Wenn man weniger wird

Ich dachte immer man wird nur weniger, wenn es dem Tod entgegen geht. Doch ich mache gerade eine ganz andere Erfahrung. Ich werde weniger. Ich spüre es von Tag zu Tag. Ich meine nicht, dass ich einfach nur abnehme. Ich war nicht dick. Und doch werde ich weniger.

Ich fühle mich im Moment wie ohne Panzer. Es ist als ob eine zweite Persönlichkeit in mir verloren geht und ich jetzt alleine bin. Ich bin in der Heilung und eigentlich fühle ich mich besser, und gleichzeitig schlechter. Ich merke, dass etwas fehlt, was vorher da war.

Meine Beine waren die letzten Jahre oft schwer. Seit mein Großer Olek geboren ist, hatte ich immer damit Probleme. Jetzt weiß ich gar nicht, wie ich mit meinen Beinen, die sich anfühlen, als ob sie Efeu-Ranken abgeworfen hätten, umgehen soll. Ich weiß ich könnte jetzt wieder joggen gehen, aber ich traue mich nicht. Nicht nur deshalb, weil ich beim letzten Jogging-Versuch am Tag der Abgabe von Indie völlig zusammen geklappt bin. Ich habe Angst vor der Kraft, die in mir steckt. Oder vielmehr: Wenn ich merke, was wir die letzten Jahre gefehlt hatte, habe ich das Gefühl es zersetzt mich vor Trauer, Wut und Zorn.

Also lieber Schritt für Schritt. Ich habe jetzt wieder Hunger. So richtig das Gefühl, dass mein Magen leer ist und mein ganzer Körper auf Nahrung wartet! Und ich merke so vieles, was vorher weg war. Schön ist, dass meine Wortfindungsstörung sich immer seltener zeigt. Leider kommen jedoch meine punktuellen Kopfschmerzen und mein Ping-Pong-Ball bei den Nieren wieder durch. Aber ich merke, dass auch dies jetzt ein Gehen und kein Kommen wie vor einigen Jahren war.

Aber am faszinierendsten und stärksten ist das Gefühl: Ich werde weniger. Bald bin ich nur noch ich. In der Ausbildung zur Heilpraktikerin sagte mein Lehrer immer: Die Menschen haben so viel Schutz um sich herum, wie sie brauchen. Damit meinte er, dass viele Menschen dick sind, weil sie sonst von dieser Welt überrannt würden und sich verlören. Ich merke jetzt, wie viel an „Unverarbeitetem“ ich in mir einfach zur Seite gelegt hatte und es nun ausspüle. Aber mit diesem Wattebausch-Schutz, der mich immer umgab, bin ich nun wie ohne Mauer oder schützende Wand.

Einerseits bin ich stärker und merke, dass ich mich auf mich selbst verlassen darf und kann. Andererseits spüre ich das erste Mal seit über zehn Jahren schmerzlich, dass da nur ich bin und ich mich auf mich selbst verlassen muss und auch nur ich mich schützen kann, um ich sein zu können.

Ich weiß, dass das was ich schreibe in einem Hundeblog eigentlich nicht wirklich hineinpasst. Aber ich habe schon immer gewusst und gepredigt, dass Ernährung das A und O ist zur Gesundheit – seelisch und körperlich.

Jetzt erfahre ich am eigenen Leib wie es war, krank zu sein. Und wie es ist in die Heilung zu kommen – und wie es sich anfühlt in die Verlorenheit zu kommen, die ich bei vielen Hunden erlebe, wenn sie das Alte loswerden und das Neue kaum aushalten können. Alles das, was ich jetzt erlebe habe ich bei über 20 Hunden, die ich „geheilt“ habe, erlebt.

Meine Nala braucht jetzt auch Heilung. Das ist ein sehr trauriger Prozess, denn vor vier Monaten habe ich eine kerngesunde, glückliche und in sich ruhende Hündin zu einer Freundin auf den Bauernhof ziehen lassen. Und ich bekomme eine degenerierte zugeschwemmte stinkende in Stress- und Zwangsverhalten gefangene Hündin zurück.

Nala wird im klasischen 3-4 Wochen Heilungsregime heilen können, das wir uns in den letzten zehn Jahren hier bei pfotenpartner als Erfahrungswissen aufgebaut haben. Sofern es mir gelingt, werde ich diese Erfahrungen tagesaktuell und intensiv teilen. Fast jeder zweite Hundehalter hat einen Hund, der stinkt, nierenkrank oder mit Gelenk- oder Verdauungsproblemen belastet ist. VIeles davon kann man heilen, wenn die Schäden noch nicht sehr weit fortgeschritten sind.

Ich kann nicht zaubern und das, was ich an mir erfahre und spüre, habe ich auch nur dank des Wissen eines sehr erfahrenen und guten Heilers erleben dürfen. Und durch die Tiefen meiner Ängste muss ich alleine hindurch steigen. Unsere Hunde müssen das auch.

Doch wir können ihnen helfen. Doch dazu bald mehr. Jetzt muss ich mit Ambra und Coco raus, dann mit Marek zur Spielgruppe und anschließend mit Nala ihre Power-Radtour machen.

Jippieyayooo ihr drei Hunde und mein stets fröhlicher Marek!

Gewalt ist ein Motor. Oder vielleicht eine Rutsche?

Wenn ich mit meinen Hunden spazieren gehe, verstummen die Stimmen von außen und ich kann mich irgendwann selbst wieder hören. Wenn die hektisch klingelnden Radfahrer verstummen, wird der Wald weiter. Wenn die Begegnungen weniger werden, bin ich im Grün angekommen. Die Stille des Waldes umschließt meine Augen, Ohren und Beine und ich komme an. Im Reich der Stille und Zecken.

Ich höre dann das, was das Leben reich, schön und erlebenswert macht: Eine Ente, die schnatternd ihren Unmut über meine Hundebegleitung verkündet. Meine Hündin Ambra, die leichtfüßig über den Waldboden trabt. Meinen Rüden Coco, der eine Kuhle in den Waldboden gräbt. Und den Specht, der die Fichten in luftiger Höhe abklopft.

Ich genieße die Stille der Nicht-Zivilisation. Ich genieße die leisen Geräusche des Waldes.

„Pffffffft!“ Ein Pfiff zerreißt diese Stille. Es ist ein Pfiff aus einer Pfeife. Vielleicht 20 Meter entfernt. Ich höre Galopp, wildes Hecheln und Hundebellen. Das sind nicht meine Hunde. Das ist auch nicht mein Hund, der so schwerfüßig läuft. Es ist ein brauner Mischling. Er stößt seinen runden Körper so gut er kann durch den Waldboden hindurch, seine Zunge hängt auf dem Boden. Er kommt von vorne auf uns zu. Das Pfeifen kommt aber von hinten. Offenkundig war der Hund selbständig im Wald eine Jagderkundung machen. So sehr wie er aus der Puste ist, muss hetzend gejagt haben.

Ich tippe auf einen Labrador-Schäferhund-Mix. Seine Öhrchen stehen halb nach oben, die Spitzen fallen nach unten. Die Schnute ist Schäferhund-länglich, der Körper ist vorne stämmig und hinten ganz schmal. Der Schweif ist Labrador-breit. Also ein Labrador-Mischling. So viel ist klar. „Bruno! Fuß sage ich!“ Pause. „Pffffffffffffttttt!“ Wieder der laute Pfiff aus der Pfeife. Ich höre das Brüllen und Pfeifen, kann aber keinen Menschen sehen.

„Bruno! Komm endlich! Fuß!“

Bruno kommt nicht. Bruno spielt mit Coco und Ambra. Er hebt nicht einmal den Kopf. Wieso auch? Das Pfeifen und Schimpfen ist nun wahrlich laut genug, dafür braucht man den Kopf nicht zu heben. Und Bruno scheint zu wissen, dass ihm Abhol-Service gewiss ist. Er versucht die kurze Zeit, die er zum Spielen noch hat, auszukosten. Bruno spielt hektisch. Er läuft schwerfüßig im Runden-Spiel mit Ambra und Coco.

Obwohl Bruno auf Nicht-Empfang zu seinem Menschen geschaltet hat, nimmt er meinen Leckerchen-Geruch wahr. Er schafft es eine Ehrenrunde zu mir zu laufen und mich als Raststätte zu verwenden. Dafür stiebt er mich kurz an und schaut, ob ich Leckerchen zugänglich mache. Als ich meine Hand in meine Tasche versenke schmeißt er sich auf den Waldboden vor mir. Er ist völlig erledigt. Ich rufe Ambra und Coco und gebe ihnen Leckerchen. Bruno nicht.

„Bruno! Verdammt noch mal!“ Bruno ist voll eingetaucht im sanftmütigen Kontakt-Spiel im Liegen mit Ambra und Coco. Seinen rufend pfeifenden Menschen blendet er aus. Verständlich. Der wird sich gleich hinreichend aufdrängen, so wütend wie er jetzt klingt. Ich kann Bruno verstehen und wappne mich geistig auf eine anstrengende Szene.

Der Waldweg macht eine langgezogene Kurve. Hinter dieser muss der Mann sein. Ein riesiger Stapel Eichenstämme verdeckt Bruno und uns effektiv. „Ihr Hund ist hier, hinter dem Holzstapel.“ Die drei Hunde sind zu meinen Füßen. Ambra und Coco liegen hechelnd bei mir und Bruno versucht nun langgestreckt mit beiden gleichzeitig zu schnäuzeln.

Ich empfinde Mitleid mit Bruno. Der bekommt gleich ganz schön Ärger, wenn der Mann sich so verhält, wie er sich ankündet. So wie der Mensch schnauft und ruft, ist er jetzt in Rage. Das ist nicht mein Problem. Es ist Brunos. Insofern versuche ich die Situation wenigstens für meine Hunde und mich nicht eskalieren zu lassen. Ich fülle meine Hand mit Leckerchen auf und hänge Ambra und Coco mit der rechten Hand an den Leckerchen-Tropf. Mit der linken Hand hebe ich ihre Schleifleinen direkt am Geschirr auf und nehme sie locker durchhängend fest in die Hand.

Gespannt warten Bruno und ich darauf, dass der Halter jeden Moment schnaubend hinter dem Holzstapel hervorkommt. Ambra und Coco sind fixiert auf Leckerchen-Inhalation. Bruno kriegt gleich richtig Ärger. Ich will nicht, dass die Leute ihre Wut direkt bei meinen Hunden abladen. Das kann ich nicht effektiv verhindern, aber es gibt Techniken mit denen ich die Menschen zügeln kann. Deshalb habe ich meine Hunde in solchen Situationen immer dich bei mir. Wenn ich in der Nähe meiner Hunde bin und die Menschen festen Blickes anschaue, nehmen sie sich in unserer Nähe zurück. Jetzt kommt der Mann um die Ecke.

Ich stelle mich so hin, dass der schnaufende Mann seitlich auf mich und die Hunde zukommt. Nicht frontal und nicht von hinten. So gestalte ich die Situation ein wenig mit. Wenn ich frontal stehe, kann das die Situation frühzeitig anheizen. Es ist dann wie eine Konfrontation. Die Menschen fühlen sich dann eingeladen laut und ohne Mäßigung in unsere Nähe zu kommen. Mit dem Rücken zu einem sich so aggressiv gebärdenden Menschen würde ich mich nie wagen zu stehen. Das gibt nicht nur mir ein schlechtes Gefühl. Die Passivität und Unterwürfigkeit, die ich damit ausstrahle verleitet einen schon wütenden Menschen mich als Blitzableiter für seinen Zorn zu verwenden. Auch das möchte ich nicht.

Die seitliche Position bietet Vorteile. Ich schaue meine Hunde an und füttere sie. Meine Hunde schauen mich an und sind ganz bei mir. Wir alle können den Aggressor (der wütende Mann) im Augenwinkel auf uns zukommen sehen. Das nimmt Druck aus der Situation raus und gibt gleichzeitig Kontrolle. Ich kann so gut verhindern, dass meine Hunde selbst in diese wütenden Affekte einsteigen und bellen. Und wenn die Situation es erlaubt kann ich mich so positionieren, dass meine Hunde am Wegesrand sind und ich sie abschirme vor dem wütenden Menschen.

In dieser Situation passt das nicht. Zum einen stehen wir vier auf der Mitte des sehr breiten Waldweges. Wenn wir uns jetzt bewegen wird der Mann nur noch wütender. Das wäre dann das totale Chaos. Meine Hunde würden dann wild springen, sein Hund vermutlich auch und schlimmstenfalls gibt das eine Keilerei zwischen den Hunden. Das will ich nicht provozieren.

Also bleibe ich stehen und füttere fleißig Ambra und Coco. Meine rechte Hand war sehr gut beladen. Der Mann geht, wie ich es erwartet hatte direkt am Popo meiner Hunde vorbei und schnappt sich Bruno, der immer noch versucht mit Coco und Ambra zu schnäuzeln und so tut als ob sein Mensch nicht da wäre. Ich kann ihn verstehen.

