Coco und Ambra werden erwachsen

Ambra wird demnächst läufig. Es mögen sich alle Halter glücklich schätzen, die einen Rüden aus unserem Wurf adoptiert haben. Ambra ist die tollste Hündin der Welt! Mayham, Ambras Patin, sagt jedes Mal, wenn sie Ambra bei uns abholt: „Wie kann man nur einen anderen Hund als Ambra haben?“ Ambra ist hübsch, Ambra ist klug, Ambra ist gütig, Ambra liebt gutes Essen, Ambra möchte jedes Wesen, das ihr freundlich begegnet lieben, berühren ohne dabei sich selbst aufzudrängen. Wie kann man also einen anderen Hund als Ambra wollen? Vielleicht möchte man ja einen Rüden. Der kommt in keinen seelisch-geistigen Ausnahmezustand vor seiner ersten Regel.

Wir konnten die Schuhe bereits im Wohnzimmer stehen lassen. Wenn Ambra da ist, finde ich sie im garten wieder. Ledersohlen habe ich nun vorratsmäßig im Keller liegen. Die werden zerhäckselt. Von Ambra. Die Kinderspielsachen sind nun auch Häckselgut geworden. Der Hubschrauber hat seinen Schrauber verloren, der Träcker sein Dach und Oleks Schaumstoffball ist gehäckselt worden in ein 3D-Puzzle. Ach ja… Es ist schön, vorpubertäre Hunde zu haben.

Coco wird jetzt auch schon ganz irre. Klar, auch bei ihm setzt die Geschlechtsreife ein. Nicht selten sitzt er mit ausgefahrenem Schwänzlein im Sofa und zeigt uns sein Ding in voller Länge. Am liebsten liegen Ambra und er in einer Art Löffelchenstellung und lecken sich gegenseitig ihre Geschlechtsteile.

Das ist so, das muss so und es darf demzufolge auch so sein. Und es ist so wichtig, dass sie diese Phase der geschlechtlichen Identitätsfindung gut, frei und gesund durchlaufen können. Ambra zeigt sehr unterschiedliche Fitnessphasen derzeit. An manchen Tagen ist sie vollkommen erledigt und schaut uns mit ihren haselnussbraunen Knopfaugen an, bewegt aber außer dem klopfenden Schweif gar nichts. Und an anderen Tagen buddelt sie mir die frisch angelegten Beete auf, häckselt das Ofenholz noch einmal vor und prüft welchen Belastungstests unsere Zäune denn wirklich standhalten.

Nun wird es so sein, dass wir Ambra grundsätzlich behalten und auch Coco kein Dauergast in unserem Zuhause bleibt. Wir müssen nun eine zügige Lösung finden, da wir keine Coco/Ambra-Kinder wollen in einigen Wochen. Die Patenschaften haben an mehreren Stellen nicht so funktioniert, wie wir das gehofft hatten und bei uns haben sich die Lebensumstände verändert. Wir müssen die Kita unserer Kinder wechseln und hoffen und beten auf eine kinderfreundliche nichtübergriffige Kinderbetreuung. Manchmal habe ich mich in den letzten Wochen gefragt: Schütze ich meine Hunde mehr als meine Kinder? Vielleicht. Man kann nicht alles perfekt machen. Ich hoffe wir machen es jetzt gut für Ambra und Coco und unsere Kinder. Ach ja – und für uns.

Und damit unsere nun bald geschlechtsreifen Wühlmäuse (Hunde), Gartenvernichtungstorpedos (Hunde) und Baumeister (Kinder) unserem Wunsch nach ein bißchen ansehnlichem Grün nicht dauerhaft im Wege stehen werden wir nun auch Gartenarchitekten und bauen Hochbeete. Vielleicht sollte ich mal demnächst ein foto von unserer Krater-Mondwüstenlandschaft hier posten. Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Hundehalter seinen Garten wehmütig anschaut und sich fragt, was er sich da in sein Heim geholt hat: Einen Hund oder einen Zerstörer, ausgemustert von der Bundeswehr wegen Übereifrigkeit im Dienst.