnung bis dahin, dass ihr Mann keinen Hund will, bestenfalls einen toleriert. Erst in einer kurzen Mail nach dem Besuch platzt die Bombe! Ich habe den Mann nicht kennen gelernt, er war nicht beim Besuch dabei, mit mir telefonieren wollte er nicht – also habe ich einen Schlussstrich unter diesen Versuch gezogen.

Indie weiß von all dem nichts. Er ist fröhlich und fidel wie nie zuvor. Und auch Paul ist davon beeindruckt was für ein unkompliziertes Kerlchen er ist. Mit Indie geht man einfach los und es läuft einfach.

Wir lieben Indie. Aber ich hasse es nach einem langen Ambra- und Cocospaziergang noch einen weiteren Indie-Spaziergang machen zu müssen. Das ist schon sehr enervierend an manchen Tagen. Und dass unser Haus aussieht wie ein Messiehausen-Asyl an manchen Tagen. Es nervt mich, es kotzt mich an und es ist auch einfach nicht schön. Egal. Es hilft nichts. Maria (unser Haushaltshilfe und Babysitterin) ist ausgerechnet jetzt voll in der Pubertät und war die letzte Woche so unzuverlässig und schlampig beim Reinemachen und im Umgang mit Marekk, dass ich teilweise gar nicht mehr wusste wo ich überhaupt noch einen Anfang oder ein Ende finden kann für das Schimpfen oder das Erfreuen. Für so gar nichts schien es einen Anker zu geben. Ich habe deshalb auch kein Wort der Kritik verloren. Am Ende hat sich all das, was so gar nicht gut war, von selbst preis gegeben und aufgezeigt. Ich hätte auch darauf gerne verzichtet.

Und dann sind zwischen all diesen großen und kleinen Themen die winzigen, kleinen Kontakte, die plötzlich ganz groß und tief werden. Wie ein Rinnsal, der sich plötzlich in die Tiefen des Meeres ergießt. Es kommt eine Anfrage von Stephanie, einer Dame aus Koblenz. Und wir plauschen per Mail und ganz plötzlich geht es um Themen wie Angst, Tod, Erstarren, Krankheit, Einsamkeit und um all die Geister, die jeden von uns in den bitteren Stunden des Zwielichts beherrschen – mal länger, mal kürzer, mal stärker, mal weniger. Und natürlich steht im Zentrum all dieses Plänkels die Frage danach, ob einer meiner Hunde zu ihr ziehen kann. Aber für den Moment dieses Austausches steht das am Rande und im Zentrum die Kraft der mächtigen Worte, die tatsächlich eigentlich ganz klein sind und nur Macht haben durch die Geister, die einen beherrschen.

Und eines ist uns allen Gewiss: Der am Ende des Lebens stehende Tod. Die spannenden Fragen bis dahin sind immer: Wie viel Zeit bleibt mir bis dahin? Und was mache ich aus dieser grundsätzlich befristeten Zeit? Insofern ja – es macht einen Unterschied, was ich mit dieser Zeit tue.

Ich hasse es meine Zeit in Emails zu setzen. Ich hoffe, dass da etwas bei rauskommt. Aber wissen weiß ich das nie. Bei den sechs Kontakten ist sehr unterschiedliches herausgekommen, abgesehen von einer jedes Mal nicht stattgefundenen Vermittlung. Drei Kontakte haben mich bitter enttäuscht und ich habe das Gefühl es mit Zeiträubern zu tun gehabt zu haben (Herda, Lisa und Frieda). Ein Kontakt hat mich traurig gemacht (der ältere Herr). Ein Kontakt war kurzweilig aber nett (Manuela). Und ein Kontakt war sehr schön, intensiv und am Ende traurig über den Nicht-Erfolg der Vermittlung (Katarina).

Morgen geht das Indie-Roulette weiter. Und ich hoffe, dass es bald aufhört sich sinnlos und immer schneller und schneller im Kreis zu drehen.

Mein Email-Pensum habe ich für heute durch. Den ersten Blog-Eintrag für heute auch. Bilder sind – natürlich – noch kein einziges bearbeitet, Tagebuch auch nicht geschrieben. Und am Ende steht wie auch am Anfang immer dieselbe Frage: „Lohnt sich das, was ich jetzt tue wirklich?“ Ich weiß nicht.

Ich mache weiter und hoffe, dass ich am Ende meiner Lebensspanne nachsichtig auf mich selbst schauen kann und mir sage: „Das, was du hier getan hast, war gut und wichtig. Es war ein Beitrag. Zu was auch immer. Und deshalb war es okay, dass ich meinen Hintern plattgesessen habe auf einem Stuhl für die hier auf diesen Blog und in die Mails hineingetippten Worte.“ Und jetzt hole ich mir einen Tee und schaue Columbo. Amen.