Wir haben Glück. Meine kleine Gestaltungsmaßnahme und der Kollege Zufall bewirken, das der Mann seinen Zorn nicht direkt bei meinen Hunden herausplatzen lässt. Wenn meine Hunde dicht bei mir sind wagen die meisten Menschen es nicht ihre Schimpftiraden direkt bei mir (uns) abzulassen. Dazu darf ich jedoch nicht devot wirken, sondern muss mit durchgestrecktem Körper aufmerksam in der Situation sein.

Mein Kalkül hat funktioniert. Der Brunohalter sieht, wie ich meinen Hunden Leckerchen gebe und wie sein Hund gierend direkt bei mir steht. Und er sagt nicht. Obwohl diese Beobachtung seinen Frust verstärkt. Einerseits wird er noch wütender, wenn er sieht wie ich stopfe und sein Hund an uns hängt. Andererseits will er nur weg, weil er sich blamiert.

Er wird wütender, weil er wie ein Depp seinen Hund abholen muss und ich leger dastehe mit meinen zwei Hunden. Wütender wird er, weil ich als dumme Leckerchen-Ziege es leicht habe und er schwer. Und wütend bleibt er, weil er dumm da steht und kein Zorn der Welt dazu führt, dass passiert, was er will: Er will, dass sein Hund zu ihm kommt, wenn er ruft.

Egal, wie viel er gerufen und geschimpft hat: Bruno hat das nicht gekümmert. Bruno war weg, dann kam er zu uns und ist offenkundig noch immer bei uns. Und sein Halter ist mittlerweile auf dem Gipfel der Wut.

Und was er sieht, macht ihn nicht gerade friedvoller: Er brüllt sich die Seele aus dem Leib und ich verteile hier Hundekekse wie auf einer Party. Kein Wunder, dass sein Hund nicht kommt. Klar kommt bei ihm der Gedanke auf, dass ich seinen Hund vermutlich auch schon gestopft hätte. Er denkt sich, dass ich Bruno vielleicht schon zig Leckerchen gegeben habe und ihn damit verdorben habe. Vielleicht… Der Mann wird es nie erfahren. Sich aber auch darüber ärgern.

Abgesehen davon, dass der Mann anscheinend nur das Schlimmste von mir denkt und mir das mit seinen Blicken auch zeigt, verhält er sich recht zivil: Er geht einen angemessenen Bogen um Ambras und Cocos Popo herum. Er packt Bruno stumm schnaufend, leint ihn an und geht ohne einen weiteren Laut Bruno hinter sich her schleifend ein paar Schritte von uns weg. Erst einige Meter von uns entfernt bricht der Zorn aus ihm heraus.

„Bruno! Fuß!“ Der Mann schimpft. Aber weiß Bruno überhaupt, was sein Mensch da schimpft und von ihm will? Ich bin Mensch, und ich weiß es nicht. Wie geht es da wohl einem Hund? Mir ist das Konzept des Bei-Fuß-Gehens in einigen Facetten bekannt. Kennt Bruno das Konzept des Bei-Fuß-Gehens? Kennt der Mann es? Oder ist es ein frommer Wunsch des Mannes sein Hund möge ihn wenigstens dieses eine Mal nicht an der Leine hinter sich her schleifen?

Bruno macht auf mich den Eindruck, dass er nicht weiß, was sein Mensch von ihm will. Vermutlich kennt Bruno das Konzept des Bei-Fuß-Gehens nicht oder nur wenig. Nicht genug, um es jetzt in diesem Moment der starken Affekte abrufen zu können aus seinem Gehirn. Vielleicht ist Bruno auch so verängstigt von dem Gebahren seines brüllenden Menschen, dass er gar nichts denken kann außer Angst. Wer weiß… Und obwohl Bruno mit dem Mann mitläuft, wird der immer noch wütender. Armer Bruno.

Bruno kann es seinem Menschen nicht recht machen. Obwohl Bruno versucht Demut und Unterwerfung zu zeigen, zwingt sein Mensch ihn in die Nähe mit Hilfe der Leine. Demut und Unterwerfung zeigt ein Hund indem er zunächst Distanz zwischen sich und dem Dominierenden aufbaut. Bruno kann gar nicht zeigen wie sehr er zur Kooperation, ja Unterwerfung bereit ist. Die Leine hindert ihn daran. Er möchte von seinem Menschen wegstreben, was sich für einen devot unterwürfigen Hund ja gehört. Bruno läuft voraus und hängt sofort in der Leine. Die Leine ist stramm. Und Brunos Mensch auch darüber verärgert.

Da Bruno hoch agitiert ist, springt er am Ende der Leine. Er kann sich nicht einfach beruhigen und langsam werden. Dafür sind alle zu aufgeregt: Der Mann, Bruno und ich mittlerweile auch. Der Zorn des Menschen hindert Bruno effektiv ruhig zu werden. Vermutlich auch die über Jahre in Bruno erworbene Angst vor dem Zorn seines Menschen. Selbst, wenn sein Mensch sich jetzt schon beruhigte würde Bruno vermutlich erwarten, dass sein Mensch laut und herrschend auftritt. Denn s kennt Bruno es. Und das hindert Bruno am Zuhören und Denken. Und am Herunterkommen von seinem hohen Erregungsniveau.

Bruno kann sich also gar nicht herunterfahren. Und so hängt Bruno am Ende der Leine und springt wild wie ein Kaninchen in einer Falle. „Brunoooo! Fuß! Verdammt noch mal!“ Bei alldem sieht Bruno zudem nicht aus wie ein devoter Hund. Auf den ersten Blick könnte man meinen der Hund sei freudig erregt. Jedoch Obacht! Der Anschein täuscht. Hunde, die Stress haben sehen freudigen Hunden täuschend ähnlich. Nur Menschen mit guter Intution oder Beobachtungsgabe und Hundewissen können die Unterschiede erkennen zwischen einem freudig erregten Hund und einem Hund mit chronisch oder akut hohem Stress.

Bruno hat Angst und Stress zugleich. Er will von seinem Mensch weg. Den Mann macht das wütend und er schüttelt wild an der Leine. Spannenderweise schüttelt Bruno sich als Reaktion auch einmal und läuft danach nicht mehr vor, sondern seitlich von seinem Menschen so weit entfernt wie er nur kann.

Auch das findet sein Mensch gar nicht gut. Fuß sieht anders aus! „Bruno! Es reicht mir!“ Bruno hat den Rubikon überschritten. Der Mann packt Bruno am Halsband und zieht ihn ganz dicht zu seinem Kopf. Er beugt sich dabei ganz weit nach vorne. Mit beiden Händen hält er Brunos Kopf und drückt sein Gesicht fast in Bruno rein. Mit langsam wütender Stimme spricht er in Brunos Gesicht: „Du. Gehst. Bei. Fuß. Ist das jetzt klar?! Fuß sage ich!“

Das ist zu viel für mich. Ich kenne viele Facetten des homo sapientischen Verhaltens, aber diese Rohheit kann ich nicht unkommentiert lassen. Den Mann und mich trennen fünfzehn Meter, insofern erlaube ich mir im Gesprächston zu fragen: „Und Sie meinen das bringt etwas?“ Er versteht was ich sage. Nun habe auch ich den Rubikon überschritten. Sein Kopf geht hoch und Bruno ist aus der Face-to-Face-Situation entlassen, die Hände des Mannes halten seinen Kopf jedoch noch am Hals links und rechts fest.

Der Mann versucht eine Grenze zu stecken. „Mischen Sie sich nicht ein! Erziehen Sie mal besser Ihre zwei Hunde.“ Ich gestehe, dass ich mich verwickeln lasse in solchen Situationen. Im Nachhinein denke ich immer, dass ich jetzt hätte gehen sollen. Aber in der Situation kann ich das nie. Ich beiße auf den Köder an und steige in das Duell ein: „Meine zwei Hunde sind bei mir, angeleint und ich schimpfe nicht.“ Mit meiner Aussage provoziere ich ein herablassendes Schnauben und eine Kampf-Antwort: „Ja, weil Sie sie mit Leckerchen stopfen. Erziehen sollten Sie und nicht stopfen.“

Darauf antworte ich nicht. Da kommt nichts Gutes bei heraus. Wir könnten uns inhaltlich austauschen, aber dafür ist der Mann zu agitiert. Ich atme tief durch. Dieses Gespräch wird unmittelbar auch zu nichts führen außer Frust bei ihm und bei mir. Deshalb lasse ich seinen Kommentar und seine Aufforderung unbeantwortet stehen. Ich wünsche mir dennoch, dass ich es schaffe ein Körnchen im Sand seines Wut-und Gewalt-Motors zu sein. Der Gewaltmotor kann wie ein Porsche innerhalb weniger Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen. Ich weiß wovon ich spreche. Ich bin selbst jahrelang mit dem Gewaltmotor wie eine Irre durch die Gegend gerast.

Es ist eine schöne Vorstellung seinen Gewaltmotor vielleicht ein bißchen ins Stottern zu bringen. Nicht, weil ich böse bin. Ich finde, dass jeder Mensch Frieden verdient. Und den hat er offenkundig gerade nicht. Meine Wunschvorstellung ist es, dass in seinem Gewaltmotor irgendwann ein Zylinder kaputt geht und die gesamte Maschinerie dann restlos entsorgt wird. Aber Gewalt als Motor ist nicht das einzige Bild, das passt für diese Situation. Auch das Bild der Gewalt-Rutsche (manche nenne es Spirale) finde ich hilfreich. Denn das Problem ist: Wenn man das Verhalten Gewalt und die Einstellung Dominanz, also den Gewaltmotor über Bord wirft und entsorgt entstehe eine klaffende Lücke. Und niemand kann mit dieser Lücke länger als einen Tag leben. Der Ersatz für den Gewaltmotor muss vor dem Totalschaden schon da sein, damit wir wissen, was wir in einer kritischen Situation tun sollen.

Kein Mensch kann sich „nicht“ verhalten in einer kritischen Situation. Haben wir kein neues Verhalten parat, um den Stress aufzulösen, fallen wir immer in das Muster. Egal welche das sind. Das sind die Überlebensprogramme von Menschen wie Hunden.

Und der Mann war in einer kritischen Situation als sein Hund für mehrere Minuten im Wald verschwand. Und in den unendlich langen Minuten der Abwesenheit des Hundes sprang der Gewaltmotor an. Die Wut des Mannes nahm immer mehr zu. Aber Gewalt ist auch wie eine Rutsche. Erst klettert man langsam hoch und denkt man hätte da oben gleich mehr Kontrolle. Doch Pustekuchen. Oben wähnt man sich stark und unbesiegbar. Aber das geht nur selten auf.

Der Hund war und blieb verschwunden. Und dann war er „ungehorsam“ nicht zu seinem Menschen gekommen, sondern er musste Bruno abpflücken bei einer Leckerchen-stopfenden Wattebauschweitwerfer-Ökotante wie mir. Welche Demütigung für den Herrn!

Wer oben steht, muss wieder runter. Dieser Mann bretterte beim Zugehen auf uns die Gewaltrutsche wie ein Irrer runter! Denn er musste wieder Boden unter den Füßen haben. Sein Gewaltmotor jaulte und die Zylinderkolben jaulten alle am Anschlag.

Da war er nun gestürzt aus seinem Olymp der Nicht-Dominanz über seinen Hund. Um nicht auch noch vor sich selbst klein zu sein, musste er das Ungleichgewicht wieder herstellen und seinen Frust irgendwie rauslassen. Bruno war sein Blitzableiter.

Der Mann war vom Gipfel der Gewalt ganz heftig auf den Boden geknallt. Vielleicht schaffe ich es etwas zu sagen, das er eines Tages erinnert. Vielleicht auch nicht. Vielleicht schaffe ich es etwas zu sagen, was den Mann eines Tages berührt oder weiter bringt, wenn er merkt, dass er seinem Hund lediglich Leid antut, weil er einer Illusion von Dominanz und Gehorsam erlegen war, die nicht stimmte. Und vielleicht wird er eines Tages merken, dass die Selbsterhöhung auf den Gipfel der Dominanz über den Hund nur eine Täuschung ist. Und ganz vielleicht wird er merken, dass dieser Dominanzgipfel nur eine Filmkulisse ist, hinter der sich Projektionen verbergen. Es verbergen sich keine Wahrheiten dahinter.

Und oben auf dem Gipfel der Gewalt hatte er nur zwei Möglichkeiten, um wieder herunter zu kommen: Vorsichtig die Leiter wieder herunterklettern oder unkontrolliert die Rutsche der Gewalt herunter zu stürzen. Er war zu agitiert, um irgendwas vorsichtig zu tun. Also knallte er die Rutsche der Gewalt hinunter.

Vielleicht, vielleicht wird er all das eines Tages bewusst oder unbewusst merken. Die meisten Menschen merken es unbewusst irgendwann. Nur wenige reiben sich ein Leben lang mit ihren Hunden in Grabenkämpfen auf.

Ich habe mich ein paar Jahre lang mit meinen Hunden aufgerieben. Bis es so nicht mehr weiterging. Ich war am höchsten Ende der Gewalt angekommen und konnte entweder umkehren oder? Ich bin umgekehrt. Das war aber kein einfacher Weg.

Ich musste nicht nur mich selbst, die Einstellung zu meinen Hunden und meinem Leben verändern. Ich musste auch meine Hundeschule auf ein neues Wertefundament stellen. Das ist gar nicht so einfach. Jahrelang hatte ich die allgegenwärtige Alpha-Lüge geglaubt und weitergegeben. Und nun musste ich mich selbst revidieren. Hoppla! Das war ganz schön peinlich.

Mein Bewusstsein ist in den Jahren danach langsam hinterher gekommen. Und ich beschäftige mich bis heute mit Fachliteratur über Lernverhalten von Hunden und Menschen, konsistenter Kommunikation, authentischer Beziehungsgestaltung, Fragen zu Macht und Machtmissbrauch und menschlicher und hündischer Psyche.

Und seitdem ich sicher weiß, dass Dominanz und Unterordnung eine Möglichkeit von vielen ist, die Interaktion mit dem Hund zu gestalten, aber nicht die einzige entscheide ich mich für die Variante Kooperation auf Augenhöhe: Ich lebe mit meinen Hunden partnerschaftlich zusammen. Und damit geht es mir so gut, dass ich mit meinen Hunden zu 99% nur noch Freude habe. Selbst Frustmomente mit meinen Hunden sind für mich häufig eher eine Bereicherung als eine Belastung. Ich lache dann über meine störrische Zicke Ambra, meinen Schelm Coco und meine fehlbare Menschlichkeit.

Das alles und nichts davon schießt mir in diesem Dialog-Duell mit dem Herrn im Wald durch den Kopf. Ohne darüber nachzudenken antworte ich dem Herrn: „Ich finde Leckerchen schöner als meine Hunde zu schimpfen, an ihnen zu zerren und mich laut und wütend im Wald zu gebärden. Das vermiest mir nur die Stimmung.“ Das sage ich nicht nur so. Das lebe ich so. Meine innere Stimme sagt zu mir selbst: „Und der Wald ist so zauberhaft. Man hört seine Stimme nur, wenn man still ist und aufhört nur auf sich selbst zu blicken.“ Der wütende Blick des Mannes holt mich aus meiner Träumerei heraus und zurück in das Duell. Und ich denke: Wäre dies ein Boxkampf würde jetzt eine Glocke ertönen. Nicht, weil mein Spruch so gut war, sondern weil seine Augen mir wütend den Sieg zugestehen. Diese Runde ist an mich gegangen. Es steht 1:0. Und in meinem inneren Kopf ruft der Ringrichter:„1 Rundensieg für Tunia! Bing, bing, bing.“ Ich bin kein Stück besser als er. Ich will auch nur gewinnen.

Der Mann hat mir den Rundensieg geschenkt. Nun hat er es eilig. Er will sich weder auszählen lassen noch eine weitere Runde einläuten. Er dreht sich um und schnaubt wütend davon. Die Leine hat er vorsorglich mehrfach eng um seine Hand geschlungen. Wenn das mal gut geht! Sie ist so kurz, dass Bruno weder vor, noch zurück, noch seitlich von ihm wegstreben kann. Wütend sieht der Mann mich beim Umdrehen noch einmal an und geht strammen Schrittes vorwärts. Sein Oberkörper hat jedoch eine starke Rechtsneigung: Bruno hängt in hoher Spannung an der Leine und läuft ziemlich unrund in hoher Erregung und Spannung in seiner Zwangsenge. Brunos Schweif wedelt.

Endlich ist Ruhe!

Ich atme tief durch. Ich brauche das immer nach so einer Begegnung. Ich fühle mich angestrengt. Die Stille ist weg. Von außen ist sie da, denn der schimpfende Mensch und Bruno sind weg. Aber in mir ist es laut. Die Stimme des Mannes hallt in mir nach. Meine Stimme antwortet ihm, obwohl er weg ist. Ich bin im Dialog, ohne dass ich es will. Ich rede mit dem Mann, als ob er noch da wäre. „Bing, bing, bing. Diese Runde geht an den Bruno-Halter.“ Obwohl ich es nicht will, habe ich auch verloren. Ich habe meine innere Ruhe verloren, die eben noch da war. Es steht 1:1. Obwohl der Bruno-Halter weg ist, ist er noch in meinem Kopf.

Bin ich noch in seinem? Vielleicht. Ich hoffe, das Duell der Stimmen in meinem Kopf ebbt bald ab. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen konnte, dass dieser Mann und sein Bruno eines Tages zu einem friedlicheren Umgang miteinander finden. Bruno tut dafür, was er kann. Vielleicht wird der Mann auch irgendwann merken, dass er sich selber mehr schadet als nützt mit seinem Dominanz-Wunsch über Bruno? Habe ich etwas beigetragen, was ihnen hilft? Ich weiß es nicht. Ich will meine Wald-Stille zurück. Ich will den Wald wieder hören. Doch gerade höre ich nur mich mit mir selbst reden.

Die Stimme des Mannes ist weg. Hoffentlich war es das wert.

Armer, armer Coco!

Kennen Sie das? Da schaut Sie jemand an mit einem so traurigen Blick, dass Sie innerlich förmlich zerfließen und denken „Ach du armer, armer schwarzer Kater!“ Mein großer Sohn Olek (2,5 Jahre) kann das ganz theatralisch. Er zieht dann (vermutlich ähnlich wie ich) die Worte aaaarmer, aaaaarmer ganz doll in die Länge und schaut dabei selbst herzzereißend.

Wenn ich abends Pansenstreifen verteile habe ich in letzter Zeit sehr oft gedacht: „Mein armes, armes Sofalein!“ Coco sitzt dann ganz oben links in der hintersten Ecke auf dem Stapel der Sofakissen und quetscht sich gerade eben so auf die Lehne, dass er nicht hintenüber fällt und gleichzeitig so hoch, weit weg und sicher wie möglich ist vor der selbstherrlichen Zicke: Ambra!

Ich verteile das Essen an meine Hunde und Ambra entscheidet darüber wer, was, wann und wie haben darf. Unter Ambras Regiment stehen Coco und Carlos. Carlos kann, wenn ihm das alles zu viel wird über den Zaun hüpfen, auf einen Tisch flüchten oder Ambra geschickt mit zwei Pfoten die Schnauze kurz festhalten ein bißchen Lecken und beißen und dann ist Ambra auch gleich schon ein bißchen gütiger für ein oder zwei Minuten.

Coco ist dagegen ein armes Würstchen. Ambra gönnt ihm, wenn sie einen schlechten Tag hat, rein gar nichts. Obwohl jeder Hund von mir einen Pansenstreifen direkt in sein Maul gelegt bekommt, hat Ambra diverse Mops-Techniken in ihrem Repertoire. Ambra überzeugt und gewinnt durch Strategie, Klugheit und Unverfrorenheit. Vollkommen selbstverständlich stürmt sie auf Coco zu, rempelt ihn an und hofft dabei auf den Überraschungseffekt: Er lässt hoffentlich fallen, was er im Maul hat. Und Ambras Kalkül geht meistens auf.

Wenn dieses Manöver gelingt, hat Ambra es einfach. Der Pansenstreifen liegt für einen Moment auf dem Boden, Coco muss sich erst einmal sammeln (im wahrsten Sinne des Wortes, nicht selten liegt er wie von einem Auto gerammt am Boden und muss erst einmal wieder aufstehen). Ambra macht in dieser kurzen Sekunde eine geschickte Drehbewegung mit ihrem Heck, öffnet ihr Maul gerade so weit, dass der andere Pansen nicht rausfällt und ein weiterer mit Zunge und Maul irgendwie noch reingehievt werden kann. Und wehe, wehe Coco wagt es auch nur Ambra näher zu kommen. Dann grummelt sie aber wie ein Wärmegewitter im Sommer aus drei Kilometern Höhe!

Ich habe versucht Abhilfe zu schaffen. Drei Pansen haben das Problem nur verzögert. Ambra verbuddelt dann Nummer eins im Garten, widmet sich kurzfristig Nummer zwei oder lässt sie kurz an einem sicheren Ort ihrer Wahl liegen und stürmt dann auf ihren zart besaiteten Bruder los und attackiert ihn wie auf einem Rugby-Feld mitten im Spiel. Armer, armer Coco!

Und gleichzeitig: Wie erstaunlich! Coco ist ein friedliebender Hund. Er will keineN Streit. Er will seinen Pansen auch nicht verteidigen müssen. Er will nur seine Ruhe. Es heißt oft man müsse Hunden erhöhte Liegeplätze verbieten, weil sie dort „dominant“ würden und anfingen Kontrolle über den Raum haben wöllten. Diese Märchen machen mich immer so traurig, weil es Menschen gibt, die das wirklich glauben. Gut – nicht jeder muss sein Okay dazu geben, dass sein Hund auf sein Sofa darf. Aber das hat nichts mit Dominanz-Märchen zu tun. Sondern damit, dass es Menschen gibt, die eine Reinlichkeitsvorstellung von ihrem Sofa haben, die ihr Hund ggf. nicht teilt und unterstützt.

Mir ist das nicht wirklich wichtig. Wir haben ein Sofa, das aus sehr strapazierfähigem Oberstoff bezogen ist. Das Sofa ist eines meiner Lieblingsstücke in unserem Haus. Es nimmt keinen Geruch an, es lässt sich sehr leicht reinigen, falls überhaupt nötig und es ist für unsere Hunde, Kinder und uns Erwachsene immer ein einladender Ort.

Und so fühle ich mit meinem armen kleinen Coco. Er ist so ein zugewandter, freundlicher und konfliktscheuer Kerl. Seine Schwester, die ein eisernes Regiment führt, gibt den Ton an. Und Coco versucht nur seinen Platz in unserem Haus zu finden. Und er macht das auf eine so kluge Weise, dass ich von ihm beeindruckt bin und ihn nur noch mehr liebe in diesen Momenten.

Und so versucht Coco in den Momenten, in denen er glaubt sich selbst schützen zu müssen, Vorsorge zu treffen. Wenn ich wertvolles Kaugut verteile verzieht Coco sich. Auf den höchstmöglichen Punkt auf meinem Sofa. Nicht auf den Sessel, da kommt er nicht sehr hoch. Obwohl der Sessel ihm links und rechts Schutz bietet, es muss das Sofa sein auf dem er noch ein paar Zentimeter höher und gefühlt weiter weg von Ambra kommt. Ach was für ein kluges Tierchen mein Coco doch ist!

Bisher hat Ambra ihm auf dieser sicheren Bastion nicht nachgestellt. Coco scheint also den Konflikt sehr geschickt zu vermeiden. Doch sein Blick dort oben spricht Bände. Und so sitze ich da und denke bei meinem Abendtee: Armer, armer Coco. Und auch: Mein armes, armes Sofachen. Ich arme, arme Tunia. Da habe ich schon so ein schönes Sofa und nun wurden darauf nicht nur zwei der Welpen geboren, sondern jetzt wird darauf auch noch Pansen vertilgt. Prima. Egal. Morgen schüttle ich die Kissen auf und dann ist es schon wieder wie neu. Komm in meinen Arm, mein armer, armer Coco!

Coco und Ambra werden erwachsen

Ambra wird demnächst läufig. Es mögen sich alle Halter glücklich schätzen, die einen Rüden aus unserem Wurf adoptiert haben. Ambra ist die tollste Hündin der Welt! Mayham, Ambras Patin, sagt jedes Mal, wenn sie Ambra bei uns abholt: „Wie kann man nur einen anderen Hund als Ambra haben?“ Ambra ist hübsch, Ambra ist klug, Ambra ist gütig, Ambra liebt gutes Essen, Ambra möchte jedes Wesen, das ihr freundlich begegnet lieben, berühren ohne dabei sich selbst aufzudrängen. Wie kann man also einen anderen Hund als Ambra wollen? Vielleicht möchte man ja einen Rüden. Der kommt in keinen seelisch-geistigen Ausnahmezustand vor seiner ersten Regel.

Wir konnten die Schuhe bereits im Wohnzimmer stehen lassen. Wenn Ambra da ist, finde ich sie im garten wieder. Ledersohlen habe ich nun vorratsmäßig im Keller liegen. Die werden zerhäckselt. Von Ambra. Die Kinderspielsachen sind nun auch Häckselgut geworden. Der Hubschrauber hat seinen Schrauber verloren, der Träcker sein Dach und Oleks Schaumstoffball ist gehäckselt worden in ein 3D-Puzzle. Ach ja… Es ist schön, vorpubertäre Hunde zu haben.

Coco wird jetzt auch schon ganz irre. Klar, auch bei ihm setzt die Geschlechtsreife ein. Nicht selten sitzt er mit ausgefahrenem Schwänzlein im Sofa und zeigt uns sein Ding in voller Länge. Am liebsten liegen Ambra und er in einer Art Löffelchenstellung und lecken sich gegenseitig ihre Geschlechtsteile.

Das ist so, das muss so und es darf demzufolge auch so sein. Und es ist so wichtig, dass sie diese Phase der geschlechtlichen Identitätsfindung gut, frei und gesund durchlaufen können. Ambra zeigt sehr unterschiedliche Fitnessphasen derzeit. An manchen Tagen ist sie vollkommen erledigt und schaut uns mit ihren haselnussbraunen Knopfaugen an, bewegt aber außer dem klopfenden Schweif gar nichts. Und an anderen Tagen buddelt sie mir die frisch angelegten Beete auf, häckselt das Ofenholz noch einmal vor und prüft welchen Belastungstests unsere Zäune denn wirklich standhalten.

Nun wird es so sein, dass wir Ambra grundsätzlich behalten und auch Coco kein Dauergast in unserem Zuhause bleibt. Wir müssen nun eine zügige Lösung finden, da wir keine Coco/Ambra-Kinder wollen in einigen Wochen. Die Patenschaften haben an mehreren Stellen nicht so funktioniert, wie wir das gehofft hatten und bei uns haben sich die Lebensumstände verändert. Wir müssen die Kita unserer Kinder wechseln und hoffen und beten auf eine kinderfreundliche nichtübergriffige Kinderbetreuung. Manchmal habe ich mich in den letzten Wochen gefragt: Schütze ich meine Hunde mehr als meine Kinder? Vielleicht. Man kann nicht alles perfekt machen. Ich hoffe wir machen es jetzt gut für Ambra und Coco und unsere Kinder. Ach ja – und für uns.

Und damit unsere nun bald geschlechtsreifen Wühlmäuse (Hunde), Gartenvernichtungstorpedos (Hunde) und Baumeister (Kinder) unserem Wunsch nach ein bißchen ansehnlichem Grün nicht dauerhaft im Wege stehen werden wir nun auch Gartenarchitekten und bauen Hochbeete. Vielleicht sollte ich mal demnächst ein foto von unserer Krater-Mondwüstenlandschaft hier posten. Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Hundehalter seinen Garten wehmütig anschaut und sich fragt, was er sich da in sein Heim geholt hat: Einen Hund oder einen Zerstörer, ausgemustert von der Bundeswehr wegen Übereifrigkeit im Dienst.

Entgiftung

Entgiftung? Bitte was? Viele, die sich mit Gesundheit & Ernährung schon einmal beschäftigt haben, haben bestimmt auch schon einmal dieses Schlagwort aus der Gesundheits-Guru-Branche vernommen. Ich habe es bestimmt schon zigtausendundeinmal vernommen. Konnte aber nie wirklich etwas damit anfangen. Entgiftung? Wie soll denn das gehen? Als Chemikerin (ich hatte mal Chemie-Leistungskurs) stellte ich mir dabei das Herauslösen chemischer Verbindungen mit einem entsprechenden Lösungsmittel vor. Dabei ist es ganz einfach.

Einerseits habe ich es schon immer gewusst. Es kann doch nicht egal sein, dass wir wie die irren Gift, chemische Komplexverbindungen, Antipilz-/ Anti-Insekten-/ Anti-Lebensmittel(!)Giftstoffe auftragen. Es kann nicht egal sein, dass wir mit Giftstoffen putzen, unsere Kleidung bedecken, sie aus Autos emittieren und in alles Mögliche hineinpacken und dann wieder in uns hineinjagen. Es muss doch irgendwie eine Auswirkung jetzt schon auf uns, unsere Körper haben! Sonst wären es doch keine Gifte!

Mir geht es so, dass ich seit über zehn Jahre mit immer wieder mysteriösen chronischen und wiederkehrenden Symptomen zu tun habe. Ich gehöre zu der Liga an still vor sich herleidenden Frauen, die immer mehr abbauen und sich fragen, warum ihr Körper sie in ihren Zwanzigern verlassen kann. Autoimmunerkrankung war eine Diagnose, die mich vor zehn Jahren traf. Autoimmun? Mein Körper greift mich an? Das fühlte sich an, als ob alles an mir falsch wäre und mein Vertrauen in mich, in alles, was mir lieb und heilig war, war ganz schön geknickt.

Ich habe darüber bisher noch nie wirklich gesprochen. Worüber auch? Darüber, dass ich mir selbst nicht mehr traue? Darüber, dass etwas mysteriöses in meinem Körper vorgeht, ich es aber nicht ganz verstehe? Darüber, dass meine Schilddrüse mal spinnt und dann wieder okay ist? Darüber, dass ich mysteriöse Schmerzen im Gehirn, in den Nerven und mal nur auf der linken Seite Nervenkribbeln oder Schmerzen wie einen Ping-Pong-Ball im Unterleib habe? Wie soll ich darüber sprechen ohne in die „die ist bescheuert-Ecke“ gestellt zu werden?

Es ist auch nicht sehr mutig jetzt, wo ich die Antworten auf mein Nichtwissen habe darüber zu reden. Aber es geht mir auch nicht um Mut. Mir geht es um meine eigene Lust und Liebe am Leben! Ich wünsche mir so sehr meine Kinder aufwachsen zu sehen. Jede Mutter, die besorgt ihren Körper angeschaut hat und nach Zeichen von Krebs, dieser muttertötenden Krankheit gesucht hat, kennt diese Angst seine Kinder nicht bei der Schulentlassungs- oder gar Einschulungsfeier sehen zu dürfen.

Es gibt einen Autor, der mein Lotse war auf meinem Weg in mein Jetzt-über-mich-Bescheid wissen. Anthony William hat mich „gerettet“. Er hat mich insofern gerettet als dass er mir den Schlüssel zur Heilung gab, als die Ärzte nur eine Batterie an Tests auf mich loslassen wollten. Ich habe sofort abgewunken und gar nicht erst mit den Tests angefangen, die Eingangsthesen der Ärzte stimmten schon nicht. Sie haben nicht verstanden, dass ich meiner Meinung nach keine „spezifische“ Erkrankung habe, sondern meines Erachtens nach etwas Wesentliches nicht mehr im Gleichgewicht ist / war. Und so war/ ist es auch noch.

Seit zirka drei Wochen habe ich es wirklich geschafft meine Ernährung so anzupassen, dass ich auf einem Weg bin, der meinem Körper hilft die über Jahrzehnte angesammelten Amalgam-Rückstände aus ausgebohrten Füllungen, Pestiziden und Insektensprays, die ich in meiner Jugend in Hülle und Fülle in mich hineingejagt habe wieder herauszuschwemmen. Meine Eltern sind Liebhaber der Moderne und des technischen Fortschritts. Jede neue Impfung musste in mich hinein. Jedes chemische Zauber-Wundermittel kam in unseren Haushalt. Alles wurde mit Chemie abgetötet, einparfümiert und übercremt. Meine Schwester leidet unter den Spätfolgen ähnlich wie ich.

Ich predige allen Hundeleuten, dass die heutige Art Hunde künstlich mit industriell aufgewertetem Müll in Einheitspampe zu Brackets gepresst der sichere Weg ist die Hunde zügig sehr krank zu machen. Ich weiß schon seit über 10 Jahren, dass die Verdauung, die inneren Organe, der Magen und der Darm der Schlüssel in die Gesundheit, zum gesegneten Leben sind. Ich spüre aber erst jetzt an meinem eigenen Körper wie das sich anfühlt in all seinen Facetten.

Eine intakte Magensäure ist das Heiligste, beste was wir haben können, um sicher zu sein vor den vielen Gefahren der Umwelt! Unsere Hunde haben sogar eine noch stärker Magensäure als wir! Lasst uns dieses Heiligtum feiern und nicht es zerstören so zügig wie möglich! Rohe ungekochte Nahrung lässt die Magensäure intakt bleiben, trainiert sie, erhält sie. Bei uns Menschen wie bei den Hunden. Wir Menschen tun gut daran, sie mit viel Obst und Gemüse im Training zu halten. Hunden genügt dafür zu 90% Fleisch. Aber alles, was wir an Obst und Gemüse haben und sie mögen, tut ihnen auch gut. Egal, ob sie die darin enthaltenen Vitamine in ihrer Gänze erschließen oder nicht. Das ist nicht relevant!

Relevant ist, dass wir uns roh und gesund ernähren. Relevant ist, dass wir wieder herstellen, was „Gott“ (die Natur) uns mit auf den Weg gab: Einen heilen und intakten Körper. Und damit meine ich nicht das, was man von außen sieht, sondern das im Verborgenen Heilige versteckte: Das, womit wir Lebensenergie herstellen tagein, tagaus (unsere Verdauung).

Wir haben das Recht unsere einatmenden, aufnehmenden und Lebensenergie herstellenden Organe zuzukleistern mit industriell hergestelltem Pampszeug. Aber es tut uns nicht gut. Es führt uns weg von der Ganzheit, der Heiligkeit rohen lebensspendenden Essen.

Seit über einem Jahr lebe ich im Intervallfastenmodus, dem von Gesundheitsgurus als lebensspendend gepriesenem Ernährungsstil (16 Stunden am Tag fasten und 8 Stunden Nahrungsaufnahme). Es hat mich zwischenzeitig voran gebracht, dann aber kam ich einfach nicht weiter. Ich hatte mit industriell vorverpackten und pasteurisierten Säften „gearbeitet“. Seit vier Wochen entsafte ich jeden Morgen gut einen Liter (also mehr als 10 Äpfel, eine Gurke, zwei Karotten und Selleriestangen) frisch. Manchmal fällt auch noch eine Birne in den Saft mit hinein. Lecker!

Aber lecker ist gar nicht das wichtige Wort. Es ist ein Wort des Genusses, des Schwelgens. Wichtig ist, dass ich merke, wie ich anfange zu leben. Anfangs habe ich noch versucht Selleriesaft separat zu trinken und bin dabei fast umgefallen vor Schwäche. Selleriesaft in seiner Reinstform baut die Magensäure wieder auf, die wir verloren haben in den letzten Dekaden unseres Lebens in der industriellen Vollversorgung. Ich dachte also: „Auf, auf! Her mit dem neuen Leben!“ Ich hatte unterschätzt wie sehr mein Körper verlernt hatte rohe Nahrung zu verdauen.

Drei Tage lang brach ich am Nachmittag vollkommen zusammen. Meine Schleimhäute haben sich 2-4 Stunden nach dieser Kurz völlig verrannt in ihrer Arbeit. Alles, alles in mir tat mir weh. Ich habe gezittert, bin ins Bett und dachte ich sterbe. Für gute sechs Stunden. Und das jeden Tag. Also habe ich das Tempo reduziert, und zwar erheblich. Das ist jetzt über 10 Tage her und jetzt bin ich bei dem Drink, den ich oben genannt habe jeden Morgen mit ein bißchen Sellerie in meinem „Smoothie“, den ich noch mit Algen und Koriander versetze zur Aufnahme und Weiterbeförderung der ausgeschwemmten Giftstoffe.

Zwischenzeitig hatte ich einen Blähbauch, in dem ich von Tag zu Tag merkte wie sich all das „Zeug“ in meinem Körper abwärts bewegte. Gestern ist es „unten“ angekommen. Gestern morgen dachte ich, mir zerspringt mein Enddarm, weil ich das Gefühl hatte all das, was seit Tagen „abwärts“ wandert zersetzt meinen hübschen Popo von innen. Ich lebe noch. Und es geht mir auf der einen Seite von Tag zu Tag besser.

Vor drei Tagen bin ich das erste Mal aufgewacht früh am morgen (06h24) und dachte: „Jippie! Der Tag beginnt!“ Seit Wochen denke ich morgens nur noch „oh Herr, bitte lass mich diesen Tag durchstehen UND meinen Kindern in Liebe begegnen.“ Das ist manchmal gar nicht so einfach bei zwei kleinen Kindern und einem Körper, der ständig „Pause, Pause, Pause!“ funkt wie ein SOS-Morsezeichen. Die Morsezeichen sind tatsächlich weg. Ich liebe mein Leben und ich spüre wie die Energie wiederkommt. Aber es ist eben eine Medaille mit zwei Seiten.

Heute morgen taten meine Nieren und mein Unterleib so weh, dass ich nicht wusste, wie ich gehen soll, bis der erste Kram aus meinem Darm heraus war für den Tag. Jetzt geht es aufwärts und auch schon gut. Gestern hatte ich zwischendurch Taubheitsgefühle in der Lippe wie bei einer Betäubung beim Zahnarzt. Ich merke Schritte für Schritt wie alte Gifte herauskommen, durch meinen Körper wandern und dabei so manche Symptome mit sich Hand in Hand führen. Aber ich spüre auch wie es ein Abschied ist und keine Manifestation. Ich weiß auch wie sich das anfühlte vor einigen Jahren als die „Dinge“ kamen, das war ein sehr anderes Gefühl in meinem Körper.

Mir ist vollkommen klar, dass manch ein Mediziner jetzt stöhnen wird und sagt: „Das kann aber auch so und so eine Ursache haben. Ja, das kann sein. Und sicher ist, dass ich bald sterbe. Bald mag in 20, 30 oder auch 50 Jahren sein. Aber im Spiegel der Unendlichkeit ist es sehr bald. Ich weiß, was sich für mich richtig anfühlt. Und dieser Weg fühlt sich gut, richtig und wie Leben an.

Ich weiß, dass jeder von uns, der ein Herz hat und sich selbst liebt, weiß, was ihm gut tut. Ich weiß, dass jede Mutter, jede Frau spürt, was ihre Kinder brauchen. Jede Mutter weiß bei Geburt ihres Kindes alles und nichts. Wir wissen nichts darüber, was ein Kind wirklich braucht. Wer hat schon Bücher über Bücher studiert in denen alles steht, was ein Kind braucht? Und doch wissen wir alles, wenn wir mit unseren Kindern Arm in Arm sind, wenn wir auf unseren Bauch, unsere Liebe und unser Herz hören. Und genauso ist es auch mit einem Hund.

Niemand braucht einen Hundeexperten. Niemand braucht eine Hundeschule. Alles, was wir zu wissen brauchen ist in uns drin. Alles, was ein Hund braucht, ist in ihm drin. Es braucht nur Liebe, gesunde Ernährung, Intuition, Humor und ganz viel Liebe. Hilfreich ist gutes Material und in kniffligen Situationen ein wenig technisches Wissen. Aber das ist nur hilfreich. Nicht notwendig. Ich habe über 10 Jahre Erfahrung und Fachwissen über gutes Material und effektiv wirkende „kniffe / Techniken“ im Umgang mit Hunden in schwierigen Situationen. Die können helfen, wenn jemand Hilfe möchte. Aber sie sind nicht nötig, wenn ein Mensch sich erlaubt auf sich und sein Hundi zu hören.

Das gilt für alles: Für die Gestaltung des Miteinander, für die Ernährung, für die Gestaltung von Liebe, Beziehung und Leben. Für die Gestaltung von Begegnungen, Bewegung und dem Klein-Klein des Alltags. Liebe ist alles. Love is all you need. Oder: All you need is love.

Und damit beschließe ich meine Ausführungen zum Leben und räume die Küche auf. Denn Liebe ist schön und gut. Aber im Kleinen manifestiert sich die große Liebe im Alltag. Und ich liebe mein Leben, meine Hunde, meine Kinder, meinen Paul und dieses Haus. Es ist unser Leben. Und das ist so schön, dass wir es feiern, jeden Tag sofern wir können und uns nicht streiten, hauen und stechen oder anderweitig im leben verlieren.

Das Leben ist kurz! All you need is love! Nehmt euch in den Arm, fragt wie es euch geht und hört einander zu! Und in der Stille wird es besonders schön, dann wenn nichts mehr gesagt wird, weil alles gesagt ist und nur noch das stille Miteinander verbleibt! Küche ich komme.

Therapiehunde brauchen keine Ausbildung

Ich höre es immer wieder und immer wieder! Und es ist ein wirklich wichtiges und großes Thema! Deshalb will ich es einmal in diesem Blog aufgreifen. Wenn sich jemand bei mir für einen Welpen oder Junghund bewirbt, dann kommt ganz oft das Thema: „Ich möchte ihn später zum Therapiehund ausbilden lassen.“

Ja und was bitte will man da ausbilden lassen?

Ein Hund ist ein Hund. Hund sind aggressive Beutegreifer, die in sozialen Strukturen zusammen leben. Sie interagieren sozial mit artgleichen und artverschiedenen Wesen. Hunde sind dabei stets darauf bedacht, dass sie achtsam und angemessen anderen Wesen begegnen. Die einzige Ausnahme besteht im Jagdverhalten, also im Beute reißen. Da begegnen Hunde ihrer jagdlichen (aggressiven) Veranlagung gemäß schnell, angemessen und mit der Absicht zu reißen und möglichst zu töten.

Das ist so! Das können wir auch nicht wegkuscheln. Das ist einfach so! Wem das nicht passt, der sollte sich ein Steifftier und keinen Hund zulegen. Denn Hunde sind aggressive Beutegreifer. Das bedeutet aber auf der anderen Seite, dass sie überaus fein und sensitiv miteinander (unter Hunden) umgehen und noch feiner und sensitiver mit artfremden Wesen kooperieren, die sich in der Kooperation als nützlich erweisen (Mensch).

Ein Hund, der so auswächst, wie ein Hund aufwachsen darf, bleibt fein, weich, intakt, angemessen, stets auf Empfang und des Lebens lustig und freundlich! Ein Hund, der bei sich ist, selbstwirksam, selbtsbewusst und des Lebens froh ist, wird stets angemessen sein Sozialverhalten ausrichten. Angemessen heißt angemessen. Es ist angemessen, dass ein Hund eine Person, die sich über sie beugt und bedrängt gegebenenfalls Unwohlsein zeigt (Bellen). Aber ich will gar nicht auf das schauen, was alle sonst denken: Man muss die Probleme des Hundes im Griff haben und dafür braucht er eine Ausbildung! Das ist Quatsch mit Soße hinten und vorne!

Wenn es einen gibt, der Ausbildung braucht, dann ist es der Hundeführer. Der ist nämlich meistens beschränkt – und das meistens total. Hundeführer bilden sich so vieles ein, von dem meistens nicht einmal die Hälfte stimmt. Keiner tut das aus bösem Willen heraus. Es kursieren einfach so viele Falschmeldungen, Halbwissen und anderer Humbug über Hudne, dass sich ein Hundeführer zunächst einmal „richtiges“ Wissen aneigenen muss, um die nötige Kompetenz für die schwierige Rolle des Hundeführers zu haben.

Ein Hund muss eigentlich nichts lernen, um ein guter Therapiehund sein zu können.

Ist jetzt alles klar? Nein! Natürlich nicht. Denn es gibt so viele Lücken, die für unser menschliches Handeln in dieser Denkweise noch wertekonsistent zu schließen sind. Ich will es anhand der Geschichte erzählen, die ich gerade mit Mayham und Ambra erlebe.

Mayham ist Ambras zauberhafte Patin. Sie arbeitet als Therapeutin im sozialen Dienst und ist nun schon seit ein paar Wochen „ein Paar“ zusammen mit meiner Ambra. So Gott (oder wer auch immer) will werden die beiden dauerhaft (also ein Ambra Leben lang) ein sehr hübsches Paar im Therapiehundewesen sein. Aber da müssen wir erst einmal hinkommen.

Ambra ist jetzt genau sechs Monate alt. Ambra ist äußerlich der schönste Hund, den diese Welt je gesehen hat. Innerlich auch. Ambra ist selbstwirksam, freiheitsliebend, kreativ, eigensinnig, beharrlich, ausgefuchst und voller Liebe zum Leben! Ambra hat zudem eine ganz zauberhafte Art in Begegnungen zu gehen, die Ambra überdurchschnittlich gut zu einem Therapiehund qualifiziert: Ambra macht sich in allen Begegnungen klein und zeigt devotes Verhalten und bleibt dabei gleichzeitig ruhig am Boden liegen zugewandt zu dem Hund oder Mensch.

Wer Hunde nicht lesen kann könnte denken, dass Ambra Angst hat. Dem ist aber mitnichten so. Ambra ist eine ausgefuchste Maus und mit allen Wassern gewaschen! Ambra hat sich als Baby an der Zitzenbar von Mama nie (NIE!) den Platz wegnehmen lassen. Ambra hat immer an der einen und selben Zitze bleiben können, anders als ihre Brüder. Ambra hat aber auch nie gebellt oder geschubst, anders als ihre Brüder, um an eine Zitze zu kommen. Ambra hat gewartet, sich hingeschoben im günstigen Moment und dann getrunken, bis sie satt war. Und ganz genauso macht sie es heute auch – mit Menschen und Hunden.

Ambra geht hin, schaut, wartet, studiert die Situation und wählt ein Verhalten aus dem devoten Spektrum und schiebt sich freundlich, freundlich, freundlich immer näher an die Person oder den Hund heran. Mein 11 Monate alter Sohn Marek schläft daher nicht selten Kopf an Kopf mit Ambra auf dem Teppich im Wohnzimmer ein. Manchmal liegen die beiden wie ein Knäuel ineinander – und das obwohl Marek wie jedes Krabbelkind seine Finger vollauf in Ambras Fell krallt. Ambra nimmt das als Zuwendung still und voller Geduld hin.

Ich kann mir keine (und ich meine keine) Situation vorstellen, in der dieses zauberhafte Wesen namens Ambra unangemessenes Verhalten zeigen würde gegenüber einem Mensch oder Tier. Amseln sind zum Aufscheuchen da. Eichhörnchen zum In die Bäume jagen. Anderen Hunden wählt sie ja nach deren Erscheinungsform eine von 1001 Begrüßungsarten (schlängelnd am Boden, wie ein Känguruh hüpfend oder so tun als ob der andere nicht da ist, weil er ihr nicht ganz geheuer ist, 998 weitere Arten schaffe ich hier nicht auszuführen).

Wenn es ein Problem gibt, das ich mit Ambra habe, dann ist es dieses: Ambra liebt Kinder! Der Spielplatz (ein sehr großer) bei uns im Park ist nicht eingezäunt. Ambra hat immer eine Schleifleine an ihrem Geschirr. Das war einmal schon sehr praktisch, denn Ambra hat plötzlich im Spiel mit Coco entschieden, dass sie nun doch die Kinder, die im Sand spielten, begrüßen will. Ich kann sie so gut verstehen. Woher soll Ambra wissen, dass plötzlich eine unsichtbare Grenze verläuft im Park hinter der sie plötzlich nicht mehr erwünsch ist?

Ambra ist sechs Monate alt. Es ist viel zu früh, um ihr hermetische „hier gehst du NIE hin“-Grenzen erklären zu können (oder zu sollen). Das würde sie in ihrer noch stattfindenden Persönlichkeitsentwicklung deminuieren und ihre unendliche Ressourcenvielfalt deutlich endlich beschränken. Wie blöd wäre das denn?

Ambra hat noch keinen sicheren Rückruf. Es dauert und braucht sehr, sehr gutes Training, um einen sicheren Rückruf zu haben. Das Beherrschen eines sicheren Rückrufes ist kein notwendiges oder überhaupt relevantes Kriterium für einen Therapiehund. Hilfreich ja, aber notwendig auf keinen Fall. Der Rückruf wird in seiner Bedeutung viel zu sehr überschätzt! Viel wichtiger ist doch, dass der Hund freundlich ist, freundlich wirkt und mit jeder Situation prima zurecht kommt.

In dieser Situation war es so, dass ich noch Coco dabei hatte und meine zwei Kinder im Hänger. Ich konnte also nicht mal eben auf den Spielplatz flitzen und Ambra dort wegholen. Eine Erzieherin war so lieb und brachte mir Fräulein Ausbrecherin an der Leine zurück – beide kamen mit einem breiten Grinsen in meine Richtung. Ich habe mich freundlich entschuldigt und alles war gut. Was hat das mit Therapiehund zu tun? Alles!

Therapeutische Situationen sind nicht geschlossen. Angst ist kein Kontinuum. Genauso wie Liebe oder Freude es nicht sind. Wer schon einmal in unendliche verzehrende Angst oder Kummer gefallen ist, weiß wovon ich spreche. Das Gefühl, dass es nie, nie wieder festen Halt geben wird und sich alles auflöst und nirgendwo halt ist, das kann nur erfassen, wer es schon einmal gefühlt hat. Ebenso Liebe. Liebe ist kein Kontinuum. Es gibt keine Skala von 1 bis 10 innerhalb der man lieben könnte. Manchmal, da liebt man so sehr, dass man alles, alles, alles dafür aufgeben würde. Und manchmal tut man das auch.

Deswegen kann ein Hund kein „Set“ an dressierten Kunststückchen oder Verhaltensweisen in eine Therapiesituation einbringen. Und wenn er es tut ist es schlicht Verarschung. Ich weiß, dass viele Therapiehundeschulen so etwas machen und dafür sogar Geld nehmen! Sie meinen es gut, aber sie gehen einen traurigen Irrweg. Warum ist es verarschung, wenn ein Therapiehund beispielsweise „rückwärts einparkt“, um auf ein Signal des Hundeführers parallel zum sitzenden Menschen zu stehen und ihm dann nahe sein zu können? Ganz einfach! Weil die Situation dann gesteuert und vom Menschen geschlossen wird.

Ich möchte einen kurzen Blick in die Unendlichkeit berührender Situationen werfen, in die ich mit Therapiehunden gerutscht bin im Laufe meines Ausbilderlebens. Zwei Erlebnisse sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Es waren Erfahrungen im Hospiz, mit sterbenden älteren und sehr kranken Menschen. In der einen Situation kam ich rein mit einer kleinen Hündin, die vom Hospiz gezielt ausgewählt worden war, weil sie so klein war. Sie konnte dann auf die Betten hüpfen und den Menschen in den Schoß krabbeln. Ich fand das irgendwie nicht so gut, aber ich war jung und wusste, dass es so üblich ist und dachte was andere machen wird schon nicht so falsch sein.

Die Pfleger hatten zuvor abgefragt, ob ein Besuch des Hundes in Ordnung ginge. Die Angehörigen hatten das gesagt. Die Dame war nur noch bedingt ansprechbar und kommunikationsfähig. Wir kamen rein. Nichts passierte. Die Hundeführerin (ich hatte sie ausgebildet) meinte es gut. Sie führte ein paar Kunststückchen mit ihrer Hündin vor. Nichts passierte. Die Dame schaute nur aus dem Fenster. Sie können sich vorstellen wie der Druck im Raum für uns (vier!) Menschen zunahm. Wir waren zu viert (welch Perversion, eine Pflegerin, die Hundeführerin und ich als ihre Ausbilderin). Die Dame starrte stur aus dem Fenster. Die Pflegerin schlug also vor wir sollten die Hündin Gipsy doch einmal hochsetzen. Hoppla! Plötzlich schrie, tobte, schlug die Frau wie eine Irre im Irrenhaus! Hätte sie gekonnt, hätte sie auch noch gebissen, aber sie konnte schlicht nicht mehr!

Wir waren eindeutig in ihren Raum eingedrungen. Ich konnte die Frau so gut verstehen. Niemand hatte sie gefragt, was sie wollte. Sie konnte sich kaum noch wehren. Sie wollte einfach nur noch in Ruhe sterben, so gut es ging. Die Hundeführerin war so stolz auf die Kunststückchen, die Gipsy konnte. Ich war so stolz auf das Privileg das alles in die Wege geleitet zu haben. Die Pflegerin wollte so unbedingt helfen! Wir alle hatten erwartet, dass etwas passiert. Egal was. Etwas. Gipsy hatte nur Leckerchen erwartet. Sie hatte überhaupt nicht mit dieser Frau interagiert. Gar nicht. Wir hatten agiert. Gipsy war nur Leckerchen-Futteromat mit Antennen bei seinem Frauchen gewesen.

Und da wir alle etwas erwartet hatten, konnte wir unsere Erwartung nur schlecht enttäuschen. Wir brauchten also etwas und so geschah dann auch etwas. Die Frau schrie, schlug und zerrte an Gipsy. Wir hatten geerntet, was wir gesät hatten. Wir hatten schlechte und entwürdigende Arbeit geleistet.

Ich will eine andere Situation aus dem Hospiz erzählen, die schlussendlich in Liebe und Harmonie ihre Auflösung fand. Ich war mit meiner eigenen Hündin im Hospiz gewesen, mit Nala. Nala hat den Zweitnamen „Jolie“ die Fröhliche. Weil nala so ist: Fröhlich. Fröhlich und unaufdringlich. Wir kamen zu einer Dame, die früher angeblich zwei Hunde gehabt hatte. Sie war in ihren letzten 10, vielleicht 14 Tagen auf dieser Erde. Auch sie schaute zum Fenster hinaus. Und als wir eintraten und Nala in ihrer unnachahmlichen Art ihren Kopf zart auf das Bett schob und an der Frau schnüffelte wurde die Frau ganz starr. Wir hatten gelernt und die Pflegerin drehte sich um und sortierte irgendein Zeugs, um Druck rauszunehmen. Ich lächelte der Frau zu und kraulte Nala den Popo (das liebt sie). Und dann bewegte die Frau ihre Hand. Da waren so viele Schläuche dran und Nala wollte da erst hin, machte dann aber vermutlich wegen des starken Geruchs von Arzneimitteln einen Bogen um die Hand herum.

Es war Sommer. Und ein Zeh der Dame schaute unter der Decke hervor. Nala schleckte den Zeh und die Frau fing an zu weinen. Ganz still und leise. Und es war als ob ihr Geist das Zimmer verließe in eine andere Zeit. Sie erzählte von ihren zwei Boxern. Nala legte sich hin. Ich setzte mich hin und die Pflegerin ging irgendwann raus. Die Dame erzählte fast 10 Minuten von ihren zwei Boxern. Nala hatte sie in die Gegenwart, in dieses Zimmer zurück geholt. Nur einen Riecher und Schlecker von ihr waren dafür nötig gewesen. Und dann war für ein paar Minuten ein Wunder im Raum. Es ging so plötzlich wie es erschien. Und ich ging dann wortlos aus dem Raum. Alles war gesagt gewesen für den Moment.

Wer therapeutisch arbeitet, weiß, dass die Seele Abgründe und Höhen hat, die ohne Anfang und ohne Ende sind. Und genauso dürfen Begegnungen sein. Hunde holen uns aus dieser Limitation so einfach heraus, wenn sie denn noch Hunde und keine Konditioniermaschinen sind. Und deshalb braucht ein Hund keine Ausbildung zum Therapiehund. Aber Obacht! Das ist kein Freifahrtsschein.

Wir Menschen müssen lernen nicht nur fleißig zu sein und Sand ohne Sinn von Rechts nach Links zu schippen, sondern das Richtige zur rechten zeit zu tun, dass es auch sinnvoll ist und wir Gutes tun mit dem, was wir tun. Und deshalb gilt:

– Jeder Hund, der im Sozialwesen tätig ist, sollte ca. 10 Min. in sozialen Situationen, die aussagekräftig sind, ungeschnitten gefilmt und archiviert werden zum annähernd objektivierbaren Beleg seiner sozialen Tauglichkeit (Obacht! Wesenstest können Hunde sehr negativ beeinflussen und sogar dauerhaft schädigen!)

– Jeder Therapiehund muss in angemessener Weise gezüchtet (genetische Vorselektion des Züchters) und aufgezogen sein beim Züchter (möglichst wenig Interventionen, möglichst natürilche Aufzucht, idealerweise frei auf einem Hof mitten im Stallmist)

– Jeder Therapiehund muss die Möglichkeit zur freien Entfaltung seiner eigenen persönlichen Ressourcen udn tief in sich verwurzelt und im Leben glücklich und frei sein

– Jeder Therapiehund muss frei von ihn belastenden Trainingsarten sein

– Jeder Therapiehund muss die Kooperation mit seinen Menschen als bereichernd und frei von Zwang erleben

– Jeder Therapiehund muss in angemessenem Tempo in sein „Arbeitsumfeld“ ohne Zwang und auf seine Bedürfnisse angepasst integriert werden

Pfui Hund, du stinkst!

Ich habe gerade meinem Coco seine Pfötchenhaare geschnitten. Ich kann Ihnen sagen, dass Sie lieber keinen Pudel einkreuzen sollten, wenn Sie ein stets sauberes Haus wollen. Coco und ich lagen harmonisch auf unseren lattefarbenen Fliesen. Meine Schwiegermutter sprang um uns herum, da mein Großer sie rumkommandierte und Schwiegervater saß vom Tag mit seinen Enkeln erschöpft im Ohrensessel, der natürlich eigentlich Coco gehört.

Und während dieser meditativen Ruhe, die Coco und ich gerade für eine halbe Stunde miteinander genossen haben, habe ich meine Gedanken schweifen lassen. Ich bin nicht weit gekommen, weil mich die Ruhe und der Frieden, den Coco und ich miteinander teilten erfüllt hat. Ich finde es unendlich wichtig, dass wir Menschen die körperliche und seelische Integrität unserer Hunde so wenig wie möglich berühren oder auch nur verletzen.

Das ist nicht immer möglich. Wenn wir unseren Hund zum Tierarzt bringen müssen, weil er eine Verletzung hat, dann wird unser Hund den vom Tierarzt durchgeführten EIngriff mit Sicherheit als eine heftige Überschreitung seiner individuellen Wohlfühldistanz empfinden. Und die extremen und gegebenfalls schmerzhaften Manipulationen als einen verletzenden und schlimmstenfalls sogar traumatisierenden Eingriff erleben. In dieses Beispiel kann sich vermutlich jeder, der schon einmal leidend im Krankenhaus, beim Zahnarzt oder einem anderen „übergriffigen“ Arzt war, reinfühlen.

Was sich viele nicht vorstellen können ist, dass die häufig notwendig erscheinende Körperpflege an Hunden einen ebenso heftigen Übergriff auf den Hund darstellen kann. Ein Hund, der von seinem bisher doch so zuverlässigem und freundlichem Halter gepackt, in ein Metallgefäß (Wanne) gesetzt, dann dort festgehalten und anschließend ohne Vorankündigung mit Wasser übergossen und dabei auch noch aufs Heftigste gerubbelt wird. Was soll der von seinem bisher so verlässlich wirkenden Partner auf zwei Beinen denken? Und mit dieser dramatischen Schilderung nimmt das Übel meistens erst seinen Anfang.

Dann nämlich kommen die Menschen mit widerlich stinkendem schaumigen Zeugs. Rubbeln noch mehr an einem herum. Dann schütten sie wieder Wasser über einem in rauhen Mengen aus. Dabei rubbeln sie dann wieder wie die Bekloppten. Anschließend, gerade dann, wenn das Hundi denkt es kann den Irren, die aus der Anstalt entflohen sind, sicher entkommen, kommt bloß der nächste Akt der grausamen Idiotie: Das Handtuch!

Die – wie bereits gesagt – bisher eigentlich ganz vernünftig wirkenden Zweibeiner entpuppen sich als vollkommen Bekloppte. Erst schleifen sie einen in so ein Metallding, dann machen sie nass, schaumig, nass. Und jetzt kommen sie mit einem Riesen-Stoffding und reiben noch mehr an einem rum (und manche noch beklopptere Exemplare auf zwei Beinen holen ein brüllendes Pusteding, dessen heißen Atem sie dann auf den vor Angst zitternden zwangsfixierten Hund richten).

Bin ich jetzt gegen Körperpflege des Hundes? Jein. Ich denke schon, dass wir Menschen die ethische Pflicht haben uns klar zu machen, dass ein Hund ein Hund und kein freiwillig in sauberen Wohnungen lebendes Wesen ist. Ein Hund liebt Dreck, Scheiße innen und außen, toten Fisch innen und außen und fühlt sich sehr wohl mit diversen Anhaftungen in seiner ihn vor Hitze und Kälte schützenden „Fellkutte“.

Ich finde es absolut unangemessen, was viele Menschen mit ihren Hunden treiben, wenn sie von einem Spaziergang nach Hause machen. Die Hunde im Übrigen auch, bloß fragt die keiner und es hört ihnen auch keiner zu, wenn sie in ihrer Sprache und ihrer Weise ihr Missfallen, ihre Angst und ihre Wut äußern über das, was sie erleben. Und bitte bedenken Sie: Wir alle erleben Hunde, die in bestimmten Situationen bellen, weil sie sich selbst nicht aushalten (die sog. Problemhunde).

Haben Sie schon einmal einen Hund erlebt, der seinen Mensch so wütend anbellt und auch nicht damit aufhört, wenn dieser ihn baden oder abrubbeln will? Ich nicht. Die Hunde erdulden still, zittern und lassen sich wie willenloses – sich selbst aufgegebenes Vieh- hin und herbugsieren. Wo glauben Sie kommt denn die Unfähigkeit vieler Hunde sich adäquat zu verhalten her? Wo kommen denn die chronischen Erkrankungen her, die viele Hunde anheimfallen? Fällt das alles nur vom Himmel oder kann es sein, dass auch die Art und Weise in der wir unseren Hunden körperliche und seelische Integrität gestatten etwas damit zu tun hat? Jeder, der in seinem Leben ein Trauma, bzw. einen schweren und demütigenden Übergriff erlebt hat weiß wie wichtig es ist so leben zu können, dass man sicher ist, dass einem das NIE WIEDER und ich meine NIE NIE WIEDER passiert.

Ein Hund aber muss in der Gewissheit leben, dass sein zuvor – wie gesagt recht rational wirkender Mensch – wieder mal vollkommen durchdreht und zum übergriffigen Hassmonster wird, das nur noch gemein, gemein und gemein ist. Und man weiß nie wann und wie. Aber eines weiß das Hundi irgendwann ganz gewiss: Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Typen am anderen Ende der Leine wieder Gaga sind und einen Fangen, Einsperren, Nassmachen, beschimpfen, Schaum machen, Nassmachen, Abrubbelterror veranstalten.

Ich will das für meine Hunde so nicht. Zum einen vermeide ich jedes unnötige Baden. Das ist ohnehin für Haut und Fell der Hunde nicht gut. Aber es gibt so Situationen, da führt auch wirklich kein Weg dran vorbei. Tatsächlich sind 99% aller Dreckschmoddereinsätze von Hunden gut lösbar mit ein wenig Einfallsreichtum. In den meisten Fällen reicht Zuwarten. In wenigen Fällen (Scheiße im Fell oben im Nacken/Rücken) macht es Sinn den Hund in einem Teich oder Fluss baden zu lassen. Er muss dann wirklich schwimmen. Mehr als einmal schon habe ich meine Nala „zufällig“ vom Steg geschubst (mit einer schnellen drängelnden Beinbewegung), wenn sie sich mal wieder in Entenkacka gewälzt hat.

Im Normalfall ist aber auch das schon bei Nala nicht notwendig. Ich lasse Nala einfach ein paar Enten anschauen, sie schwimmt motiviert hinterher und schon ist das Thema erledigt. Dumm nur, wenn der Hund toten Fisch in seinem Fell hat. Der Geruch von totem Fisch geht auch mit Schwimmen im See oder Fluss kein bißchen raus. Die Sommersaison steht bevor und es ist sehr wahrscheinlich, dass demnächst euer Hund irgendwo einen von Anglern liegen gelassenen Kadaver findet und sich darin wälzt, wälzt und noch mehr wälzt. Prima! Ihr werdet auf der Rückfahrt von Goldhamsterzuchten, zierfischhaltung und Chinchilla-Farmen träumen. Und ihr werdet den Tag verfluchen an dem ihr euch für einen Hund entschieden habt! Denn der Hund wird so verflucht im Auto müffeln, dass es gar keine Frage sein wird, ob er geduscht wird oder nicht.

Er wird dann geduscht. Er wird mit lauwarmen Wasser und Spüli im Fell gerubbelt (im Notfall auch gegen den Strich einmassiert) geduscht. Bitte kein Schampoo. Bitte keine Duftstoffe oder anderen Schietkram aus dem Chemielabor (Drogerie). Am besten simples Spüli von einem Ökohersteller (sonett o.ä.) – es ist dann ohne Enzyme oder anderen Krimskrams (ist auch für eure Haut besser).

So – nun schreibt die pfotenpartner-Tante man soll den Hund nicht quälen und dann tut man es doch? Wie löst man diesen Widerspruch auf? Naja. Zu 100% geht das nicht wirklich. Aber jeder Mensch kann sich bemühen die irgendwann (in diesem oder dem nächsten Sommer) kommende Qual so angenehm wie möglich zu gestalten. Für sich selbst und seinen Hund. Und das beginnt wie immer mit der Planung und Übung vorab.

Deshalb: Beginnen Sie jetzt mit dem Trainng des Duschens! Beginnen Sie so, dass Sie das Training nicht auf das Gelingen konzentrieren, sondern auf das Desensibilisieren? Bitte was, fragen Sie sich? Nun – es ist nicht so wichtig, dass Sie mit dem Training erreichen, dass Ihr Hund das alles gerne und freiwillig mitmacht. Es kann sein, dass er das – sobald er erlebt, was Duschen tatsächlich ist – nie gerne oder gar freiwillig machen wird. Sie können aber dafür sorgen, dass er mit der Dusche oder Wanne so viel Selbstwirksamkeit und positive Gefühle vorab assoziiert wie möglich.

Deshalb ist es gar nicht doof, wenn Sie ca. drei bis vier Wochen lang ab sofort ein winziges kleines Ritual in Ihren Alltag einbauen. Legen Sie Super-Leckerchen in die Dusche für Ihren Hund zur freien Verfügung! Wer eine für den Hund ohne Heben betretbare Dusche hat, legt einfach in die Duschwanne einen gefüllten Kong, einen tollen (wirklich vom Hund begehrten) Kaustreifen oder platziert ein paar Stückchen Fleischwurst in der Wanne.

Wer keine Dusche, sondern eine Wanne hat, in die man den Hund heben muss, muss ein paar Schritte vorher beginnen. Platzieren Sie die o.g. Leckerchen mitten im Raum. Gehen Sie dabei so vor, dass Sie am ersten Tag mit Ihrem Hund zusammen den prall gefüllten Kong (stellvertretend für alle anderen Superleckerchen im Weiteren) in das Badezimmer tragen. Dort legen Sie ihn kommentarlos auf den Boden und gehen weg. Wo Ihr Hund den Kong verspeist ist vollkommen egal. Er darf ihn gerne davon tragen. Das Ganze machen Sie 2 – 3x hintereinander. Wer eine Duschwanne hat, legt seinen Kong 3x in die Duschwanne und erlaubt seinem Hundi das Entschwinden.

Ab dem vierten Tag nehmen Sie eine Zeitung oder ein Buch mit. Wenn Sie ins Bad gehen udn Ihr Hudn mitgeht, machen Sie die Badezimmertür zu. Es ist der erste Schritt zur Einbindung von Freiheitsbeschränkung in diesem „Spiel“. Ansonsten tun Sie nichts. Legen Sie den Kong gerne in eine hintere Ecke der Dusche oder des Bades und lassen Sie den Hund in Ruhe seine Portion in sich hineinschlabbern. Lesen Sie dabei Ihre Zeitung oder Buch. Gehen Sie nicht weg. Es ist kein Alleinbleibetraining. Es geht auch um Ihre Anwesenheit / Nähe dabei.

Bei Hunden, die das toll und gerne machen ohne dabei verunsichert zu wirken durch die Zwangsfixierung in dem ihnen wenig bekannten Raum (Badezimmer), genügt es auch hier 2-3x das Spielchen so zu spielen. Bei Hunden, die unsicher sind sollte diese Übung 7-10 Tage lang täglich wiederholt werden. Es ist wichtig bei unsicheren Hunden sehr langsam vorzugehen. Denn der Übergriff wird am Ende ohnehin kommen. Aber sie brauchen eine tiefere Verfestigung der guten Gefühle. Ansonsten nimmt ihre Angst zu schnell überhand und sie werden an die positiven zu wenigen Erfahrungen keinen Zugang mehr haben.

Man kann sich das so vorstellen wie einen Anker der Seele. Oder vielleicht einen Leuchtturm. Wenn die Seele des Hundes in Not gerät, ist er für den Moment nicht weniger in Not. Er hat jedoch einen Orientierungspunkt an dem er sich ausrichten kann: Seine guten Erinnerungen. Und er hat einen Anker, der ihn hält: Seine guten Erinnerungen. Er geht dann nicht völlig verloren im Strudel seiner Angst und seiner schlimmen ihn überwältigenden Gefühle.

Er kann nach oder während des Übergriffes (Duschen) wieder in einen Zustand der inneren Ruhe und des Friedens zurückehren. Das an sich ist schon viel wert. Manchen Hunden, die keinen Leuchtturm und/oder Anker von ihren Menschen „geschenkt“ bekommen, gehen im Strudel ihrer Gefühle verloren. Das sind dann die (kleinen) Hunde, die immer wieder als Kläffköter auffallen oder die Hunde, deren Augen so tumb und ausdruckslos an jeder Bushaltestelle in diese scheintote Welt sinnlos hineinstarren. Irgendwo muss die Seele sich ja verlieren, um in diesen zustand der Apathie hineinzukommen.

Unsere jungen Hunde, die gerade einmal fünf Monate alt sind, sollten aber von diesem Zustand so weit entfernt sein, dass sie sich diesen Geisteszustand noch nicht einmal vorstellen können. Dennoch! Es genügt nicht, gute Vorsätze zu haben. Es ist als Eigentümer des Leibeigenen Hundes erforderlich, dass wir Menschen uns Gedanken dazu machen, wie wir unseren aufgezwungenen Wunsch nach einem erträglichen Zusammenleben mit dem Hund auch für ihn erträglich gestalten. Stellen Sie sich mal vor, Sie wären irgendwo zu Gast, trügen eine Creme auf, die sie gerne mögen und Ihr Gastgeber würde Sie kommentarlos in die Dusche schleifen, abduschen, einseifen, abduschen und abtrocknen. Und falls Sie nicht stillhalten, hält Sie ein zweiter fest. Würden Sie dort auch nur eine Nacht noch verbringen?

Daher zurück zum Thema! Wenn Ihr Hund von sich aus ab und an mal im Bad vorbeischaut, ob da nicht der tolle Stoff ist, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Wenn Ihr Hund willig ins Bad vorausläuft, wenn Sie mit dem Kong loslaufen, auch. Und wenn Ihr Hund den Kong ausschlabbert, danach liegen bleibt oder einfach mit Ihnen kuschelt und die geschlossene Tür völlig okay findet auch.

Denn jetzt kommt der nächste Schritt! Ab hier wird es komplex, daher werde ich die Ausführungen heute nicht mehr fertig stellen. Ab hier kann man nicht mehr jeden Hund über einen Kamm scheren. Und diese Differenzierung ist wichtig, damit das Training und die investierte Zeit überhaupt einen Sinn hat für den Hund und auch den Mensch.

Wer eine Dusche hat, legt den Kong so weit nach hinten wie möglich in die Dusche. Vielleicht können Sie den Kong auch oben auf der Armatur platzieren? Seien Sie einfallsreich und versuchen Sie Ihren Hund dazu zu bekommen in die Dusche mit möglichst allen vier Pfötchen zu gehen. Vielleicht können Sie den KOng auch in einem Körbchen an der Armatur auf Kopfhöhe hängen? Ihr Hund kann ja alleine rein und raus in die Dusche. Lassen Sie ihn. Alternativ kann jetzt auch das Einstreuen der Dusche mit ein paar Superleckerchen hilfreich sein.

Wer eine Wanne hat, legt den Kong in die Wanne oder auf den Rand der Wanne (so dass der Hund sich mühen muss daran zu kommen). Es geht nicht darum, dass der Hund alleine an den Kong herankomt. Das kann er nicht und das soll er auch nicht. Er soll sich bloß ein bißchen bemühen, ein bißchen mit der Wanne „beschäftigen“ mit dem Gefühl von Vorfreude.

Wenn Sie das Gefühl haben er hat sich nach 15 – 30 Sekunden genug bemüht und ist noch freudig aber nicht frustriert, geben Sie ihm den Kong oder rollen Sie ihn einfach ein bißchen in seine Richtung, bis er sich den selbst schnappt und davon zischt. Ab jetzt dürfen Sie ihn wieder aus dem Bad rauslassen und die gemeinsame Badsitzung ist vorbei.

Das gleiche gilt für den Duschkabinenhund. Es ist nicht Sinn und Zweck dieser ersten Schritte, dass der Hund gerne in der Duschwanne ist oder bleibt. Es ist nur bezweckt, dass er an das „Hineingehen“ gute Erinnerungen haben wird.

Bevor Sie jetzt stöhnend die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich fragen wie lange der Firlefanz denn noch gehen soll, bis Sie endlich duschen können mit ihrem Stinketier auf vier Pfoten? Wenn Not am Mann ist, tun Sie es natürlich einfach. Aber hoffen wir einfach mal, dass noch keine Not am Mann sein wird.

Die ersten Schritte sind immer die aufwendigsten. Ich sage im Training jedem, der es noch hören kann: „Im Anfang steckt das Ende.“ Es ist so. Im Anfang steckt das Ende. Wer sich die Karten gut legt, wird später eine Chance haben, gewinnen zu können. Ich ermuntere meine „Halter“ dazu ihren Hunden auf den ersten 10% des Weges 90% der Leckerchen in ihren Hund hineinzustopfen. Und wenn das nicht genügt, dann werden einfach die geplanten 100% während des Spaziergangs erweitert – oder auch nicht. Egal.

Wer sich die Karten nicht legt, wird nur auf das Glück und äußere Umstände angewiesen sein. Das kann manchmal gut gehen. Es geht aber auch oft in die Hose. Und dann mit Anlauf volle Granate.

Ich will, dass es Ihnen und Ihrem Hund macht, Freude zusammen zu leben. Ich will, dass Sie Ihren Junghund lieben! Und ich will, dass Sie mit ihm ein langes Hundeleben verbringen das von mehr glücklichen als unglücklichen Momenten getragen ist. Für Sie, Ihre Kinder, Ihren Hund, Ihre Nachbarn und natürlich die leidgeprüften Ehepartner, die den täglich vom „Viech“ hineingeschleppten Dreck (meist) still ertragen.

Coco sucht Paten

Es ist soweit! Wir haben uns durchgerungen. Und wir hoffen, dass wir für unseren Augapfel, den Zwerg, das Schätzchen, den Chaot und Alles-Dreckig-mach-Hund mit dem schönsten Augenaufschlag wo gibt einen tollen Menschen als Paten finden.

Für alle, die mehr wissen wollen zu Coco und dem, was wir uns unter Patenschaft vorstellen, hier ein kurzer (oder wie bei mir mal wieder längerer) Eindruck:

Coco ist ein fantastischer Hund. Er ist humorvoll, liebt es im Wasser zu toben, anschließend in den Sand zu hüpfen und schlussendlich mit schwarzen Stiefeln nach hause zu kommen. Beim Spielen mit anderen Hunden haben die immer ein wenig goldenen Flaum im Maul. Coco spielt mit vollem Körpereinsatz und da bleibt nichts anderes übrig, als dem Hühnchen auch mal ein paar Federn zu rupfen.

Ich habe Coco, wie alle meine Hunde, zu einem freundlichen, unaufgeregten Begleiter geschult. Coco liebt meine Kinder (10 Monate und 2 Jahre) abgöttisch. In unserem Haushalt lebt Cocos zauberhafte Schwester Ambra und seine Mutter Nala wird demnächst von ihrem Urlaub auf dem Bauernhof auch wieder zu uns zurückkehren.

Auf Dauer können wir keine drei Hunde halten.

Daher suchen wir jemanden, der Lust hat, Coco in sein Leben zu integrieren. Es ist dabei völlig gleichgültig, wer Sie sind und wie Sie leben. Junge Menschen, alte Menschen, Familie, Singles, Eigenheimbesitzer wie Zur-Miete-Wohner. Alle sind Coco und uns gleichsam willkommen als Paten.

Wichtig ist, dass Sie bereit sind, einer Zauberschnute, die so fein und weich ist, wie mein Coco mit Liebe, Achtsamkeit und ein wenig Humor zu begegnen. Den braucht man nämlich, wenn Goldschopf sich wie Schwein in Schiet schmeißt und man darüber nachdenkt, ob man den Hund anschließend verkaufen, kahl scheren oder vollbaden will. Wir haben damit unseren Weg gefunden und erzählen gerne über unsere Ideen und Erfahrungen mit Coco.

Wenn sich jemand findet, bei dem Coco mit Haut und Haaren geliebt wird, bei dem sich alles gut einspielt, bei dem wir uns rundum wohl fühlen und der auch mit uns (meiner Familie) und mir gut zurecht kommt, steht im nächsten Jahr einer dauerhaften Vermittlung nichts im Wege.

Eine Einschränkung habe ich jedoch noch: Ich möchte Coco in meiner Nähe behalten. So nah wie möglich wäre mir lieb. Mehr als 10 km würde ich ihn nur mit großen Bauchschmerzen abgeben. Am liebsten wäre mir in Hamburgs Norden oder Norderstedt, jedoch nicht länger als eine halbe Stunde Fahrt mit dem Auto.

Ich beantworte jede Zuschrift, die ernst gemeint und bemüht ist an meine Emailadresse tunia(at)pfotenpartner.de. Manchmal brauche ich ein bis zwei Tage dafür, da ich zwei kleine Kinder habe und mit ihnen und meinen Hunden manchmal allein bin.

Ich wünsche mir einen Menschen, dessen Seele lacht, manchmal weint und der neugierig ist… auf Coco, die Zauberschnute!

Schonzeit 15.04. – 15.07.

Das Beitragsbild zeigt Nala nach erfolgreicher Jagd eines Kaninchens. Die Beute verteidigt sie ohne zu zögern (nur fürs Protokoll: Nicht gegen mich. Mein Australian Shepherd Dschinn stand bei dem Foto neben mir und wollte Nala die Beute wegnehmen, man sieht, dass Nala nach links knurrt). Nala ist eine Jägerin erster Güte. Nala jagt, Nala tötet mit einem Biss und Nala verspeist ihre Beute vollständig. Es bleibt von einem Kaninchen nichts übrig!

Es gibt Jägäer und Gejagte. Unsere Hunde sind Jäger. Doch bitte bedenkt: In den nächsten drei Monaten sind sie Gejagte! Es ist Schonzeit und es wird scharf geschossen gegen (wildernde) freilaufende Hunde. Und Obacht! Ein Jäger darf einen freilaufenden Hund selbst dann schießen, wenn er nicht offenkundig wildert, sondern nur weiter entfernt von seinem Besitzer frei läuft. Ein kluger Jäger wird das nicht tun. Aber die Zahl kluger Jäger nimmt ab und die Zahl schießwütiger Deppen mit einer Flinte und Schießschein mit SUV unterm Arsch nimmt in erschreckendem Maße in Deutschland zu!

Deshalb bitte ich euch: Fahrt Fahrrad mit euren Hunden. Meinen Bibihaltern in und um Hamburg habe ich es beigebracht, sofern sie keine Fahrradfahr-Phobie haben (Ambras Patin hat da ein „Thema“).

Zum einen ist es jetzt Zeit zum Fahrradfahren. Die Welpen sind jetzt fünf Monate alt. Da können, müssen und sollen sie auch am Fahrrad laufen. Es tut ihnen gut. Wobei laufen das falsche Wort ist. Grundsätzlich sollten Hunde am Fahrrad nur ein schnelles Schrittempo oder einen langsamen Trab „laufen“. Schneller nicht. Das schüttet zu viel Adrenalin aus und versetzt die Hunde nur in Stress. Sinn des Radfahrens ist es die Reichweite zu erhöhen, flexibler zu sein in der Anpassung des Tempos, der Strecke und dem Hund eine spannende neue Möglichkeit zu bieten sich mit seinen Menschen fort zu bewegen.

Als ich vor drei Wochen angefangen habe meine Hunde am Fahrrad laufen zu lassen sind sie wieder deutlich entspannter geworden. Die Kehrseite ist, dass wir coco eigentlich nur noch an die Wäscheleine hängen wollen, wenn wir wieder da sind. Er kommt fast immer so schwarz wie Indie zurück, da er voller Begeisterung in jedes (JEDES!) Schlammloch springt, das wir unterwegs entdecken.

Wichtig ist, dass bitte niemand (NIE!MAND!) seinen Hund ab jetzt bis zum 15. Juli im Wald freilaufen lässt. Jetzt wird scharf geschossen! Ich will den ökologischen Sinn der Schonzeit nur kurz erwähnen: Es soll den Jungtieren eine Chance gegeben werden in Frieden aufzuwachsen. Und Jäger dürfen jetzt nicht „normal“ schießen. Aber Obacht! Natürlich gibt es Förster und Jäger, die auf die Einhaltung der Schonzeit achten. Und die beinhaltet eine bundesweite Leinenpflicht teilweise inner- jedenfalls aber außerhalb der Kommunen.

Bitte lasst eure Hunde nicht frei laufen im Wald! Mit Wald meine ich nicht alles das, was grün ist. Sondern mit Wald meine ich Orte an denen ihr Wild erwarten würdet. Das tut man nicht im kleinen Park hinter dem Haus. Aber wenn ihr euch in euer Auto setzt und ein paar Kilometer ins Grüne fahrt, werdet ihr so einen Ort finden. Und genau dort fahrt ihr bitte bis zum 15. Juli NICHT HIN MIT EUREM HUND!

Bitte bedenkt, dass manche „Freizeitjäger“ oder „Lebensgefrusteten Förster“ scharf schießen, nur weil der Hund frei läuft! Bitte bedenkt, dass in Deutschland jedes Jahr nicht nur Hunde, sonern auch Menschen durch schießwütige Jäger und Förster verletzt werden oder zu Tode kommen! Bitte nehmt meine Warnung ernst! Die Zahl schießwütiger Jäger nimmt zu, die nicht mit Augenmaß, sondern Schießwut an „die Sache“ herangehen. Bitte meidet in dieser Zeit den Forst möglichst vollständig! Und bitte, wenn es nicht anders geht, beißt in den sauren Apfel und haltet euren Hund dann fest an der Leine! Und wer weiß, dass in seinem Forst schießwütige Jäger unterwegs sind, der geht dort bitte, bitte in der Schonzeit gar nicht hin.

So. Schluss meines Aufrufes. Ich will euer und eures Hundes Wohlergehen. Und Tatsache ist: Eure Hunde sind jung. Sie entwickeln, sofern sie es tun, in den nächsten Wochen fühlgbare, geile sie erfüllende und überwältigende Jagdpassion. Und es kann sein, dass eure bisher so freundlichen und gut abrufbaren Hunde, wenn ihnen in den nächsten Wochen ein schönes Rehlein direkt vor der Nase durchstartet einfach weg sind. Und ich meine: WEG! Der Hund läuft hinterher und ihr seht euren Hund für eine Viertelstunde nicht mehr. Wenn ihr Glück habt. Mit Pech länger. Und wenn in dieser Zeit irgendwo ein Schuss fällt. Ich möchte dann nicht in eurer Haut stecken. Und ich möchte keines meiner Bibis so jung zu Grabe tragen müssen.

Ihr werdet von mir zu sonst nichts Aufrufe hören. Ich bin nicht dafür, sich wegen Giftködern verrückt zu machen. Ich lasse meine Hunde allen Scheiß fressen und mache mir keine Sorgen. Punkt. Wenn ich ein komisches Gefühl habe, dann pflücke ich sie ab und gehe weiter. Und gut. Und ich habe so gut es geht die Geisteshaltung: Ich mache mir keine Sorgen. Das ist wie mit unseren Flughafen-Besuchen mit den Kindern. Wir fahren da einmal pro Woche hin. Und das Risiko dort Opfer eines Attentates zu werden ignoriere ich ganz einfach. Punkt.

Aber es gibt große und kleine Wahrscheinlichkeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein freilaufender Hund im Wald in der Schonzeit geschossen wird, ist hoch. Ich würde sagen mindestens 1 zu 1000, gefühlt aber höher. Vielleicht 1 zu 500. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei ein Mensch verletzt wird, ist geringer, aber immer noch im statistisch relevanten Bereich. Da es eine einfache Lösung gibt, bitte ich euch sie in diesem ersten Jahr mit euren Welpen zu 100% zu befolgen: Meidet vom 15.04. bis 15.07. Waldgebiete.

Fahrt an die Elbe, geht an der Alster spazieren, geht in kleine Parks, fahrt Fahrrad, tut Dinge, die Spaß machen aber geht nicht in den Wald mit euren Hunden! Bitte.

Leckerchen, Leckerchen, Leckerchen

Ich beginne jede Einarbeitung mit den Worten: „Man kann einem Hund nicht zu viele Leckerchen geben.“ So einfach ist es. Ein zu viel an Leckerchen gibt es schlicht nicht. Ja gut, vielleicht, wenn der Hund sich seitwärts wie eine Tonne rollt und die Pfoten zwischen den vielen Schichten aufgeblähten Fettgewebes nur noch als Stummel herausschauen. Das ist dann ein verfetteter Hund. Wer einen solchen Hund „hinbekommt“ bei normaler artgemäßer Bewegung, angemessenem Umgang und ansonsten gesunder Ernährung möge mir bitte einen Protestbrief schicken. Ich veröffentliche ihn dann.

Ansonsten gilt: „Leckerchen, Leckerchen, Leckerchen!“ Unsere Hunde sind so „verwöhnt“, dass mit „einfachen“ Leckerchen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Gestern habe ich neue Leckerchen aus dem EDEKA ausprobiert. Der Hersteller ist Purina und die Packung sah vielversprechend aus. Als ich es aufgemacht habe, dachte ich, ich müsste erbrechen. Es stank wie Scheiße mit Kunstdüngergeruch. Inhaltsstoff Nummer 3 war Glyzerin. Ja ehrlich! Glyzerin! In der Futtermittelindustrie ist es wohl normal die Viecher damit zu füttern. Mahlzeit beim nächsten Schweinekotelett.

Meine beiden sind völlig verrückt nach ihren glyzerinhaltigen Lebensmitteln. Ich habe immerhin 1,49 EUR für diesen Scheiß bezahlt! Dann sollen die Hunde das gefälligst auch fressen! Haben sie leidenschaftlich gerne und unsere Schneewanderung heute war ein voller Erfolg.

Ich nehme immer so viel Leckerchen mit, dass die Hunde eigentlich fünf Spaziergänge damit bestreiten können sollten. Und ich schneide die Leckerchen so astronomisch klein, dass es kleiner nicht geht und gleichzeitig mit Handschuhfingern noch irgendwas greifbar ist, was ein Hundemaul noch gerne verwertet. Zum Schluss unserer Wanderung waren wir ziemlich trocken gefallen, aber meine goldene Regel „immer genug Leckerchen mitnehmen und auf keinen Fall riskieren in der trainingsphase mit leeren Händen dazustehen“, habe ich mit Ach und Krach selbst eingehalten bekommen.

Gleich müssen wir neue Leckerchen kaufen. Mal schauen, ob ich etwas mit weniger Müll darin verwertet finde.

Morgen treffen wir uns alle und ich hoffe, dass wir genug Leckerchen haben werden für eine regelrechte Leckerchenparty! Denn morgen wünsche ich mir, dass wir es schaffen konzentriert zu arbeiten und unser Knäuel zu entwirren und die Hunde zu fokussieren. Mal schauen, ob es klappen wird, klappen kann. Aber die Bibis sind nun fast fünf Monate alt, also „reif“ für diese Herausforderung.

Eigentlich ist das, was ich geschrieben habe nur das Präludium zu dem, worauf es wirklich ankommt: Wie verteile ich meinen Leckerchenregen? Wann gebe ich Leckerchen? Worauf kommt es dabei an? Wie schaffe ich es, dass es Fortschritte im Training gibt und ich einfach nur sinnlos mein Leckerchenpulver verschieße? Doch ich muss los in die Kita. Und so bleibt nur morgen das gesprochene Wort – bald, aber bald, schaffe ich es vielleicht auch hierdraus ein Buch zu machen. Denn das, was hier ungesagt bleibt ist das, worauf es eigentlich ankommt…